Der Buchblog-Flaneur: Zehn Leseempfehlungen aus dem Februar 2026

"Auf den richtigen Moment für das richtige Buch warten"

26. Februar 2026
Redaktion Börsenblatt

Blogger Uwe Kalkowski, besser bekannt als "Der Kaffeehaussitzer", flaniert monatlich durch die Buchblogs und stellt bei uns besprochene Titel vor. Hier kommt seine literarische Netzauslese für Februar.

Uwe Kalkowski

Uwe Kalkowski

Buchflaneur

Obwohl ich im Februar geboren bin, ist das für mich – wie für viele von uns – der trübste Monat des Jahres. Alles ist grau, nasskalt, trostlos. Immerhin liegt gegen Ende dann doch ein Hauch Frühling in der Luft und die Tage sind bereits deutlich länger geworden. Und wie trüb der Februar auch gewesen sein mochte - das Flanieren durch die Welt der Buchblogs war so bunt und abwechslungsreich wie immer. Zehn neue Textfundstücke gibt es: hier sind sie. 

Glückwunsch

Den Anfang macht ein etwas verspäteter Glückwunsch: Der wunderbare Blog Nur Lesen ist schöner ist 15 Jahre alt geworden! Bloggerin Stephanie Sack schreibt über die Anfänge, was alles daraus wurde und wie sehr ein Buchblog zum Teil des eigenen Lebens werden kann. Ein sehr lesenswerter Text, große Empfehlung. Auf die nächsten 15 Jahre, liebe Stephanie!

"Wie fühlst du dich? Über unser Innenleben in Zeiten wie diesen": Der Titel dieses Buches von Axel Hacke lässt das Gedankenkarussell anspringen. Im Blog Peter liest hat sich Peter Peters näher damit beschäftigt und kommt zu einem hoffnungsvollen Fazit. 

In einer mitreißenden Besprechung stellt Marion Rave in ihrem Blog schiefgelesen den Roman "Die Tiefe" von Ishbel Szatrawska vor, erschienen bei Voland & Quist.

Das Grauen der Shoah

Stefan Härtel schreibt in seinem Blog Bookster HRO über den Roman "Das schönste aller Leben" von Betty Boras. Es ist ein persönlicher und sympathischer Text - und genau diese Nähe zum Gelesenen ist das Besondere an Buchbesprechungen in Literaturblogs. 

Vor etwa einem Jahr ist im Steidl Verlag der Photoband "Auschwitz Birkenau" erschienen. Der Photograph Juergen Teller hat darin den heutigen Zustand des einstigen Vernichtungslagers dokumentiert. Im Blog Aisthesis geht Lars Hartmann der Frage nach, ob dieser Band mit seinen handwerklich perfekten Photos ein angemessener Umgang mit dem Grauen der Shoah ist. 

Wenn bei einem Buch nicht spätestens bei Seite Hundert der Funke übergesprungen ist, breche ich es ab und es kommt auf den Aussortiert-Stapel. Bei manchen Büchern merkt man aber, dass es einfach nicht der richtige Zeitpunkt dafür ist - die wandern dann zurück ins Regal und warten auf eine passendere Gelegenheit. Im Blog Letusreadsomebooks geht es genau um dieses Thema: Um den richtigen Moment für das richtige Buch. Ein sehr schöner Text. 

Text aus dem Gefängnis

Im Blog Leselebenszeichen schreibt Ulrike Sokul über den neuen Roman von Walter Moers, über "Qwert". Er trägt den Untertitel "Ein Prinz-Kaltbluth-Roman in 43 Aventiuren"; das Fazit der Rezension lautet: "in phantastisches Leseabenteuer mit einem Ritter wider Willen, das neben der abwechslungsreichen, spannenden und romantischen Handlung über geistreichen Wortwitz, vergnügliche Genreselbstironie, einige Prisen Philosophie, Liebe, Musenküsse und Zahlenschluckauf verfügt." Das klingt nach Walter Moers in Bestform. 

Die Verhaftung und Verurteilung des Journalisten und Zeitungsverlegers Ahmet Altan steht exemplarisch für die autoritäre Willkürherrschaft des türkischen Regimes unter Recep Erdoğan. Unter dem Titel "Ich werde die Welt nie wiedersehen" sind 2018 Ahmet Altans Texte erschienen, die er im Gefängnis geschrieben hat. Im Blog Buchpost wird der Band vorgestellt - eine wunderbare Besprechung.

Sich das Essen nach Hause liefern zu lassen ist bequem - und Teil eines gnadenlosen Ausbeutungssystems, überall auf der Welt. Das Buch "Liefern" von Tomer Gardi beschäftigt sich in Romanform mit diesem Thema. Im Blog Buch-Haltung schreibt Marius Müller darüber: "Wenn es ein deutschsprachiges Buch in diesem Frühjahr gibt, dass den Anspruch eines globalen Romans einlöst, dann ist es Tomer Gardis neues Buch."

Zum Abschluss

Und in meinem eigenen Blog Kaffeehaussitzer stelle ich das Buch "Nulllinie" von Szczepan Twardoch vor. Der "Roman aus dem Krieg", wie es im Untertitel heißt, holt uns Leser aus unserer Komfortzone und schickt uns ins Niemandsland, an die Front in der Ukraine. In eine andere Welt, die aber nicht weit entfernt ist; dorthin, wo Russland einen Angriffskrieg nicht nur in Europa, sondern gegen Europa führt.

Über den Kaffeehaussitzer

Uwe Kalkowski ist seit über dreißig Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus verschiedenen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit 2019 arbeitet er für den Eichborn Verlag in Köln. Auf seinem privaten Literaturblog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher und Leseerlebnisse. Als Buchblog-Flaneur stellt er monatlich zehn Fundstücke aus der Welt der Literaturblogs vor.