Historische Krimis

Auf Sherlocks Spuren

25. Februar 2026
Guido Heyn

Detektivabenteuer im historischen Setting sind en vogue – gern mit starken Held:innen, die sich über die Konventionen ihrer Zeit hinwegsetzen.

Innenansicht Benedict Mirow

Ermittlungen im ­vikto­rianischen London: Der clevere ­Zeitungsjunge "Joshua Jackelby" hilft einem genialen Erfinder, dem die Pläne zu seiner Flugmaschine gestohlen wurden (Benedict Mirow, Thienemann, Der Audio Verlag)

Sherlock Holmes’ berühmte Schwester Enola ist nur eine von vielen jungen Detektiven und Detektivinnen, die vor historischer Kulisse ermitteln. Aber sie ist eine der erfolgsreichsten: Den Büchern von Nancy Springer folgte nicht nur eine Comicumsetzung, sondern auch eine Netflix-Serie mit Starbesetzung. 

Diese Verfilmungen haben Enolas Abenteuern noch mehr Publikum und neue Leser:innen beschert, wie Christin Nase, Leitung Pres­se- und Öffentlichkeitsarbeit bei Knesebeck, anmerkt. Das Team des Münchner Verlags beobachtet einen anhaltenden Trend "zu solchen historischen Settings gepaart mit Spürnasen". Knesebeck hat passende Titel schon geraume Zeit im Programm: Seit 2016 gibt es die Erfolgsserie "Ein Fall für Wells & Wong", seit 2019 die bereits erwähnte "Enola Holmes".  

Aber was macht den Reiz dieser Kinderkrimis aus, die durch viele Novitäten gerade einen frischen Schub erleben? Emily Huggins, Programmleitung Kinder- und Jugendbuch bei Uerberreuter, meint: "Historische Krimis gibt es im ­Kinderbuch ja schon lange, aber meiner Einschätzung nach hat sich durch den Erfolg der 'Enola Holmes'-­Serie und der Serie 'Babylon Berlin' für Erwachsene das ­Interesse besonders am 19. Jahr­hundert und dem frühen 20. Jahrhundert sehr verbreitet." Und was macht gerade diese Spielart des Krimis so spannend? Für Huggins ist es das "Eintauchen in das Flair einer anderen Zeit und in eine ­Detektivgeschichte fern aller technischen Finessen, in der Logik und Psychologie im Vordergrund stehen" – ganz in der Tradition klassischer Ermittler wie Sherlock Holmes und Miss Marple.  

Einen weiteren Aspekt nennt Südpol-Verlegerin Andrea Poßberg: Über das historische Setting bekommen Leser:innen einen Einblick in vergangene Epochen, in Moralvorstellungen, Gesellschaftsordnungen, Alltagsleben. Hinzu kommt ein gewisser "Cosy-Gruselfaktor", denn die beschriebenen Kriminalfälle sind keine bedrohlichen Geschichten aus der Gegenwart, sondern liegen lange zurück. Für Christin Nase bringen die Bücher nicht zuletzt einen Hauch von Maskerade mit. "Außerdem schildern sie oft starke Frauen-/Mädchenfiguren, die sich behaupten – und das in einer Zeit, in der das alles andere als selbstverständlich war." 

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