Aber was macht den Reiz dieser Kinderkrimis aus, die durch viele Novitäten gerade einen frischen Schub erleben? Emily Huggins, Programmleitung Kinder- und Jugendbuch bei Uerberreuter, meint: "Historische Krimis gibt es im Kinderbuch ja schon lange, aber meiner Einschätzung nach hat sich durch den Erfolg der 'Enola Holmes'-Serie und der Serie 'Babylon Berlin' für Erwachsene das Interesse besonders am 19. Jahrhundert und dem frühen 20. Jahrhundert sehr verbreitet." Und was macht gerade diese Spielart des Krimis so spannend? Für Huggins ist es das "Eintauchen in das Flair einer anderen Zeit und in eine Detektivgeschichte fern aller technischen Finessen, in der Logik und Psychologie im Vordergrund stehen" – ganz in der Tradition klassischer Ermittler wie Sherlock Holmes und Miss Marple.
Einen weiteren Aspekt nennt Südpol-Verlegerin Andrea Poßberg: Über das historische Setting bekommen Leser:innen einen Einblick in vergangene Epochen, in Moralvorstellungen, Gesellschaftsordnungen, Alltagsleben. Hinzu kommt ein gewisser "Cosy-Gruselfaktor", denn die beschriebenen Kriminalfälle sind keine bedrohlichen Geschichten aus der Gegenwart, sondern liegen lange zurück. Für Christin Nase bringen die Bücher nicht zuletzt einen Hauch von Maskerade mit. "Außerdem schildern sie oft starke Frauen-/Mädchenfiguren, die sich behaupten – und das in einer Zeit, in der das alles andere als selbstverständlich war."