Urlaub

Coolcation: Das sagen die Reiseverlage

9. Juli 2026
Matthias Glatthor

Viele Medien feiern "Coolcation" derzeit als neuen Reisetrend. Was ist dran an dem Hype? Und passen Reiseverlage ihre Programmplanung jetzt entsprechend an?

Ein Mann mit Mütze, Badeschuhen, Handschuhen und Sonnenbrille liegt in einem pinken Flamingo-Gummitier auf einem See, hält einen Drink in der Hand und treibt in einer eisfreien Fläche. Rundherum ist der See gefroren.

Cooler geht’s kaum: Wer im Sommer unter der Hitze ächzt, sehnt sich nach Abkühlung im eiskalten Wasser

Die jüngste Hitzewelle mit bis zu über 40 Grad in Deutschland hat sicher bei einigen die Frage aufgeworfen, ob man im Urlaub noch in den Süden reisen sollte – oder lieber in kühlere Gefilde. In den Medien ist der Begriff "Coolcation" gerade ein großes Ding, aber zeichnet sich tatsächlich ein entsprechender Trend im Reiseverhalten ab? "Wir sehen es in der Nachfrage gar nicht", erklärt Astrid Koch von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reise (FUR). In der jährlichen Reise­analyse sei keine Ausweichbewegung in Richtung Norden zu erkennen. Es gebe leichte, aber keine signifikanten Verschiebungen.

Für Reiseverlage ein Thema?

"Coolcation wird sehr stark in den Medien gespielt", meint Christine Brisch, bei MairDumont Leitung Business Unit Dumont Reise, Baedeker, Marco Polo, Lonely Planet. "Das greifen wir in trendorientierten Formaten wie dem Marco Polo Trendguide 2026 'Wohin geht die Reise' auf." Brisch bestätigt die Erkenntnisse der Reiseanalyse: "Eine grundsätzliche Verschiebung weg von den südlicheren Zielen rund um das Mittelmeer hin zu nördlicheren Zielen stellen wir über alle unsere Reiseführer-Reihen so (noch) nicht fest." Es seien eher einzelne Länder, die immer wieder sehr gefragt seien – wie vor einigen Jahren Island oder aktuell Norwegen. 

"Coolcation? Ja, sicher erleben wir das", meint wiederum Carl Rauch, Geschäftsführung Kompass Freytag & Berndt. "Unsere Karten und Wanderführer für Skandinavien funktionieren gut am Markt, auch die Straßenkarten von Island oder den Färöer-Inseln werden verlässlich gekauft." Im deutschsprachigen Raum besetze der Verlag das Thema "Wasserwandern" stärker.

Im Programm des Reise Know-How Verlags hätten die "Coolcation"-Titel schon immer eine starke Rolle gespielt, erläutert Verlagsleiter Thorsten Altheide: von den Britischen Inseln über Skandinavien bis ins Baltikum. "Aber wir glauben, dass es nicht nur eine Frage von Wetter und Klima ist. Es gibt hier weniger Overtourism, die Erreichbarkeit auch ohne Flugzeug ist (mit Ausnahmen) gut, es sind allesamt sichere und entspannte Reiseziele mit guter Presse." Neu sei, so Altheide, dass diese Ziele praktisch ganzjährig bereist würden.

Beim Michael Müller Verlag erkennt man den Trend zu "Kaltwasserzielen", wie Michael Müller sie einmal augenzwinkernd nannte, seit zwei, drei Jahren an der Nachfrage. Allerdings mache er sich "nicht so krass bemerkbar", wie Brigitte Seitzer (Marketing & Kommunikation) anmerkt. Die Top-30-Liste der meistverkauften Titel bleibe recht stabil, jedoch hätten sich etwa die französischen Regionen Bretagne und Normandie immer weiter nach oben geschoben.

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