"Späth war ein Fabulierer von barocker Fülle, voller Sprachlust, derber Komik und abgründiger Melancholie", fährt der Nachruf fort. Wie Gottfried Keller in Seldwyla habe er in der Kleinstadt am See die ganze Welt gefunden: "Rapperswil ist der Raum, in dem meine Geschichten wohnen", sagte er. Mit unbestechlichem Blick und unbändigem Vergnügen am Grotesken habe er der Enge, der Selbstgerechtigkeit und der Doppelmoral der heilen Schweizer Welt nachgespürt – und hielt in einer Zeit, in der die Literatur vielfach zur nüchternen Selbsterkundung neigte, unbeirrt an der Lust am Erzählen fest.
Leiser wurde sein Ton im Spätwerk, etwa in den "Aufzeichnungen eines Fischers", die seit 2006 im Basler Lenos Verlag erschienen sind. Der Autor wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1992), dem Kulturpreis des Kantons St. Gallen (2002) und dem Gottfried-Keller-Preis (2010). Sein umfangreiches Werk umfasst Romane, Erzählungen, Hörspiele und Theaterstücke. Er lebte in Italien, Irland und in Rapperswil.
"Mit Gerold Späth verlieren wir einen großen Erzähler", trauert der Verlag.
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