Als der an kulturellen Fragen nicht sonderlich interessierte Bundeskanzler Friedrich Merz im vergangenen Jahr völlig überraschend den in kulturellen Fragen zuvor nicht hervorgetretenen Journalisten und Medienunternehmer Wolfram Weimer zum Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) machte, kamen sogleich Befürchtungen auf, dass dieser sein Amt ideologisch versehen und ihm unliebsame, seinem eher schlichten konservativen Weltbild nicht genehme Positionen ausgrenzen würde.
Die Befürchtungen waren berechtigt. Wenige Wochen erst liegt es zurück, dass Weimer in Sachen Berlinale von einem Fettnapf zum anderen eilte und so die Institution nachhaltig beschädigte, da macht er sich auf, den von seiner Vorvorgängerin Monika Grütters ins Leben gerufenen Deutschen Buchhandlungspreis zu diskreditieren. Einen Preis, der sich in der Vergangenheit als hilfreiche finanzielle Unterstützung für die deutschen Buchhandlungen erwies, die mehr denn je um ihre Existenz zu kämpfen haben.
Auch für den Preis 2025 wurde eine unabhängige, aus Fachleuten bestehende Jury berufen, die ihre – ungemein arbeitsintensive – Aufgabe unerschrocken anging und 118 Buchhandlungen für auszeichnungswürdig erachtete. Mit der Entscheidung Weimers, nun drei dieser Buchhandlungen von der Liste zu streichen, fällt er nicht nur der Jury in den Rücken, sondern macht den Preis lächerlich und beschämt die Prämierten, die das Wohlwollen des Staatsministers behielten.
Gegen die ausgeschlossenen Buchhandlungen lägen "verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse" vor, und da die Bundesregierung "Extremismus in jeder Form entschlossen und konsequent" begegnen wolle, habe man die Entscheidung getroffen. Auf welchen Tatbeständen diese im Einzelnen beruhe, wurde nicht genannt, wie die Betroffenen keine Chance bekamen, sich dazu zu äußern.
Wer mit Menschen spricht, die die drei Buchhandlungen in Göttingen, Berlin und Bremen kennen, hört allenthalben Lobreden auf ihre Inhaber, die ihren Beruf so verstehen, dass sie sich nicht als bloße Bestsellervertriebsläden sehen und Haltung zeigen. Und ja, es sind "linke" Positionen, die hier hochgehalten werden und die dem BKM nicht in den Kram passen. Vielleicht sollte man ihn daran erinnern, dass er nicht zum Staatsminister bestellt wurde, um nach amerikanischem Vorbild Kulturkämpfe anzuzetteln. Für Kultur einzutreten heißt, Vielfalt und einen sehr breiten Meinungskorridor zuzulassen, ja diesen als Bereicherung zu empfinden. Das gilt gerade für den Buchhandel, egal, ob er linke, rechte oder gar keine Überzeugungen vertritt. Staatsminister Weimer hat das nicht einmal im Ansatz verstanden.
Es bleibt die Konsequenz, dass die als unbedarft hingestellte Jury zurücktritt und der Preisverleihung in Leipzig fernbleibt – einer Preisverleihung, bei der es an wohlfeilen Sonntagsreden gewiss nicht mangeln wird.
besser kann man die aktuellen Vorgänge eigentlich kaum auf den Punkt bringen. Und ja, es werden nicht nur ohne jede Chance auf Prüfung, Einspruch oder Widerspruch drei Buchhandlungen, ALSO DREI VON UNS, an den öffentlichen Pranger gestellt. Das Gebaren desavouiert ebenfalls alle anderen Beteiligten, ob Jury oder Preisträgerinnen und Preisträger. 118 minus 3 macht somit eigentlich 0 und vielleicht ist dies ja das tiefere Ziel dieser unsäglichen Aktion.
Dank und herzlicher Gruß aus Köln
Jens Bartsch - Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln