Hauptverband des Österreichischen Buchhandels

"Eine europäische Stimme des Respekts": Dacia Maraini erhält Ehrenpreis

16. September 2026
Redaktion Börsenblatt

Die italienische Schriftstellerin Dacia Maraini ist diesjährige Preisträgerin des Ehrenpreises des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln, der höchsten Auszeichnung, die der österreichische Buchhandel zu vergeben hat. Die Preisverleihung findet im November in Krems/Stein an der Donau statt.

Dacia Maraini

Dacia Maraini

"Mit Dacia Maraini ehren wir 2026 eine Schriftstellerin, die der europäischen Idee durch ihr Leben und ihr Werk eine unverwechselbare Stimme gegeben hat", begründet Benedikt Föger, Präsident des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, den Entscheid der Jury. "Geboren 1936 in Fiesole, erlebte sie als Kind Krieg, Verfolgung und Internierung in Japan, wohin ihre Familie vor dem italienischen Faschismus geflohen war. Diese Erfahrungen prägten ihr tiefes Verständnis für Freiheit, Menschenwürde und Verantwortung.

Seit mehr als sechs Jahrzehnten zählt Dacia Maraini zu den bedeutendsten Autorinnen Italiens. In Romanen, Erzählungen, Gedichten und Theaterstücken hat sie jenen eine Stimme verliehen, die allzu oft übersehen werden: Frauen, Ausgegrenzten, Benachteiligten und den Opfern von Gewalt. Ihr großes politisches Engagement, vor allem für Frauenrechte und Gleichberechtigung, und die Thematisierung der unterschiedlichen Formen sexueller Gewalt sind in ihren Werken durch ihre außergewöhnliche Fähigkeit präsent, individuelles Schicksal und gesellschaftliche Fragen miteinander zu verbinden. Für ihr literarisches Schaffen wurde sie unter anderem mit dem Premio Strega ausgezeichnet.

Doch Dacia Maraini ist mehr als eine herausragende Erzählerin. Sie ist eine unermüdliche Verteidigerin von Dialog, Bildung und kultureller Offenheit. Ihre Texte überwinden Grenzen von Sprache, Nation und Herkunft. Sie erinnern uns daran, dass Toleranz nicht Gleichgültigkeit bedeutet, sondern die aktive Bereitschaft, den anderen zu verstehen, Unterschiede anzuerkennen und Vielfalt als Bereicherung zu begreifen.

Gerade in einer Zeit neuer Spannungen in Europa steht ihr Werk für Humanität, Empathie und die Kraft des Gesprächs. Dacia Maraini hat gezeigt, dass Literatur Brücken bauen kann, wo Vorurteile Mauern errichten.

Der Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln würdigt daher nicht nur eine große Autorin, sondern eine europäische Stimme des Respekts, der Freiheit und des friedlichen Miteinanders."

Über Dacia Maraini

Dacia Maraini ist eine der wichtigsten Stimmen Italiens sowie feministische Pionierin. Geboren 1936 in Fiesole, aufgewachsen in Japan und Sizilien. Aufgrund der antifaschistischen Haltung der Eltern in einem japanischen Gefangenenlager interniert, frühe Erfahrung von Hunger. Sie war eine der Ersten, die über Gewalt an Frauen schrieb, begründete experimentelle Theater und reiste mit P. P. Pasolini für Filmprojekte nach Afrika, schrieb Drehbücher u. a. für Margarethe von Trotta. Bei Folio zuletzt erschienen: "Die stumme Herzogin" (2020), "Trio" (2021), "Tage im August" (2024), "Ein halber Löffel Reis" (2025).

Über die Auszeichnung

Der Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln wird seit 1990 an Personen vergeben, die sich in ihrem Werk und durch ihr Engagement für Toleranz in Bezug auf sprachliche sowie kulturelle Vielfalt in herausragender Art und Weise eingesetzt haben und somit einen Beitrag zu einem friedlichen Miteinander in Europa geleistet haben. Er wird vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels ausgerichtet.

Der Preis wurde erstmals 1990 an Milo Dor vergeben, weitere Preisträger:innen waren Viktor Frankl, Inge Merkel, Kardinal Franz König, Gerhard Roth, Simon Wiesenthal, Hugo Portisch, H. C. Artmann, Christine Nöstlinger, Sir Peter Ustinov, Josef Haslinger, Karl-Markus Gauß, Ilse Aichinger, Konrad Paul Liessmann, Erich Hackl, Barbara Frischmuth, Klaus Wagenbach, Martin Pollack, Paul Lendvai, Erika Pluhar, Armin Thurnher, Alfred Komarek, Brigitte Hamann, Barbara Coudenhove-Kalergi, Bischof Erwin Kräutler, Doron Rabinovici, Elif Shafak, Ilija Trojanow, Francesca Melandri, A.L. Kennedy, Navid Kermani, Miljenko Jergović, Philippe Sands, David Grossman und Eva Menasse.

Preisverleihung

Die feierliche Ehrung findet im Rahmen der Europäischen Literaturtage in einer Matinee am Sonntag, 22. November um 11.00 Uhr im „Klangraum Krems Minoritenkirche“ in Krems/Stein an der Donau statt.