Leipzig

Erweiterungsbau der Nationalbibliothek: BKM rudert zurück

18. März 2026
Redaktion Börsenblatt

In der vorigen Woche hatte der Kulturstaatsminister einen Stopp des Erweiterungsbaus der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig verfügt – das hat für heftige Kritik gesorgt. Nun gibt es Bewegung in der Sache: In einer aktuellen Mitteilung ist nun von einem Moratorium die Rede. Und Wolfram Weimer bekräftigt den Sammelauftrag der DNB.

Außenansicht der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig

Die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig

Selbstverständlich ist und bleibt der Bund der Deutschen Nationalbibliothek als Schatzkammer unseres schriftlichen Kulturerbes verpflichtet, ebenso wie ihrem Standort in Leipzig.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer

Laut Mitteilung aus seinem Haus (18. März) erarbeite der Staatsminister für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, derzeit Vorschläge für eine Reform des Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG). Dabei sollen die Entwicklung der Medienmärkte, die zunehmende Digitalisierung und die Praktikabilität der Pflichtablieferung noch stärker berücksichtigt und somit die Abbildung des kulturellen Erbes im gesetzlichen Auftrag angemessen abgesichert werden. Darüber hinaus solle die DNB ihren Sammelauftrag auch bei der weiterbestehenden Pflichtablieferung physischer Exemplare flexibler umsetzen können, wie mit dem Ersatz der Zweitexemplare durch digitale Exemplare.

Auch im Zuge dieser Konzepte würden sich grundsätzliche Fragen stellen, so die Mitteilung weiter, die künftig benötigte Kapazitäten berühren können. Eine abschließende Prüfung der kostendefinierenden Planungsunterlagen für einen 5. Erweiterungsbau in Leipzig durch die zuständige Bauverwaltung des Bundes stehe jedoch noch aus, und die langfristige Finanzierung sei derzeit noch nicht gesichert. Das daraus resultierende Moratorium bedeutet aber nicht, dass das Vorhaben gestrichen sei. Es könne in das laufende Haushaltsaufstellungsverfahren eingebracht werden, so dass hierüber parlamentarisch beraten werden kann.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer lächelnd vor heller Wand

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer 

"Schatzkammer unseres schriftlichen Kulturerbes"

Staatsminister für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, sagt: "Selbstverständlich ist und bleibt der Bund der Deutschen Nationalbibliothek als Schatzkammer unseres schriftlichen Kulturerbes verpflichtet, ebenso wie ihrem Standort in Leipzig. Gleichwohl wollen wir für die Umsetzung ihres umfassenden Sammelauftrags künftig auch die Möglichkeiten der Digitalisierung stärker einsetzen." Deshalb gelte es, diesen gesetzlichen Sammelauftrag an die veränderten Gegebenheiten unserer digitalen Zeit anzupassen – "nicht zuletzt auch mit Blick auf die enger werdenden finanziellen Spielräume der kommenden Jahre". Dabei werde man gemeinsam auch in Zukunft den Erhalt eingehender physischer Medienwerke sicherstellen.

Der Generaldirektor der Deutschen Nationalbibliothek, Frank Scholze, begrüßt die Entscheidung des Staatsministers sehr, den nächsten Schritt auf dem Weg zur Realisierung des Baus zu gehen: "Es ist nicht nur unser gesetzlicher Auftrag, sondern auch unsere gesamtgesellschaftliche Verantwortung, das kulturelle Erbe im 'Gedächtnis der Nation' zu bewahren und für künftige Generationen zugänglich zu machen. Dass hierzu inzwischen ein breiter Konsens mit dem Staatsminister und der Öffentlichkeit besteht, ist ein ermutigendes Zeichen für die Zukunft unseres Landes."

Hintergrund:

Der geplante 5. Erweiterungsbau in Leipzig mit zu erwartenden Gesamtkosten von mehr als 100 Millionen Euro soll physische Neuzugänge sowie ältere Bestände aufnehmen, die derzeit nicht unter ausreichenden klimatischen Bedingungen gelagert werden können. Das Bauvorhaben soll im Zeitraum von 2027 bis 2032 realisiert werden.

 

Die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) hat Standorte in Frankfurt am Main und Leipzig. Als zentrale Archivbibliothek Deutschlands sammelt, dokumentiert und archiviert sie alle Medienwerke in Schrift, Bild und Ton, die seit 1913 in und über Deutschland oder in deutscher Sprache veröffentlicht werden – ohne Wertung, im Original und lückenlos.