Deutscher Buchhandlungspreis

Frankfurter Kulturdezernentin befürchtet Schaden für die Buchbranche

13. März 2026
Redaktion Börsenblatt

Ina Hartwig, Kulturdezernentin der Buchmessen-Stadt Frankfurt und ehemalige Literaturkritikerin, kritisiert das Vorgehen von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Dass er zuerst drei Buchhandlungen von der Liste der Preisträger für den Deutschen Buchhandlungspreis 2025 streichen ließ und im zweiten Schritt noch die ganze Preisverleihung absagte, findet sie nur schwer nachvollziehbar.

Porträt von Ina Hartwig

Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig

Das ist das falsche Signal. Denn der Deutsche Buchhandlungspreis ist gerade für die kleinen und unabhängigen Buchhandlungen in Deutschland besonders wichtig.

Ina Hartwig

"Dieses Vorgehen schadet der gesamten Buchbranche und dem Ansehen des renommierten Deutschen Buchhandlungspreises", so Ina Hartwig in einer Presseinformation (12. März). "Das ist das falsche Signal. Denn der Deutsche Buchhandlungspreis ist gerade für die kleinen und unabhängigen Buchhandlungen in Deutschland besonders wichtig. Er dient der Anerkennung und Würdigung ihrer Arbeit, die in Zeiten großer Buchhandlungsketten und des Internethandels ohnehin schwierig genug ist."

Zudem seien die kleinen, inhabergeführten Buchhandlungen auf das Preisgeld angewiesen.

In der langjährigen Geschichte des Preises sei ein Einmischen in die Entscheidung der unabhängigen Jury seitens des Auslobenden bisher noch nicht bekannt geworden. Durch die aktuelle Debatte werde langjährig aufgebautes Vertrauen unnötig verspielt, so Hartwig.

Kulturdezernentin Hartwig reagiert auch mit Humor

In Bezug auf eine der drei von der Liste gestrichenen Buchhandlungen, die Buchhandlung "Zur schwankenden Weltkugel" aus Berlin, sei eine verfassungsschutzrechtliche Überprüfung besonders kurios, sagt Hartwig: Die Buchhändlerinnen ließen sich bei der Namensfindung inspirieren von einer Erzählung der Autorin und Bohémienne Franziska Gräfin zu Reventlow (1871–1918), Titel: "Das Logierhaus 'Zur schwankenden Weltkugel'".

"Eine femme fatale adliger Herkunft aus Husum, Franziska Gräfin zu Reventlow, die fleißig übersetzte und schrieb und mit nicht einmal fünfzig Jahren in der Schweiz vom Fahrrad fiel und starb: 'Die schwankende Weltkugel' jedenfalls ist ihre Erfindung. Da sollte der Herr Weimer nicht resignieren, der Verfassungsschutz hat die Gefahr sicherlich längst erkannt.“

Abschließend betont die Frankfurter Kulturdezernentin: "Die Freiheit der Meinung und des Wortes sind höchste Güter der Demokratie, die ein Staatsminister nicht ohne Not aufs Spiel setzen darf."