Julya Rabinowich

Meisterin der Sublimierung

11. Juni 2026
Jule Heer

Mit sieben Jahren kam Julya Rabinowich aus Leningrad nach Österreich, mit neun schrieb sie erste Gedichte auf Deutsch. In ihrem Schreiben setzt sie sich immer wieder mit Trauma und Entwurzelung auseinander.

Ein Porträtfoto der Autorin Julya Rabinowich

Julya Rabinowich

Als sie 2006 großformatige Gemälde mit blutigen, gespaltenen Köpfen von der Atelierwand nimmt, endet für Julya Rabinowich ihre Di­plomarbeit. Dass aus dem Projekt "Spaltkopf" ihr erster Roman werden wird, ahnt sie damals noch nicht. "Der Spaltkopf steht für das verdrängte Trauma", erklärt Rabinowich, die sechs Jahre als Dolmetscherin arbeitete, bevor sie Malerei studierte. Sie übersetzte simultan Psychotherapiestunden im Diakonie-Flüchtlingsdienst. Dort begegnete sie Geschichten von Flucht, Folter und Trauma. "Ich wusste, diese Geschichten mussten erzählt werden", sagt Rabinowich. Aber verfremdet.

Wenn sie bei Therapiestunden übersetzte, merkte sie, wie die Men­schen sich veränderten, sobald sie über ihre Traumata sprachen. "Sie wirkten wie besessen." Lange habe sie selbst verdrängt, dass sie mit den Betroffenen etwas gemeinsam hatte: die Entwurzelung aus der Heimat.