Als sie 2006 großformatige Gemälde mit blutigen, gespaltenen Köpfen von der Atelierwand nimmt, endet für Julya Rabinowich ihre Diplomarbeit. Dass aus dem Projekt "Spaltkopf" ihr erster Roman werden wird, ahnt sie damals noch nicht. "Der Spaltkopf steht für das verdrängte Trauma", erklärt Rabinowich, die sechs Jahre als Dolmetscherin arbeitete, bevor sie Malerei studierte. Sie übersetzte simultan Psychotherapiestunden im Diakonie-Flüchtlingsdienst. Dort begegnete sie Geschichten von Flucht, Folter und Trauma. "Ich wusste, diese Geschichten mussten erzählt werden", sagt Rabinowich. Aber verfremdet.
Wenn sie bei Therapiestunden übersetzte, merkte sie, wie die Menschen sich veränderten, sobald sie über ihre Traumata sprachen. "Sie wirkten wie besessen." Lange habe sie selbst verdrängt, dass sie mit den Betroffenen etwas gemeinsam hatte: die Entwurzelung aus der Heimat.