Rentenreformpläne

"Gefährlicher Irrweg": HDE warnt vor Abschaffung der Minijobs

24. Juni 2026
Redaktion Börsenblatt

Der Handelsverband Deutschland (HDE) warnt vor den Plänen zur Abschaffung der Minijobs im Rahmen der Rentenreform. Das würde hunderttausende Jobs im Einzelhandel vernichten.

"Es ist richtig und wichtig, dass die Rentenkommission Wege sucht, die Sozialversicherungen und damit auch die Lohnnebenkosten zu stabilisieren und zu senken. Die weitgehende Abschaffung der Minijobs ist dabei aber ein gefährlicher Irrweg", mahnt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth in einer Mitteilung des Verbands. Das würde hunderttausende Jobs im Einzelhandel vernichten. Denn viele Minijobber können beispielsweise wegen fehlender Möglichkeiten zur Kinderbetreuung gar nicht Vollzeit arbeiten. Und auch für viele Rentner und Studenten würde das ein wichtiges Standbein ihrer Alltagsfinanzierung wegschlagen."

Auch aus Sicht der Handelsunternehmen wäre die Entscheidung fatal. Minijobs würden es den Händlern ermöglichen, Personal flexibel einzusetzen und die branchentypischen Stoßzeiten abzufedern. Es könne nicht das Ziel sein, Arbeitnehmer und Unternehmen in der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage zusätzlich zu belasten. Die Einbeziehung von Beschäftigten mit sehr geringen Einkommen in die Beitragspflicht würde zudem einen erheblichen zusätzlichen Verwaltungsaufwand verursachen, ohne dass nennenswerte Mehreinnahmen für die Sozialversicherung zu erwarten wären, so Genth.

Allein im Einzelhandel würden derzeit 800.000 Minijobber arbeiten. Damit gelte es verantwortungsvoll umzugehen. Die Vorschläge der Rentenkommission dazu seien nicht zu Ende gedacht. 

Die Rentenkommission hatte ihren Bericht am 23. Juni im Kanzleramt dem Bundeskanzler sowie der Bundesarbeitsministerin übergeben. Einer der 33 Vorschläge darin: Beitragsfreie Minijobs sollen künftig regulär wegfallen und ausschließlich für Schülerinnen und Schüler möglich sein. Bisherige Minijobs bis 603 Euro monatlich waren von Sozialabgaben befreit, Arbeitgeber zahlten nur Pauschalabgaben. Künftig sollen alle Minijobber Beiträge in die Renten-, Pflege- und Krankenversicherung einzahlen. Die schwarz-rote Regierungskoalition plane, alle Empfehlungen der Rentenkommission umzusetzen, wird Bundeskanzler Friedrich Merz in Medien zitiert.