Dass Verschwörungsmythen und Fake News schier unbesiegbar erscheinen, liegt maßgeblich daran, dass sie die besseren Geschichten liefern als die Komplexität, die Unwägbarkeiten und Zufälle, die unsere Realität bestimmen. Leider sind diese Geschichten alles andere als harmlos.
In den Erzählungen der Querdenkerbewegung wurden auch Motive aus dem Film "Die Matrix" vereinnahmt, wenn aufgerufen wurde, aus einer angeblichen Matrix auszubrechen oder Elon Musk dazu aufforderte, die rote Pille zu schlucken. Doch nicht nur diese haben sich als anschlussfähig an rechtsextreme Positionen erwiesen. Schon die "Mahnwachen" des Jahres 2014 warben über den Glauben an Chemtrails bei Umweltaktivisten und Friedensbewegten um Sympathien für die Eroberungskriege Vladimir Putins. Entsprechende Facebookgruppen wurden zum Teil von bekennenden Neonazis administriert. In den Fake News über die angebliche Verjüngungsdroge Adrenochrom lebt die mittelalterliche Geschichte vom jüdischen Kindermord weiter. Auf Social Media kursieren Impfgegner-Memes, deren Bildsprache von Karikaturen des Nazi-Hetzblattes "Der Stürmer" abstammt. Der Stürmer-Karikaturist Philipp Rupprecht selbst war dabei offensichtlich vom Mythos jüdischer Brunnenvergifter inspiriert.