Hebbel-Preis 2027 geht an Svenja Leiber
Svenja Leiber, 1975 in Hamburg geboren und in Norddeutschland aufgewachsen, erhält den Hebbel-Preis 2027. Zuletzt erschien ihr Roman "Nelka".
Svenja Leiber
Svenja Leiber, 1975 in Hamburg geboren und in Norddeutschland aufgewachsen, erhält den Hebbel-Preis 2027. Zuletzt erschien ihr Roman "Nelka".
Svenja Leiber
In der Preisbegründung heißt es: "Seit dem Erscheinen ihres ersten Erzählbands "Büchsenlicht" (2005) hat Svenja Leiber die deutsche Gegenwartsliteratur um eine unverwechselbare Stimme bereichert. In ihren Romanen "Schipino" (2010), "Das letzte Land" (2014), "Staub" (2018) und "Kazimira" (2021) erzählt sie von Menschen, die teils gesucht, teils gezwungen aus der vermeintlichen Ordnung herausfallen und versuchen müssen, ihren eigenen Weg zu finden.
Ihr literarisches Interesse gilt den Fragen nach Identität, Geschichte, Verantwortung und (weiblicher) Selbstbestimmung, denen sie mit poetischer Tiefe nachspürt. Die unbekannten Orte und Landschaften, in denen die Romane angesiedelt sind – von der norddeutschen Provinz über Russland und den Nahen Osten bis an die Ostseeküste –, sind ein Speicher historischen Wissens, in dem Svenja Leiber Kapitel verdrängter Vergangenheit aufspürt und sie in eine eindringliche literarische Gegenwart überführt.
In ihrem aktuellen Werk "Nelka" (2026) widmet sich Svenja Leiber dem Schicksal zwangsverschleppter Frauen aus Osteuropa während der NS-Zeit. Im Mittelpunkt steht die junge Nelka, die 1941 aus Lemberg auf einen Gutshof nach Schleswig-Holstein gebracht und dort zu harter Arbeit gezwungen wird. Ihr Wissen im Apfelanbau schützt sie zunächst vor den Übergriffen des Gutsverwalters. Jahrzehnte später kehrt sie an den Ort zurück, an dem sie sich als junges Mädchen gemeinsam mit anderen Frauen gegen Gewalt, Ausbeutung und Erniedrigung behaupten musste. In einer eindrücklichen Begegnung zwingt sie auch den Gutsherrn, sich zu erinnern.
Mit einem besonderen Gespür für Details und großer sprachlicher Sorgfalt erzählt Svenja Leiber in einer klaren, bisweilen poetischen Sprache ein bislang zu wenig bekanntes Kapitel der Zeitgeschichte. Dabei gelingt ihr das große Kunststück, die Frauen nicht erneut zu Opfern zu machen, sondern sie als Menschen zu bewahren."
"Nelka" steht auch auf der Liste der meistgenannten Titel, die Leser:innen von Börsenblatt online auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis setzen würden.
Der mit 5.000 Euro dotierte Hebbel-Preis wird alle zwei Jahre verliehen und zeichnet in Norddeutschland geborene oder lebende Künstlerinnen und Künstler aus. Er wird im Rahmen einer Feierstunde am 21. März 2027 im Hebbel-Museum Wesselburen (Dithmarschen) übergeben. Zu den bisherigen Trägern des Hebbel-Preises zählen u.a.: Feridun Zaimoglu, Dirk von Petersdorff, Karen Duve, Jochen Mißfeldt, Nis-Momme Stockmann, Berit Glanz, Svealena Kutschke und Caren Jeß.