Mehr Buch ins Stadtbild
Wenn die Branche noch an das glaubt, was sie ausmacht – dann sollte sie das auch deutlicher zeigen, meint Susanna Wengeler.
Buch statt Handy in der Bahn!
Wenn die Branche noch an das glaubt, was sie ausmacht – dann sollte sie das auch deutlicher zeigen, meint Susanna Wengeler.
Buch statt Handy in der Bahn!
Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und kein Digital Native ist, dem fällt etwas auf: Früher war mehr Buch. Heute ziehen die meisten das Mobiltelefon aus der Tasche, sobald sie einen Sitz- oder Stehplatz gefunden haben – sofern sie es nicht schon beim Einsteigen in der Hand hatten. Für mitreisende Kinder bedeutet dieses Bild Normalität und weckt Begehrlichkeiten. Wenn Erwachsene so versunken sind in dieses Gerät, dass sie fast den Ausstieg verpassen, dann gilt es, bei diesem Spiel dabei zu sein. Damit Ruhe ist, landet ein Zweitgerät nicht selten im Kinderwagen, und das Buggy-Buch wird zum Dekoelement.
Die Zeiten ändern sich. Machen wir halt Bücher, die sich sinkenden Aufmerksamkeitsspannen anpassen – das scheint für Pragmatiker die unausweichliche Konsequenz zu sein. Wer dagegenhält, wird als nicht zeitgemäß abgestempelt. Abwägen erscheint als Schwäche, weil der Algorithmus eine Aktion wie Nachdenken nicht belohnt.
Tatsächlich liefern die neue Pisa-Studie sowie besorgniserregende politische Entwicklungen ausreichend Argumente dafür, die Fähigkeit des Lesens – insbesondere des vertiefenden Lesens – zu fördern, wo es nur geht: als Mittel der Selbstwirksamkeit, der gesellschaftlichen Teilhabe und des persönlichen Wohlbefindens. Gewiss, die Kinder- und Jugendbuchbranche ist weder für Leseförderung noch für Weltrettung zuständig. Appelliert sie jedoch in erster Linie an die Politik, diese Aufgaben endlich mit der angemessenen Entschlossenheit und den notwendigen finanziellen Mitteln anzugehen, verwirkt sie eine naheliegende Chance.
Wie oft schauen Sie aufs Handy, wenn Sie unterwegs sind? Legen es auf den Tisch, wenn Sie jemanden im Café treffen? Zücken es, wenn Sie an einer Ampel stehen? Ich tue das viel zu häufig. Kinder sehen das.
Wie aber wäre es, wenn wir spätestens auf der Fahrt zur Frankfurter Buchmesse ein Zeichen setzen und alle mit einem Buch in der Bahn sitzen würden? Wenn wir es wieder stolz mit uns herumtragen, anstatt es als Ballast zu betrachten? Wenn wir uns selbst sichtbar in die Lektüre vertiefen, die wir verkaufen möchten, damit Neugierde wecken – und so gemeinsam mehr Buch ins Stadtbild brächten? Und nein, das müssten wir nicht gleich posten. Einfach nur genießen.
Es könnte die günstigste und überzeugendste Buchmarketing-Kampagne aller Zeiten werden. Denn die Währung wäre Glaubwürdigkeit. Sind Sie dabei?
Susanna Wengeler ist Gründerin des Ideenportals bilderbuchmarkt.de