Veranstaltungstipps für die Jugendbuchmesse

Internationale Podiumsdiskussionen in Bologna

9. April 2026
Redaktion Börsenblatt

Auch wenn die Terminkalender der Aussteller:innen der Fachmesse (13.-16. April) selten Spielraum bieten – das Angebot, sich rund um das Thema Kinder- und Jugendbuch zu informieren, ist auch in diesem Jahr wieder riesig in Bologna. Einige Themen im Überblick:

Eingang zur Jugendbuchmesse Bologna

Vorfreude auf die Internationale Jugendbuchmesse in Bologna

200 Jahre Carlo Collodi

Der 200. Geburtstag des Autors Carlo Collodi wird u.a. mit einer Ausstellung in der Eingangshalle der Messe unter dem Titel "Italian Excellence. Pinocchio’s New Clothes" gefeiert, zu der ein zweisprachiger Katalog erscheint.  Gezeigt werden rund 50 Illustrationen von neuen wie etablierten Illustrator:innen, dazu sind zahlreiche Panels und Vorträge geplant. U.a. werden am 15. April, 13:00–13:40 Uhr, im Illustrators Café Lorenzo Mattotti und die junge Künstlerin Nicole Tecchio über die Figur Pinocchio sprechen.

Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen

Nach Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit im vergangenen Jahr setzt die Jugendbuchmesse ihre Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen fort: 2026 konzentriert man sich auf die Forschung zu Fabeln und Märchen und deren Fähigkeit, vielfältiges kulturelles Erbe mithilfe einer gemeinsamen Sprache zu vermitteln. Die Wahl dieses Schwerpunkts entspringe dem Wunsch, einen Trend im Verlagswesen zu untersuchen, der als Versuch erklärt werden könnte, in dunklen Zeiten durch eine Rückkehr zur Tradition Zuflucht zu finden.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit UN Publications dazu heißt "Across Cultures, Through Stories: The Universal Power of Fairy Tales" (13. April, 14:00–14:50 Uhr, The Next Chapter Café). Es diskutieren Mary E. Glenn (Leiterin der Abteilung für Veröffentlichungen der Vereinten Nationen, Abteilung für globale Kommunikation der Vereinten Nationen, USA), Julia Eccleshar (Journalistin, Großbritannien), Katia Canton (Wissenschaftlerin, Brasilien) und Grazia Gotti (Pädagogin, Italien).

In diesem Jahr wird die Zusammenarbeit der Jugendbuchmesse mit den Vereinten Nationen auch auf UN Women ausgeweitet und konzentriert sich auf die Darstellung von Geschlechterrollen in Kinder- und Jugendbüchern. U.a. mit der Podiumsdiskussion "Who Gets to Be the Hero? Gender Stereotypes in Children’s Books" (15. April, 14:00–14:50 Uhr, The Next Chapter Café) mit Francesca Cavallo (Autorin, Italien) und Alexandre Lordkipanidze (Dichter, Dramatiker, Romanautor, Georgien).

Außerdem wird es wieder eine Lesung der UN-Kinderrechtskonvention geben (14. April, 16:00–16:40 Uhr, The Illustrators Café), gestaltet von Autor:innen, Illustrator:innen und Verleger:innen, die an der Messe teilnehmen, jede:r in der eigenen Sprache. Im Anschluss findet am selben Ort (16:50-17:30 Uhr) die Veranstaltung "Definisci ‘bambino’: letture illustrate dal mondo" (Definiere 'Kind‘: illustrierte Lesungen aus aller Welt) in Zusammenarbeit mit dem italienischen Verlag Topipittori statt, mit Beatrice Alemagna (Autorin, Illustratorin, Italien), Adolfo Córdova (Autor, Journalist, Blog „Linternas y Bosques“, Mexiko), Michael Rosen (Dichter, Autor, Vereinigtes Königreich) und Hervé Tullet (Künstler, Schriftsteller, Illustrator, Frankreich). Die Veranstaltung möchte eine gemeinsame Antwort der Kinderliteraturwelt zur Verteidigung der Kindheit angesichts ihrer brutalen Auslöschung in Konflikten rund um den Globus bieten.

Leseförderung und digitales Storytelling

Die Jugendbuchmesse und der italienische Verlegerverband (AIE) organisiert in Zusammenarbeit mit dem französischen Syndicat National de l'Édition (SNE), der Federation of European Publishers (FEP), der International Publishers Association (IPA) und dem International Board on Books for Young People (IBBY) die Veranstaltung "Building the Future Generation of Readers: Best Practices and Policies for Reading Promotion" (13. April, 15.30–17.15 Uhr, The Illustrators Café). Vorgestellt werden Initiativen wie #ioleggoperché in Italien, die quart d’heure de lecture in Frankreich und das britische National Year of Reading.

Zwei Veranstaltungen werden Lesegewohnheiten im Zeitalter der künstlichen Intelligenz beleuchten: "Digital Narratives Observatory. Between Literary Experience and Digital Literacies" (15. April, 11.30–12.00 Uhr, The Next Chapter Café), gefolgt von "We’re not Digitizing Books, We’re Inventing New Narrative Languages" (12.00–12.50 Uhr). Unter der Leitung von Pier Cesare Rivoltella (Universität Bologna, Italien), Tiziana Mascia (Associazione Literacy Italia, Italien) und Jennifer Rowsell (Universität Sheffield, Großbritannien) diskutieren die Referenten Dag Asbjørnsen (Europäische Kommission, Creative Europe (GD EAC), Norwegen), Scott Rettberg (Universität Bergen, Centre for Digital Narrative, Norwegen), Kate Pullinger (Autorin, Kanada – Großbritannien), Davide Morosinotto (Autor, Italien) und Federica de Quagliatti (Senior Journal Specialist, Frontiers for Young Minds, Schweiz) darüber, wie interaktive Bücher, transmediales Storytelling, immersive Erlebnisse und künstliche Intelligenz die Art und Weise verändern, wie Geschichten gelesen, erlebt und geteilt werden – und was hochwertiges digitales Storytelling aus literarischer Perspektive auszeichnet. In diesem Zusammenhang wird das Digital Narratives Observatory – eine gemeinsame Initiative von Literacy Italia und der Jugendbuchmesse Bologna – seinen ersten Bericht vorstellen, der neue Trends im digitalen Storytelling für Kinder und Jugendliche aufzeigt.

Künstliche Intelligenz

Sie kann eine Bedrohung sein, aber auch ein Hilfsmittel: Künstliche Intelligenz ist in Bologna u.a. Thema einer Masterclass mit Anna Castagnoli (Illustratorin und Autorin, Italien) unter dem Titel "The Augmented Illustrator: Practical Strategies to Turn AI into a Multiplier of Professional Possibilities" (14. April, 9:50–10:30 Uhr, Designer Studio). Sie betrachtet KI als neue Designressource und bekräftigt gleichzeitig die zentrale Rolle von Illustrator:innem in einem kreativen Prozess.

Comicbranche

Mehrere Podiumsdiskussionen auf der Messe beschäftigen sich mit Aspekten von Comics für unterschiedliche Altersgruppen. U.a. sprechen Lorenzo La Neve (Art Director, Gigaciao, Italien), Sabine Lemire (Autorin, Dänemark) und Rasmus Bregnhøi (Cartoonist, Dänemark) unter dem Motto "Out of the Ordinary: The Authorial Revolution in Children's Comics" (14. April, 14:30–15:20 Uhr, The Content Café) darüber, wie originelle und anspruchsvolle Inhalte einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden können.

Austausch mit Afrika

Auch in diesem Jahr fördert die Jugendbuchmesse den direkten Austausch zwischen afrikanischen Kreativen und der internationalen Illustrationsszene mit dem Ziel, die Entwicklung und den Durchbruch neuer Stimmen und neuer Verlage aus Teilen der Welt zu unterstützen, die bislang aus verschiedenen internationalen Kontexten ausgeschlossen waren.

Im Rahmen der "Illustrators Survival Corner" finden Portfolio-Besprechungen und Live-Mal-Sessions statt, die von den Illustratoren Issaba Bâ (Senegal), éf (Madagaskar), Franck N'Zila Malembe (Kongo) und Constantin Adadja geleitet werden. Dies ist Teil eines Programms, das in Zusammenarbeit mit dem Programm Ressources éducatives (2020–2026) entwickelt wurde, das von der UNESCO und dem Institut Français umgesetzt wird, um die Rolle von Kinderbüchern in afrikanischen Ländern zu stärken.

Ebenfalls auf der Messe geplant ist die Podiumsdiskussion "African KidLit: From Scarcity to Innovation" (15. April, 10:30–11:20 Uhr, Next Chapter Café) in Zusammenarbeit mit ADCF Africa unter der Leitung von Agnès Debiage (ADCF Africa, Frankreich) mit Sandra Tamele (Editora Trinta Zero Nove, Mosambik), Lola Shoneyin (Book Buzz Foundation, Nigeria), Joan Onyando (Ekitabu, Kenia), Anja Ravakiniony Tahirimihamina (Editions Karné, Madagaskar) und Fatou Diomandé (Éditions Calebasse, Elfenbeinküste). In diesem Rahmen wird zudem die Shortlist für die zweite Ausgabe des von eKitabu ins Leben gerufenen Prix de l'édition jeunesse africaine bekannt gegeben. Dieser Preis soll die Sichtbarkeit und Verbreitung französischsprachiger Bücher, die von afrikanischen Verlagen auf dem Kontinent und darüber hinaus veröffentlicht werden, fördern und den Austausch zwischen dem frankophonen und dem anglophonen Afrika stärken.

Indigene Sprachen

Die Messe wird zudem indigene Sprachen und das Verlagswesen in Lateinamerika in den Mittelpunkt rücken. Vor dem Hintergrund politischer und wirtschaftlicher Instabilität durchlaufe das lateinamerikanische Verlagswesen eine Phase tiefgreifender Erneuerung, dank des Aufkommens kleiner unabhängiger Verlage und einer neuen Generation von Autor:innen und Illustrator:innen, die indigene, afro-stämmige und minoritäre Perspektiven in den Vordergrund rücken.

Die Podiumsdiskussion "Children’s Publishing in Latin America: Landscape and Key Challenges" (15. April, 15:00–15:50 Uhr, The Next Chapter Café) mit María Celina Alonso (Gründerin und Verlagsleiterin, Lecturita Ediciones und Lecturita Book Club, Argentinien), Hazel Hernández Astorga (Regionalkoordinatorin, IBBY Lateinamerika und Karibik, Mitglied des IBBY-Exekutivkomitees, Gründerin und Geschäftsführerin der Fundación Leer / IBBY Costa Rica, Costa Rica), Nat Cardozo (Autorin, Illustratorin, Uruguay), Anabella López (Autorin, Illustratorin, Argentinien), David Unger (Autor, Guatemala) und Paloma Valdivia (Autorin und Illustratorin, Chile) wird von Dolores Prades (Gründerin und Direktorin des Instituto Emília, Beraterin der Jugendbuchmesse, Brasilien) moderiert.

Einen Überblick über das gesamte Veranstaltungsprogramm der Jugendbuchmesse gibt es hier: Event Programme 2026