Lektorat

"Jeder Text braucht eine andere Art von Lektorat"

3. Juli 2026
Redaktion Börsenblatt

Wie entsteht ein guter Text? Wir haben in Kinder- und Jugendbuchverlagen gefragt, was ein Lektorat alles bewirken kann. Antworten in dieser Folge von Franziska Leuchtenberger, Carlsen Verlag

Franziska Leuchtenberger

Franziska Leuchtenberger

Franziska Leuchtenberger, Lektorin Kinder- und ­Jugendbuch, Carlsen

Die größte Herausforderung ist, dass jeder Text eine andere Art Lektorat braucht. Aufgabe der Lektorin ist es, die Stärken und Schwächen des Autors bzw. der Autorin schnell zu erkennen und auszubalancieren – und das sind jedes Mal ganz andere. Manche Texte sind bereits gut und stringent geplottet, es stimmen die Zeitabläufe und der Spannnungsbogen. Bei anderen werden die Struktur und Logik maßgeblich von der Lektorin geprägt, es werden Übersichten nach Kapiteln geschrieben oder Zeitleisten erstellt. Der Blick geht da sowohl in den Text: Ist das logisch? als auch in die Welt: Bleiben die Leser:innen hier dran?

Bei den Figuren ist die Arbeit ebenfalls sehr unterschiedlich: manche Autor:innen schreiben sehr intuitiv und szenisch, und die Figuren sind lebendig, brauchen aber noch einen inneren roten Faden, ihre Motivation muss geschärft werden. Andere haben ein Personal, in dem jede Figur eine feste Rolle und Funktion hat, darunter kann jedoch die Individualität und Authentizität der Charaktere leiden. Manchmal braucht es hier mehr Differenzierung, mehr Graustufen. Es ist also jedes Mal eine ganz andere Reise, die man gemeinsam antritt, der Einfluss der Lektorin auf den Text kann aber je nach Offenheit der Autor:innen groß sein.

Bei Übersetzungen dagegen beschränkt sich der Einfluss naturgemäß auf Ton und Sprache, der Plot wird ja nicht mehr verändert. Ein minimaler Einfluss auf die Charakterisierung der Figuren aber bleibt, denn sie werden ja auch dadurch zum Leben erweckt, wie sie sprechen. Und am Ton wirkt die Lektorin immer mit.

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