Lesetipp aus der Wochenzeitung Kontext zu einem Online-Tool der Arbeitsagentur

Wie zielführend ist der "Job Futuromat"?

24. August 2026
Susanna Wengeler

"Werden digitale Technologien Ihren Job verändern?" Das ist die Ausgangsfrage, die der Job Futuromat der Bundesagentur für Arbeit beantworten soll. Doch es gibt Zweifel an der Methodik sowie Sorgen über die Auswirkungen, die durch einen Selbstversuch zum Berufsbild Buchhändler:in untermauert werden.

Screenshot des Ergebnisses einer Suchanfage im Job-Futuromat zum Berufsbild "Buchhändler/in"

Screenshot des Ergebnisses einer Suchanfage im Job Futuromat zum Berufsbild "Buchhändler/in"

In einem Artikel in der Wochenzeitung Kontext vom 22. August stellt Thomas Schuler das Angebot Job Futuromat auf den Prüfstand. Als Gegenstand seiner Nachforschungen hat er sich naheliegenderweise das Berufsbild Journalist:in ausgesucht.

Recherche und Informationsbeschaffung seien zu 100 Prozent, der Beruf des Journalisten daher zu 40 Prozent automatisierbar, laute der Befund des Online-Tools, ist in der Wochenzeitung Kontext zu lesen. "Denn zwei der fünf Kerntätigkeiten ,könnten vollständig von Maschinen ausgeführt werden‘, so der Futuromat." Die anderen drei Kerntätigkeiten seien Lektorat, Redaktion sowie Journalistik und Publizistik.

Thomas Schuler zweifelt zum einen an, dass ausgerechnet Recherche und Informationsbeschaffung von Maschinen erledigt werden könnten, zum anderen stellt er das Gesamtkonzept der zugeordneten "Kerntätigkeiten" infrage. Dafür hat er eine Reihe von Expert:innen befragt, eine Form der persönlichen Recherche, die man KI  gemeinhin eher nicht zutrauen würde.

"Was, wenn das Wesentliche eines Berufs aus dem Blick gerät?"

Ein Blick auf die Seite des Job Futuromat zeigt, wie die Entwickler:innen vorgegangen sind: "Als Ausgangspunkt dient das BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit. Es ordnet den Berufen circa 8.000 verschiedene Tätigkeiten zu. Für jede dieser Tätigkeiten wurde von drei Codiererinnen unabhängig voneinander recherchiert, ob es einen Computer oder eine computergesteuerte Maschine gibt, die diese Tätigkeit vollautomatisch erledigen könnte." Laut Kontext wurde der Futuromat bereits vor zehn Jahren im Rahmen der ARD-Themenwoche "Zukunft der Arbeit" entwickelt.

Schulers Kernfrage lautet: "Was passiert, wenn die Zerlegung eines Berufs in einzelne Tätigkeiten zwar messbar macht, was technisch automatisierbar ist, dabei aber das Wesentliche eines Berufs aus dem Blick gerät?"

Als zweites Beispiel wird die Auskunft zur Berufsgruppe der Übersetzer:innen hinterfragt. Sie würden zu 100 Prozent als automatisierbar bewertet. Der Bund der Dolmetscher und Übersetzer sieht darin eine Gefahr: Junge Menschen würden durch solche Einordnungen abgeschreckt.

Berufsbild Buchhändler:in

Und wie sieht es mit anderen Berufen der Buchbranche aus? Ein Selbstversuch zeigt, dass die Eingabe des Suchworts Buchhändler:in drei Möglichkeiten zutage befördert.

  • Zum Eintrag Buchhändler/in lautet die Antwort:

"Buchhändler/innen kaufen, verkaufen und präsentieren Bücher, Zeitschriften, elektronische und andere Medien. Dabei beraten sie Kunden und übernehmen Organisationsaufgaben.

7 der 10 Kerntätigkeiten in diesem Beruf, also 70%, sind – Stand heute – automatisierbar.

Das kann ein Vorteil sein, zum Beispiel, wenn Roboter Ihnen schwere oder monotone Arbeit abnehmen.

Ob dieser Beruf tatsächlich automatisiert wird, ist damit nicht gesagt. Menschliche Arbeit kann zum Beispiel flexibler, wirtschaftlicher oder von besserer Qualität sein."

Als automatisierbare Tätigkeiten werden eingeordnet: Buchhandel, Sortimentsbuchhandel, Sortimentsgestaltung, Warenauszeichnung, Kassieren, Verkauf, Bibliografie.

Als nicht automatisierbare Tätigkeiten werden definiert: Warenpräsentation, Kundenberatung/ -betreuung, Marketing.

  • Zum Eintrag Buchhändler/in mit Hochschulabschluss ist zu erfahren:

"Buchhändler/innen mit Hochschulabschluss kaufen, verkaufen und präsentieren Bücher, Zeitschriften, elektronische und andere Medien. In der Verlagswirtschaft übernehmen sie Aufgaben im Vertrieb, in der Programmplanung oder in der Herstellung von Büchern und elektronischen Medien.

10 der 13 Kerntätigkeiten in diesem Beruf, also 77%, sind – Stand heute – automatisierbar."

Gemeint sind: Buchhandel, Sortimentsgestaltung, Einkauf/Beschaffung, Kosten- und Leistungsrechnung, Kalkulation, Verkauf, Vertrieb, Controlling, Elektronisches Publizieren, Space Management.

Nicht automatisierbar seien Warenpräsentation, Marketing, Autorenakquisation/ -auswahl.

  • Außerdem gibt es einen Eintrag zum Beruf Fachwirt/in Buch. Dort lautet das Ergebnis:

"Buchhandelsfachwirte und-fachwirtinnen steuern und kontrollieren Arbeitsprozesse im Buchhandel und in Verlagen. Hier übernehmen sie u.a. Aufgaben in den Bereichen Marketing, Personal oder Finanz- und Rechnungswesen.

9 der 11 Kerntätigkeiten in diesem Beruf, also 82%, sind – Stand heute – automatisierbar."

Gemeint sind Buchhandel, Sortimentsgestaltung, Einkauf/Beschaffung, Kosten- und Leistungsrechnung, Kalkulation, Vertrieb, Controlling, Bibliografie, Space Management.

Nicht automatisierbar blieben Marketing, Betriebswirtschaftslehre.

Laut einer von Kontext befragten Arbeitsforscherin soll der Futuromat bis Ende 2026 aktualisiert werden.

Zum Job Futoromat: Start | Job-Futuromat

Zum Kontext-Artikel: Job-Futuromat der Arbeitsagentur: "Unbrauchbar und irreführend" - Ausgabe 803