Bankräuber, dann Schriftsteller

Ludwig Lugmeier ist tot

16. März 2026
Redaktion Börsenblatt

Der Verbrecher Verlag trauert um den Schriftsteller Ludwig Lugmeier, der am 9. März in Berlin gestorben ist. Weltberühmt wurde er durch sein Vorleben als Bankräuber: 1976 gelang ihm eine spektakuläre Flucht aus dem Gerichtssaal. 

Porträtfoto von Ludwig Lugmeier. Ein weißbärtiger Mann mit Lesebrille, schwarzem Hut und hellem Sacko

Ludwig Lugmeier

Ludwig Lugmeier, geboren am 31. Juli 1949 in Kochel am See, lebte in Berlin als freier Autor. Schon als Junge war er, so der Verbrecher Verlag, unter anderem angeregt durch die Abenteuergeschichten von Jack Bilbo, an Außenseitern und an der Revolte interessiert und schlug sich mit Gelegenheitsjobs etwa als Maurer, Schiffer oder Bärendompteur im Zirkus durch.

Fasziniert vom Leben abseits üblicher Normen sei er kriminell geworden und erstmals im Alter von siebzehn Jahren in Jugendhaft genommen. Nach der Entlassung versuchte er die Welt zu bereisen, kam aber immer wieder nach Deutschland zurück, wo er schließlich Geldtransporter überfiel. 1974 wurde er in Mexiko verhaftet, nach Deutschland ausgeliefert – und weltberühmt. Im Februar 1976 gelang es ihm während seiner Gerichtsverhandlung durch ein offenes Fenster des Gerichts zu springen und zu fliehen. Er wurde erst Monate später in Reykjavík verhaftet.

Cover von "Die Leben des Käpt’n Bilbo". Auf dem Foto ein bärtiger Seemann mit Pfeife

Cover

In seiner Haftzeit von 1977 bis 1989 begann er ernsthaft zu schreiben, der Erzählband "Schattenränder" erschien 1987, der Gedichtband "Flickstellen" 1988 und der vielgelobte Roman "Wo der Hund begraben ist" 1993. 1998 folgt mit "i" ein weiterer Gedichtband, 2005 der autobiografische Roman "Der Mann, der aus dem Fenster sprang", 2017 der Faktenroman "Die Leben des Käpt’n Bilbo", für den er viele Jahre recherchierte, 2022 schließlich der Erzählungsband "So der Herr mit Zylinder", fasst der Verbrecher Verlag zusammen. Daneben publizierte er unzählige weitere Gedichte und Erzählungen in verschiedenen Anthologien und Zeitschriften, außerdem veröffentlichte er zahlreiche Rundfunk-Features, Reportagen und Essays.

Lugmeier war dank seiner wunderbar tiefen Stimme auch als Märchenerzähler tätig, seine Liebe zu Stummfilmen trieb ihn dazu, regelmäßig Stummfilmabende zu veranstalten, bei denen er äußert kenntnisreich in die Filmgeschichte einführte. Seine Kunst habe viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller inspiriert, so war etwa das Hauptwerk Christian Geisslers, "kamallatta", nach einem Gedicht Lugmeiers benannt.

"Ludwig Lugmeier war ein ungewöhnlich herzlicher Mensch, es war eine Freude mit ihm zu arbeiten", trauert der Verbrecher Verlag. Er starb am 9. März in Berlin mit 76 Jahren.