Schott Music

Musikverleger Peter Hanser-Strecker ist tot

4. Februar 2026
Redaktion Börsenblatt

Der Mainzer Musikverleger Peter Hanser-Strecker ist am 22. Januar im Alter von 83 Jahren verstorben. Über ein halbes Jahrhundert lenkte er das Familienunternehmen Schott Music, machte es zu einem global agierenden Medienunternehmen. 

Dr. Peter Hanser-Strecker war eine der prägendsten Persönlichkeiten der internationalen Musikwelt, schreibt Christopher Peter in einem Nachruf: "Mit seinem Tod am Abend des 22. Januar 2026 im Kreise seiner Familie in Wiesbaden verliert die Kulturwelt einen unermüdlichen Visionär, einen feinsinnigen Kunstmäzen und einen Verleger von altem Schrot und Korn, der den Mut zum Neuen stets mit der Verantwortung für die Tradition zu verbinden wusste."

Peter Hanser-Strecker wurde am 14. Juli 1942 in München geboren. Nach dem frühen Verlust seines Vaters Heinz Hanser im Jahr 1949 habe er im bürgerlichen Humanismus des Wiesbadener Dilthey-Gymnasiums und in der Musik eine feste geistige Verankerung gefunden. Sein akademischer Weg war geprägt von einer seltenen interdisziplinären Doppelleistung: Er studierte Musikwissenschaft sowie Rechtswissenschaft in Mainz, München und Frankfurt am Main. Seine Promotion über "Das Plagiat in der Musik" im Jahr 1968 habe den Grundstein für sein lebenslanges Engagement für den Schutz des geistigen Eigentums gelegt – ein Thema, das in der Ära der Digitalisierung eine neue, existenzielle Relevanz gewinnen sollte.

Pionier des digitalen Notensatzes

Am 1. Oktober 1968 trat er in das Familienunternehmen Schott Music ein, das er ab 1974 als Geschäftsführender Gesellschafter und ab 1983 als Vorsitzender der Geschäftsführung zu einer global agierenden Mediengruppe transformierte. Er habe als einer der Ersten die Zeichen der digitalen Revolution erkannt: "Unter seiner Ägide wurde Schott zum Pionier des digitalen Notensatzes und etablierte bereits Mitte der 1990er-Jahre eine umfassende Webpräsenz, lange bevor die Branche die Tragweite des Internets in Gänze erfasste", so Christopher Peter.

Sein verlegerisches Profil sei geprägt gewesen von einer tiefen Neugier auf das Unbekannte. Durch den Erwerb des Labels WERGO und die Zusammenarbeit mit Komponisten-Ikonen wie György Ligeti, Krzysztof Penderecki und Carl Orff sicherte er Schott eine internationale Spitzenposition in der zeitgenössischen Musik. Gleichzeitig wachte er mit wissenschaftlicher Akribie über das Erbe der Klassik.

Engagement für die Belange der Urheber

In zahlreichen Ehrenämtern – etwa als Präsident des Deutschen Musikverleger-Verbandes oder als Ehrenmitglied der GEMA – stritt er unermüdlich für die Belange der sogenannten ernsten Musik und deren Urheber. Darüber hinaus brachte er seine umfassende Erfahrung in weitere Gremien ein, ergänzt ein Nachruf der GEMA, unter anderem als Vorstandsmitglied des Deutschen Bühnenverlegerverbands, als Gründungsmitglied der VG Musikedition sowie im Urheber- und Verlagsrechtsausschuss des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Sein Einsatz habe stets dem fairen Ausgleich der Interessen und der nachhaltigen Stärkung des Musikverlagswesens gegolten.

Nachfolge geregelt

Sein privater Anker sei stets seine Familie gewesen, fährt der Nachruf fort. Über 50 Jahre war er mit der Lehrerin Ingrid Hanser-Strecker verheiratet. In seinem Haus in Wiesbaden lebte er das Ideal eines Generationenhauses, umgeben von seinen Kindern Saskia, Emanuel und Yara sowie seinen neun Enkelkindern. Schon zu Lebzeiten sorgte er für die Kontinuität seines Lebenswerkes. Mit dem Übergang der Eigentümerschaft von Schott Music auf die Strecker-Stiftung im Jahr 2024 stellte er sicher, dass der Verlag unabhängig bleibt und sich weiterhin der rückhaltlosen Förderung von Kunst und Wissenschaft widmen kann. Seine Tochter Saskia Osterhold führt dieses Vermächtnis im Stiftungsvorstand fort.

"Wir verabschieden uns von einem großen Europäer, dessen Klugheit, Güte und unerschöpflicher Tatendrang uns fehlen werden", schließt der Nachruf.