Deutscher Buchhandlungspreis

"Rote Karte für Gesinnungsschnüffelei"

10. März 2026
Redaktion Börsenblatt

Mit einer Rote-Karte-Aktion protestiert der Landesverband Berlin-Brandenburg im Börsenverein gegen den Ausschluss von drei Buchläden beim Deutschen Buchhandlungspreis 2025. Zur Teilnahme wird aufgerufen. Auch der Landesverband Baden-Württemberg kritisiert die "Gesinnungsschnüffelei" und fordert vom Kulturstaatsminister die Rücknahme der Entscheidung.

Bernadette Lange, Miriam Gabriela Möllers und Fabian Thomas vom Landesverband Berlin-Brandenburg zeigen Wolfram Weimer die rote Karte

Bernadette Lange, Miriam Gabriela Möllers und Fabian Thomas vom Landesverband Berlin-Brandenburg zeigen Wolfram Weimer die rote Karte

Wir zeigen Gesinnungsschnüffelei die Rote Karte und fordern den Beauftragen der Bundesregierung für Kultur und Medien auf, seiner Aufgabe als Förderer der Kultur gerecht zu werden und nicht als Kulturkämpfer zu agieren.

Börsenverein LV Berlin-Brandenburg

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Berlin-Brandenburg e.V. stellt sich entschieden gegen das Vorgehen des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer, drei Buchhandlungen von der Preisliste des Deutschen Buchhandlungspreises 2025 zu streichen und fordert, die Buchhandlungen "Zur schwankenden Weltkugel" (Berlin), "The Golden Shop" (Bremen) und "Rote Straße" (Göttingen) wie von der Jury vorgesehen, auszuzeichnen. 

Die Praxis, Kulturförderung durch den Verfassungsschutz prüfen zu lassen, sei höchst bedenklich, so der Landesverband in einem Statement: Durch Intransparenz werde ein Klima der Verunsicherung erzeugt, das den Grundwerten von freier Meinungsäußerung und politischer Vielfalt zutiefst widerspricht.

"Wir zeigen Gesinnungsschnüffelei die Rote Karte und fordern den Beauftragen der Bundesregierung für Kultur und Medien auf, seiner Aufgabe als Förderer der Kultur gerecht zu werden und nicht als Kulturkämpfer zu agieren."

Rote-Karte-Aktion des Landesverbands:

Der Landesverband hat eine Protestaktion aufgesetzt und fordert zur Teilnahme auf: "Setzen Sie mit uns ein Zeichen: Laden Sie hier die Rote Karte herunter und posten Sie ein Selfie/Foto mit dieser in den Sozialen Netzwerken – bitte mit dem Zusatz "Eine Aktion des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Landesverband Berlin-Brandenburg e.V." Taggen Sie uns gerne mit unseren Accounts bei Facebook, Instagram und LinkedIn."

Meinungsfreiheit ist das höchste Gut, das unsere Branche benötigt wie die Luft zum Atmen. Wir müssen es bewahren und setzen uns zur Wehr gegen Willkür und Gesinnungsschnüffelei.

Landesverband Baden-Württemberg

LV Baden-Württemberg fordert Offenlegung der Ausschluss-Kriterien

Der Börsenverein Baden-Württemberg fordert gemeinsam mit den Baden-Württembergischen Preisträger:innen des Deutschen Buchhandlungspreises 2025, die Kriterien für den Ausschluss von drei der 118 von der Jury ausgewählten Buchhandlungen öffentlich zu machen, und appelliert an Kulturstaatsminister Weimer, seine Entscheidung rückgängig zu machen.

"Dass drei von 118 Buchhandlungen nach unbelegten Hinweisen durch den Verfassungsschutz vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen werden, ist nicht hinnehmbar", formuliert der Vorstand des Börsenvereins Baden-Württemberg. "Wir fordern deshalb eine Offenlegung der Kriterien, die zu diesem Ausschluss geführt haben. Sollte sich bewahrheiten, dass der Ausschluss auf Grundlage veralteter oder falscher Einschätzungen erfolgt ist, sollte diese Entscheidung zurückgenommen und den betroffenen Buchhandlungen der von der Jury zuerkannte Preis (...) übergeben werden", so Thomas Lindemann, Vorsitzender der Börsenvereins Baden-Württemberg. 

"Mit dem Deutschen Buchhandlungspreis werden Buchhandlungen ausgezeichnet, die sich in besonderem Maße um die gesellschaftliche Bedeutung des Kulturguts Buch sowie um das kulturelle Leben vor Ort verdient gemacht haben oder ein besonders vielfältiges oder auch spezielles Buchsortiment anbieten", so lauten die Kriterien zur Vergabe des Preises. Der Börsenverein hebt hervor, dass zahlreiche auch nicht ausgezeichnete Buchhandlungen in Baden-Württemberg tagtäglich diese wichtige kulturelle Arbeit leisten. Auch wenn der Ausschluss keine baden-württembergischen Buchhandlungen betrifft, ist der Entscheidung des BKM entschieden entgegenzutreten, um künftig willkürlich motivierte Zensur zu verhindern. An keiner Stelle sei zu erkennen, wo die inkriminierten Buchhandlungen gegen die vom BKM o.g. Auswahlkriterien verstoßen haben sollen.

Wissend um die schwierige wirtschaftliche Situation unabhängiger Buchhandlungen einerseits sowie die noch wichtigere Würdigung der herausragenden Arbeit der ausgezeichneten Buchhandlungen andererseits fordert der Verband seine Mitgliedsunternehmen auf, den Buchhandlungspreis entgegenzunehmen, um die künftige Vergabe des Preises nicht durch möglicherweise willkommene falsche Anlässe zu gefährden. Der Deutsche Buchhandlungspreis sei eine Erfolgsgeschichte für die Wahrnehmung von unabhängigen Buchhandlungen und deren unermüdliches Engagement für Bildung und Leseförderung vor Ort, das weit über die wirtschaftliche Relevanz hinausgeht. Deshalb muss, so fordert der Börsenverein Baden-Württemberg, der Preis an alle Buchhandlungen vergeben werden, die hierfür von der Jury vorgeschlagen wurden.

Meinungsfreiheit ist das höchste Gut, das unsere Branche benötigt wie die Luft zum Atmen. Wir müssen es bewahren und setzen uns zur Wehr gegen Willkür und Gesinnungsschnüffelei.