Tolle Titel aus Tschechien
Tschechien ist in diesem Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse – mit großartiger Literatur. Grotesk? Ja. Harmlos? Nie.
Prag ist die Heimatstadt vieler tschechirscher Schriftsteller:innen.
Tschechien ist in diesem Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse – mit großartiger Literatur. Grotesk? Ja. Harmlos? Nie.
Prag ist die Heimatstadt vieler tschechirscher Schriftsteller:innen.
Welche tschechischen Autor:innen fallen Ihnen so auf Anhieb ein? Ganz sicher Milan Kundera. Sein "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" war der meistverkaufte tschechische Roman des 20. Jahrhunderts, wurde 1988 mit Juliette Binoche verfilmt. Am 17. September erscheint die komplexe Liebesgeschichte mit philosophischen Betrachtungen (Ü: Susanna Roth, 304 S., 24 €) im Kampa Verlag, der an diesem Tag mit fünf weiteren Romanen Kunderas dessen Werkausgabe abschließt. Dann vielleicht Bohumil Hrabal, dessen Hymne auf das Lesen am 30. September bei Suhrkamp veröffentlicht wird: "Allzu laute Einsamkeit" (Ü: Peter Sacher, 114 S., 18 €) erzählt von Haňťa, Dichter wider Willen, der seit 35 Jahren die Altpapierpresse bedient, während des Vernichtens liest und so Literatur bewahrt.
Und mit Sicherheit kennen Sie Jaroslav Hašeks satirischen Klassiker "Die Abenteuer des guten Soldaten Švejk im Weltkrieg", die man am besten in Antonín Brouseks Übersetzung bei Reclam lesen sollte (1.008 S., 29,95 €). Denn bislang wurde der "Schwejk", der durch die absurde Bürokratie der k.u.k.-Monarchie stolpert, sie sabotiert und den Wahnsinn des Krieges entlarvt, nur von Grete Reiner übersetzt. Sie erfand 1926 eine eigene Kunstsprache, das komödiantische "Böhmakeln". Im Original spricht Schwejk jedoch eine klare tschechische Umgangssprache, und Brouseks Übersetzung wirkt weitaus moderner, direkter, bissiger – und Schwejk viel weniger harmlos.
Hierzulande bekannt ist auch Iva Procházková, deren Vater Jan Procházka Schriftsteller und einer der intellektuellen Führer des Prager Frühlings war, weswegen seine Tochter nicht studieren durfte und als Putzfrau arbeiten musste. 1983 emigrierte sie, von 1986 bis 1995 lebte sie in Deutschland. Buchhändler:innen kennen vor allem ihre Kinder-. und Jugendbücher – sie gewann 1989 für "Die Zeit der geheimen Wünsche" (Beltz & Gelberg) den Deutschen Jugendliteraturpreis –, aber inzwischen macht sie auch in der Belletristik von sich reden. Die in Prag lebende Schriftstellerin lässt Kommissar Holina in seinem vierten Fall "Ein Lied für den Weg" (Ü: Mirko Kraetsch, Braumüller, Oktober, 432 S., 22 €) in der Prager Philharmonie ermitteln. Als die ermordete Klarinettistin Olga Brandejsová gefunden wird, muss Marián Holina seinen Urlaub abbrechen. Schon der Auftakt des Krimis sorgt für Spannung und Neugier: Ein unbekannter Mann (Spitzname: Trompetenberti) sagt seiner Psychiaterin: "Ich merke, dass sich der Moment nähert, in dem’s zur Explosion kommt." Das wolle er verhindern, brauche Hilfe. Ist er der Täter? Procházková verriet kürzlich auf dem Frankfurter Festival literaTurm, das sie in ihren Politthrillern Gesellschaftsschilderung mit Spannung verknüpfen möchte, was ihr in diesem Krimi meisterlich gelingt.
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