Buchladen zur schwankenden Weltkugel

Umwerfende Solidarität

13. März 2026
Kai-Uwe Vogt

Die "schwankende Weltkugel" durfte bisher schon fünfmal die Urkunde des Deutschen Buchhandlungspreises entgegennehmen, wurde in  dieser Preisrunde aber trotz Juryvotum ausgeschlossen. Seitdem steht das Telefon nicht mehr still, wegen des Besuchs eines Fernsehteams vertagt Co-Inhaberin Marion Liebhold die Beantwortung der Börsenblatt-Fragen auf eine ruhigere Stunde in dieser aufregenden Woche.

Außenaufnahme des Buchladens zur schwankenden Weltkugel

Buchhandlung zur schwankenden Weltkugel

Das verstärkte Interesse an dem, was der linke Buchhandel zu bieten hat, hat durchaus seine positiven Seiten.

Marion Liebhold

Der Buchladen zur schwankenden Weltkugel in Berlin ist 2002 aus der ebenfalls in Berlin ansässigen Kollektivbuchhandlung Schwarze Risse hervorgegangen. in der Kastanienallee 85 in Berlin bietet die linke Fachbuchhandlung Bücher zu Politik, Philosophie, Psychoanalyse und Schöne Literatur. Die "Weltkugel" sei außerdem Drehscheibe für Flugblätter, Infomaterial, Plakate und Bustickets zur nächsten Demo, heißt es. Die "schwankende Weltkugel" durfte bisher schon fünfmal die Urkunde des Deutschen Buchhandlungspreises entgegennehmen, wurde in  dieser Preisrunde aber trotz Juryvotum ausgeschlossen. Co-Inhaberin Marion Liebhold antwortet für das Kollektiv: 

Fahren Sie zur Leipziger Buchmesse? Verbrecher Verlag und weitere Indie-Verlage, der Börsenverein, Hanser und Kurt Wolff Stiftung haben ja eingeladen - Ihre Pläne würden uns interessieren!

Wir werden nicht zur Buchmesse fahren, weil wir ein derart hohes Arbeitsaufkommen im Buchladen haben. Die Einladung freut uns natürlich. Und wir sind überwältigt von der Solidarität und dem spontanen Engagement so vieler Buchhandlungen, Verlage und Buchhandelsvereinigungen bis zum Börsenverein. Wir würden uns sehr gerne bei allen persönlich bedanken!

Der Trubel und die mediale Aufmerksamkeit sind vermutlich ziemlich anstrengend - wie gehen Sie damit um? 

Uns liegt gar nichts daran, zu Berühmtheiten zu werden, nur weil ein Herr Weimer über uns gestolpert ist. Das verstärkte Interesse an dem, was der linke Buchhandel zu bieten hat, hat hingegen durchaus seine positiven Seiten. 
Unsere Anwält:innen haben die Öffentlichkeit mit den wichtigen Informationen versorgt, das mussten wir nicht selbst machen. Ein Schnellkurs zum Thema Umgang mit der Presse waren die letzten 10 Tage für uns gleichwohl.

Vermutlich erleben Sie auch viel Solidarität  - gibt's Beispiele dafür?

Die Solidarität ist vielfältig und ungemein kreativ: Es wurde gedichtet, Plakate und Soli-Shirts wurden gedruckt, ein Copyshop in unserer Nachbarschaft hat den drei Buchhandlungen ein Schaufenster gewidmet. Es gab großzügige Buchgutscheine von Verlagen und ganz berührende Worte von Menschen, die kein Geld für Bücher haben, aber sich sehr empören darüber, wie mit uns verfahren wurde.