Für einen Teil eines im Entstehen begriffenen größeren Prosatextes

W.-G.-Sebald-Literaturpreis 2026 geht an Simone Scharbert

7. August 2026
Redaktion Börsenblatt

Die in Aichach geborene, in Erftstadt lebende Autorin Simone Scharbert ist die diesjährige Gewinnerin des dem Thema "Erinnerung und Gedächtnis" gewidmeten und mit 10.000 Euro dotierten W.-G.-Sebald-Literaturpreises. Die Jury fällte ihre Entscheidung, ohne die Identität der Verfasserin zu kennen.

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Mit ihrem Text "Einer liegt, eine sitzt. Kammerprosa" überzeugte Simone Scharbert die Jurymitglieder Hans Jürgen Balmes (S. Fischer Verlag), Sieglinde Geisel (Literaturkritikerin), Heike Gfrereis (Deutsches Literaturarchiv Marbach), Natascha Huber (Booktuberin, @booksandpoets) und Philipp Theisohn (Universität Zürich). Ihre Wahl begründeten die Jurymitglieder mit folgenden Worten:

"Geschichte erzählbar machen – das war W. G. Sebalds literarisches Anliegen. Simone Scharbert erzählt im Wechsel vom sterbenden Vater im Jetzt und von Margarethe, die 1942 in einem KZ einsitzt. In ihrer 'Kammerprosa' gelingt es ihr, den Holocaust nicht nur ein weiteres Mal zu erzählen, sondern dieses Erzählen zu erneuern: einerseits durch die virtuose Verschränkung der beiden so unterschiedlich bedingten Grenzerfahrungen, andererseits durch ihre schöpferische und zugleich mikroskopisch präzise Sprache."

Bei "Einer liegt, eine sitzt. Kammerprosa" handelt es sich um einen Teil eines im Entstehen begriffenen größeren Prosatextes von Simone Scharbert. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird von der Deutschen Sebald Gesellschaft e.V. zusammen mit den Städten Kempten (Allgäu) und Sonthofen vergeben und würdigt die Auseinandersetzung mit Motiven, die im Lebenswerk des im Allgäu geborenen und in England verstorbenen Schriftstellers W. G. Sebald zentral waren.

Anonymisiertes Verfahren

Autor:innen aus dem In- und Ausland konnten bei der vierten Ausschreibung des Preises einen unveröffentlichten deutschsprachigen Prosatext (Erzählung oder Auszug aus einem größeren Projekt) einreichen. Es gingen 592 Texte ein, die der Jury anonymisiert vorgelegt wurden. Wie immer bei der Vergabe des W.-G.-Sebald-Literaturpreises fällte die Jury ihre Entscheidung, ohne die Identität der Verfasserin zu kennen.

In der abschließenden Auswahl der Jury befanden sich neben dem Beitrag von Simone Scharbert drei weitere Texte: "La Terra" von Dania D’Eramo, "Das waren Flüsse" von Michael Duszat und "Rügen 98" von Laura Naumann.

Die vorherigen, gleichfalls in einem anonymisierten Verfahren gekürten Preisträgerinnen waren Esther Kinsky (2020), Kirsten Fuchs (2022) und Lena Schätte (2024).

Der Siegertext wird in den nächsten Tagen auf der Homepage der Deutschen Sebald Gesellschaft veröffentlicht: · Deutsche Sebald Gesellschaft e.V. Die Preisverleihung an Simone Scharbert findet am 6. Juni 2027 in Sonthofen statt.