Deutscher Bibliotheksverband appelliert an die Politik

"Wir brauchen eine altersgerechte positive Medienerziehung von Beginn an"

22. April 2026
Redaktion Börsenblatt

Die vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend eingesetzte Expertenkommission hat eine Bestandsaufnahme zum Kinder- und Jugendmedienschutz in der digitalen Welt vorgelegt. Der Deutsche Bibliotheksverband unterstreicht, dass Regulierung ohne zusätzliche Maßnahmen zur Bildung und Prävention nicht zu einem wirksamen Schutz führe.

Gaming in der Bibliothek

Gaming in der Bibliothek

Auf Basis der Bestandsaufnahmen soll die Kommission bis Ende Juni 2026 konkrete Handlungsempfehlungen erarbeiten. Ein zentrales Ergebnis sei, dass es vielfältige Angebote der Medienbildung auf kommunaler, Landes- und Bundesebene gebe, diese jedoch stärker einem föderalen Flickenteppich als einem konsistenten Rahmen glichen, in dem die unterschiedlichen Akteure abgestimmt zusammenwirken. Einheitliche Qualitätsstandards fehlten, Unterstützungsstrukturen für Eltern und Fachkräfte seien zersplittert, und die Medienbildung in der frühen Kindheit werde bislang nicht systematisch genug berücksichtigt.

8.000 Standorte, 200.000 Veranstaltungen im Jahr

Der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) verweist auf die Bedeutung von Bibliotheken mit bundesweit über 8.000 Standorten als Akteure der Medienbildung. Allein 2024 die Öffentlichen Bibliotheken haben nach Angaben des Verbands mehr als 200.000 Veranstaltungen im Bereich der Lese- und Medienkompetenzförderung angeboten.

Kathrin Hartmann, Stellvertretende Geschäftsführerin des dbv, erklärt: "Die Bestandsaufnahme zeigt, dass Kinder und Jugendliche in unterschiedlicher Weise Risiken ausgesetzt sind. Was wir daher brauchen, ist eine altersgerechte positive Medienerziehung von Beginn an, die Leseförderung und digitale Bildung zusammendenkt und Kinder und Jugendliche befähigt, Medien kritisch und kreativ zu nutzen. Denn eine reflektierte Nutzung von digitalen Medien setzt nachweislich eine hohe Lesekompetenz voraus. Dafür braucht es abgestimmte Konzepte sowie niedrigschwellige Lernorte, die vor Ort wirken und allen kostenfrei offenstehen. Bibliotheken sind hier zentrale Partner: Sie sichern Qualität, bieten Orientierung und schaffen Angebote für Eltern, Kinder, Jugendliche, Kitas und Schulen."

"Bibliotheken müssen mitgedacht werden"

In Bezug auf die konkreten Handlungsempfehlungen und die daraus folgenden politischen Maßnahmen ergänzt Kathrin Hartmann: "Neben Fragen der rechtlichen Rahmenbedingungen und der effektiven Regulierung der Plattformen müssen wir dringend eine Debatte über Qualität, Zugänglichkeit und Vernetzung medienpädagogischer Angebote führen mit dem erklärten Ziel, die Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Bibliotheken müssen hier zwingend von der Politik mitgedacht werden."

Mehr Informationen über medienpädagogische Angebote von Bibliotheken auf: https://netzwerk-bibliothek.de/de.