Politische Bücher lektorieren

"Wir lassen parteiische Positionen und Schmerz zu"

11. Mai 2026
Nicola Bardola

Das Thema Nahost-Konflikt erfordert viel Vorwissen, schnell kann etwas falsch aufgefasst werden. Manchmal beginnen Diskussionen schon bei der Akquise eines Titels. Ein Interview mit dem verlegerischen Geschäftsführer der S. Fischer Verlage, Oliver Vogel.

Oliver Vogel

Oliver Vogel

Bräuchte es für Bücher zum Palästinakonflikt eine Art politisches Sensitivity-Reading?

Oliver Vogel: Wir haben ein professionelles Lektorat. Da ist es Standard, dass immer, aber gerade bei politisch sensiblen Themen, Inhalte und Formulierungen sachlich genau geprüft werden. Das verlangen auch unsere Autor:innen zu Recht von uns, die zwar selbst Expert:innen für ihre Bücher und Geschichten sind, aber sich auf unsere Rückmeldung und unseren kritischen Blick auch in Hinblick auf die Diskurse in Deutschland verlassen.

Liegt die eigentliche Herausforderung also weniger im Lektorat als vielmehr in der mangelnden historischen Tiefe der öffentlichen Debatte?

Oliver Vogel: Sie haben recht, dass in der breiten Öffentlichkeit hierzulande Vorwissen zur regionalen Geschichte rund um die Jahre der Staatsgründung Israels und für die Einschätzung der Situation in Gaza und dem Westjordanland sowie der Rolle der Terrororganisation Hamas fehlt. Es geht dabei nicht nur um Wissen, sondern auch um die Vielfalt von Erfahrungen und Perspektiven und um einseitige Geschichtspolitik und gegenwärtige Machtpolitik. Unsere Möglichkeit als Verlag ist es, diesem Mangel mit Büchern zu begegnen und wir haben dafür Autor*innen im Programm, die mit Engagement, Kenntnis, persönlicher Erfahrung und auch Mut aufklärerisch arbeiten. Unser aktuelles Programm widmet sich in diesem Sinne der existenziellen Bedeutung von Literatur, Philosophie und kritischem Denken in Krisenzeiten. Wir bieten als Verlag eine kritische und sich beteiligende Plattform für Perspektiven aus Israel und aus Gaza, Perspektiven, die in deutschen Diskursen oft ungehört bleiben.

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