In ihrem Essay setzt sich die Autorin mit einer Erkrankung an Long Covid auseinander. Vor dem Hintergrund dieser existenziellen Erfahurng reflektiert sie über Themen wie Migration, Kapitalismus und neoliberale Gesundheitspolitik - und über das Schreiben als sorgende Praxis, die eine Verbindung zur Welt aufrechterhält.
"Nie zu wissen, wann der Körper überfordert sein wird, ist eine existentielle Frage, die sich nicht allein aus dem Jetzt der Krankheit beantworten lässt, und schon gar nicht aus der Fiktion eines Normalzustands heraus. Klug und feinfühlig verknüpft die Autorin anhand des eigenen biographischen Materials Konzepte bürgerlicher Erfahrungserwartung angesichts eines Auslandsschuljahres und einer Reise in die USA mit ihrer nicht einzulösenden Realität in prekären Lebenssituationen, der fehlenden Gesundheitsversorgung für alle, mit der Frage nach Migration aus Kriegsgründen. […] Es ist hier buchstäblich die Erfahrung von Krankheit, die den Text produziert, erstaunlich unsentimental und unselbstmitleidig, nüchtern und musikalisch zugleich. Ein Text, der Wagnis mit Offenheit verbindet, Dringlichkeit mit hoher Literarizität. Kein Satz ist zufällig, und doch bleibt der Text unglaublich beweglich. Dies hat uns als Jury überzeugt, Ivna Žic für ,Die Unversehrten' den Wortmeldungen-Literaturpreis 2026 zuzusprechen", so die Juror:innen Alice Hasters (Autorin und Podcasterin), Bernadette La Hengst (Musikerin), Kathrin Röggla (Autorin), Christoph Steier (Literaturwissenschaftler), Gerhild Steinbuch (Theaterautorin und Dramaturgin), Felix Trautmann (Philosoph und Soziologe) und Beate Tröger (Literaturkritikerin) in ihrer Begründung.