Im Brief heißt es:
Sehr geehrte Verantwortliche des Deutschlandradios,
sehr geehrte Mitglieder der Rundfunkgremien,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Kultur,
mit Entsetzen haben wir die Nachricht vernommen, dass Formate wie "Bücher für junge Leser" und die Bestenliste "Die besten 7" aus dem Programm des Deutschlandfunks genommen werden sollen. Formate, wie diese, sind keine Nischenangebote. Sie sind seit Jahrzehnten verlässliche Orientierung für Eltern, Lehrkräfte, Bibliotheken und Buchhandlungen – und einer der wenigen Orte im deutschen Mediensystem, an dem Kinder- und Jugendliteratur mit der Ernsthaftigkeit behandelt wird, die ihr zusteht. Wenn diese Formate fallen, schließt niemand diese Lücke.
Kinder- und Jugendbücher machen 20 % des gesamten Buchmarktumsatzes aus. Wichtiger noch: Sie sind die Grundlage jeder späteren Lesebiografie. Wer möchte, dass Jugendliche Nachrichten verstehen, demokratische Debatten einordnen und komplexe Zusammenhänge erfassen können, muss dafür sorgen, dass sie überhaupt zu Leserinnen und Lesern werden. Qualifizierte Rezensionen, Autorengespräche und literarische Empfehlungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk leisten genau das.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit dem Auftrag, der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen, unterscheidet sich von kommerziellen Medien genau dadurch, dass er Themen sichtbar macht, die gesellschaftlich relevant sind, auch wenn sie keine Reichweitenrekorde brechen. Kinder- und Jugendliteratur ist ein solches Thema. Modernisierung ist richtig und notwendig – aber Tiefe gegen Reichweite einzutauschen halten wir für eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt für den falschen Ansatz.
Wir appellieren daher an die Verantwortlichen, die geplanten Einsparungen im Bereich der Kinder- und Jugendbuchkritik zu überdenken. Wir als Dachverband sowie unsere Mitgliedsverlage sind gern bereit, gemeinsam mit dem Deutschlandradio über neue Formate, digitale Angebote und zeitgemäße Formen der Literaturvermittlung nachzudenken.
Mit der Hoffnung auf einen offenen Dialog
der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj)