Das Buchbranchen-Update

Bazyar auf Platz 1 ++ Sally-Rooney-Bücher im UK eingestellt ++ KI im Hörbuch

19. Oktober 2026
Redaktion Börsenblatt

Die Nachlese mit den Themen: Shida Bazyar steht auf Platz 1 der Bestsellerliste und Sally Rooneys Bücher fliegen in UK aus dem Handel. Außerdem: Wie akzeptiert sind KI-Stimmen bei Hörbüchern? 

Nachlese Podcast-Cover (Mock-up)

Die Nachlese erscheint jeden Montag

Sally-Rooney-Bücher im UK eingestellt

Der Verlag Faber liefert die Bücher und Hörbücher von Sally Rooney im Vereinigten Königreich nicht mehr aus. Nach eigenen Angaben ist die Entscheidung im Einvernehmen mit der irischen Autorin gefallen. Hintergrund ist eine Spendenaktion, die Rooney geplant hatte: Sie wollte die Erlöse aus den Buchverkäufen an die propalästinensische Gruppe Palestine Action geben. Nach Sabotageattacken der Gruppe auf einen Rüstungskonzern wird die Gruppe seit Juli 2025 von der britischen Regierung aber als "terroristische Organisation" behandelt. Laut Medienberichten wurden seitdem mehr als 4.000 Unterstützer:innen verhaftet, weil sie etwa Solidaritätsplakate auf Demos zeigten. Diese Einstufung als Terrorgruppe gilt aber als umstritten und wird kontrovers diskutiert.

Rooneys Verlag Faber sagt, die aktuelle britische Gesetzgebung lasse es nicht zu, Erlöse vor diesem Hintergrund auszuzahlen. Das könnte nämlich als Terrorfinanzierung betrachtet werden. Ein Buch zu verkaufen und die Einnahmen nicht weitergeben zu können, sei für einen Verlag aber eine unhaltbare Situation. Und so kommt es zu einer grotesken Situation: In anderen Ländern bleiben Rooneys Titel im Handel und dürfen vom Verlag auch ins Ausland verschickt werden. Auf dem deutschen Markt erschien zuletzt Rooneys Roman "Intermezzo" bei Ullstein.

"Die Lücken" auf Erfolgskurs

Nach dem Veranstaltungsmarathon auf der Frankfurter Buchmesse ist Autorin Shida Bazyar auf Erfolgskurs. Ihr Roman ist wieder auf der Bestsellerliste eingestiegen und zwar auf Platz 1. Laut Verlag hat sich "Die Lücken" mehr als 100.000 Mal verkauft. Nachdem das Buch kurzzeitig vergriffen war, konnte Kiepenheuer & Witsch den Buchhandel wieder mit frischen Exemplaren versorgen und hat bereits eine weitere Auflage für das Weihnachtsgeschäft angekündigt. Auch in der Schweiz schafften "Die Lücken" den Wiedereinstieg auf die Bestsellerliste. Lizenzen in acht Ländern wurden bereits verkauft und der Terminkalender der Autorin ist bis Mitte 2027 komplett ausgebucht.

Ravensburger übernimmt Vertrieb für NordSüd

Ravensburger übernimmt ab Januar den Vertrieb des Schweizer NordSüd Verlags für Deutschland, Österreich, Luxemburg und Südtirol. Das Programm umfasst rund 400 Bücher, dazu kommen 30 Neuerscheinungen im Jahr. Messeauftritt und Katalog bleiben eigenständig. Geschäftsführerin Nina Grünberger hatte zuvor angekündigt, den Verlag Ende Januar auf eigenen Wunsch zu verlassen. Ihre Position übernimmt Heidi Vetter, die zuletzt stellvertretende Programmleiterin für den Bereich Bilderbuch bei Ravensburger war.

News aus dem Buchhandel in KW 42

Der Umsatz von Thalia ist im vergangenen Geschäftsjahr um 4,5 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro gewachsen. Treiber war das Online-Geschäft mit über 6 Prozent Plus. Thalias Filialnetz umfasst jetzt 613 Buchhandlungen in der DACH-Region, also 42 mehr als im Vorjahr. Gemessen daran erscheint das Umsatzplus stationär mit 1,4 Prozent klein. Zahlen zum Betriebsergebnis legte das Unternehmen nicht vor. Ingo Kretzschmar, Vorsitzender der Thalia-Geschäftsführung kommentierte, die Entwicklung der Buchbranche mache ihm Sorgen.

Hugendubel eröffnet am 30. Oktober eine neue Buchhandlung in Halle an der Saale. Die Filiale in der Leipziger Straße 7 ist 520 Quadratmeter groß. Für Hugendubel ist es der zweite Standort in Sachsen-Anhalt. Insgesamt betreibt das Unternehmen damit 36 Filialen im Osten Deutschlands und deutschlandweit mehr als 100 Standorte.

In Regensburg gibt es seit Anfang des Monats eine neue Buchhandlung: Der Bücherdrache, gegründet von Johannes Feifel, ist spezialisiert auf Fantasy und Romantasy. Wir waren vor Ort und stellen euch den Buchladen in einem Porträt im kommenden Börsenblatt vor.

Audible-Studie zu KI-Stimmen

Würdet ihr euch ein Hörbuch anhören, das von einer KI eingesprochen wurde? Nun, die Hälfte der Befragten wäre angeblich bereit, KI-gesprochene Inhalte zu hören oder auszuprobieren. Das zeigt eine Studie, die Audible auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt hat. Sie stammt von NielsenIQ, befragt wurden 18.000 Hörer:innen in elf Ländern. Die Unterschiede sind enorm. Am offensten zeigt sich Japan mit 66 Prozent. Deutschland liegt bei 42 Prozent ganz weit vorne bei den KI-Skeptikern.

Auffällig ist noch ein zweiter Unterschied. In den meisten Ländern kommen KI-Stimmen bei Belletristik am besten an. In Deutschland und Japan bevorzugt man sie dagegen bei Sachinhalten und gerade nicht in der Belletristik.

Gleichzeitig wächst das Hören insgesamt. 34 Prozent der Hörer:innen haben laut Studie ihren Konsum gesteigert, und viele nutzen Audio angeblich als Ersatz für Bildschirmunterhaltung. Großer Vorteil ist demnach die Möglichkeit, beim Hören nebenbei noch etwas anderes zu machen.

Aktuelle Literaturpreise

Auf der Shortlist des Österreichischen Buchpreises stehen Anna Baar mit "Amseln" bei Wallstein. Birgit Birnbacher ist mit "Sie wollen uns erzählen" bei Zsolnay dabei. Norbert Gstrein wurde mit "Im ersten Licht" bei Hanser nominiert. Elias Hirschl steht mit "Schleifen" bei Zsolnay auf der Liste. Sabine Scholl ist mit "Die zweite Haut" bei Weissbooks vertreten. Auf der Shortlist des Debütpreises stehen Marlen Mairhofer mit "Alice" bei Jung und Jung, Nina Temann mit "oh augen, eigene oper" beim poetenladen Verlag und David Vajda mit "Diamanten" bei Hanser Berlin.

Und sonst?

Rund 236.000 Besucher:innen aus 137 Ländern kamen, damit konnte die größte internationale Buchmesse ihr Vorjahresniveau halten. Gut die Hälfte davon waren Fachbesucher:innen. Das neue Hallenlayout kam bei den meisten Ausstellern gut an, trotz der kurzfristig weggefallenen Halle 6. Ausreißer beim Feedback und den zahlreichen Messeberichten in der Presse bleibt ein besonders negativer Bericht in der F.A.Z. von Andreas Platthaus, der mit unzufriedenen Verlagen gesprochen hat. Der scheidende Messedirektor Juergen Boos hat unsere Chefredakteurin Christina Schulte zum Abschluss-Interview getroffen – wir verlinken euch das Gespräch in den Shownotes.

Media Control hat die erste europäische #BookTok-Bestsellerliste vorgelegt. Ganz oben steht "Fourth Wing" von Rebecca Yarros. Bei den Autor:innen liegt Chloe Walsh vorn. Auffällig ist, dass der Anteil männlicher BookTok-Käufer seit 2022 von 17 auf 32 Prozent stieg. Auch der Anteil der 30- bis 39-Jährigen BookTok-Käufer:innen wuchs von 26 auf 35 Prozent. Mehr dazu online.

Kurz notiert

Am 30. und 31. Oktober öffnen mehr als 20 Berliner Verlage ihre Türen. Bei #verlagebesuchen können Besucher:innen hinter die Kulissen des Büchermachens blicken.

Am 7. November findet der zweite WIR-Festivaltag auf und rund um den August-Bebel-Platz in Halle an der Saale statt. Parallel dazu findet die zweite Seitenwechsel-Messe statt, die rechtsextremen Positionen eine Plattform bietet.