Buchcharts – die aktuellen Bestsellerlisten

Ken Follett stürmt auf Platz Eins

23. September 2020
von Matthias Glatthor

Mit dem Prequel zu seiner Kingsbridge-Serie erobert der britische Bestsellerautor Ken Follett sofort die Spitze bei der Belletristik (Hardcover). Im frühmittelalterlichen England ist auch die Handlung des zweiten Gipfelstürmers der Woche angesiedelt: Bernard Cornwell mit dem zwölften Band seiner "Last Kingdom"-Serie. Für ihn heißt es von Null auf Eins in den Taschenbuchcharts (Belletristik). Ein Überblick über unsere aktuellen Wochencharts.

Ken Follett ist auf dem ersten Platz

Die Wochencharts auf Börsenblatt Online

Ermittlungszeitraum: 14. bis 20. September 2020

Belletristik

Mit "Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit" (Lübbe) legt der britische Megaseller Ken Follett das lang erwartete Prequel zu seinem Weltbestseller "Die Säulen der Erde" vor, der vor 30 Jahren erschien. Fast wie zu erwarten springt er damit auf Anhieb auf Platz Eins der Belletristik-Charts (Hardcover). Während die "Säulen" im 12. Jahrhundert in England spielen, setzt die Handlung des Prequels im Jahr 997 ein: Der Bootsbauer Edgar muss nach einem Überfall der Wikinger aus seinem Heimatort flüchten. Weitere Protagonisten des Geschichtspanoramas sind der skrupellose Bischof Wynstan, der idealistische Mönch Aldred und Ragna, die Tochter eines normannischen Grafen.

"Unsere Startauflage liegt bei 150.000 Exemplaren", erklärt Verlagsleiter Marco Schneiders gegenüber Börsenblatt online. Bereits Mitte August hatte Bastei Lübbe von einer sechsstelligen Anzahl an Vorbestellungen gesprochen. Follett ist und bleibt ein Bestsellergarant: "Von seinen insgesamt 36 Büchern wurden weltweit über 170 Millionen Exemplare in über 80 Ländern und in 33 Sprachen verkauft", so Schneiders. Die deutsche Gesamtauflage aller Ken-Follett-Romane liege bei 39 Millionen Exemplaren., die Gesamtauflage aller drei bisherigen deutschsprachigen Kingsbridge-Romane bei 8,7 Millionen. Mit der aktuellen Startauflage von Band 4 steige diese auf 8,85 Millionen Exemplare.

Im englischen Original heißt das zeitgleich am 15. September erschienene Buch "The Evening and the Morning". Wie kam es zum deutschen Titel? "Unsere erste Überlegung bei einem neuen Roman von Ken Follett ist natürlich, den englischen Originaltitel in einer adäquaten deutschen Übersetzung zu verwenden. Allerdings erschien uns 'Der Abend und der Morgen' in dieser deutschen Version nicht stark genug zu sein, das englische Original ist hier schlicht und ergreifend viel prägnanter", so Schneiders. Zudem hätte man dieses Zitat aus der "Genesis" des Alten Testaments in der deutschen Einheitsübersetzung korrekt mit "Es wurde Abend und es wurde Morgen" wiedergeben müssen. "Als Nächstes haben wir uns mit dem Gedanken getragen, einen ähnlichen Titel wie 'Die Säulen der Erde' zu kreieren. Schlussendlich kamen wir an den Punkt, um den die ganze Geschichte kreist: den fast magisch zu nennenden Ort 'Kingsbridge'. Ein Ort, der vielen Leserinnen und Lesern historischer Romane seit nunmehr dreißig Jahren etwas sagt. Um dem Ganzen dann noch den wohl verdienten epischen Charakter zu verleihen, wurde 'Kingsbridge' mit der Unterzeile 'Der Morgen einer neuen Zeit' versehen. Es war ein einfacher Prozess mit längeren Diskussionen", erläutert Schneiders. Die Übersetzer Dietmar Schmidt und Rainer Schumacher hätten gemeinsam das 848 Seiten umfassende Originalmanuskript innerhalb von vier Monaten übersetzt. Die deutsche Ausgabe kommt im Druck auf 1.024 Seiten.

Was auffällt, ist, dass das Äußere des Prequels sich deutlich von den bisherigen Bänden unterscheidet. Warum? Schneiders antwortet: "Wir haben uns bewusst von der bisher typischen und gewohnten Farbwelt (Beige) verabschiedet. Es wurde Zeit für einen neuen Auftritt – und wir wollten auch mit der Gestaltung in Schwarz allen Follett-Fans verdeutlichen, dass sie dieses Buch bisher garantiert noch nicht in ihrem Bücherregal haben."

Von Follett soll laut Verlag demnächst in Deutschland virtuelle Auftritte bei der digitalen Frankfurter Buchmesse (Messesonntag) und am 16. November bei der Münchner Bücherschau geben. Details folgen später.

Was ist Folletts Erfolgsgeheimnis? Er sei ein großartiger Erzähler, der einen enorm breiten epischen Bogen schlage und Charaktere schaffe, die einen nach der Lektüre noch lange begleiten. "Nicht die Großen stehen im Mittelpunkt der Geschichte, nicht die Königinnen und Könige, die Päpste und Warlords, sondern die einfachen Menschen, zu denen wir – die Leserinnen und Leser – keine trennende Distanz empfinden. Wir lesen vier Seiten des neuen Romans – und sind im Mittelalter", führt Schneiders aus.

Wie wichtig der Autor und die Reihe für den Kölner Verlag ist, zeigt die eigens eingerichtete "Kingsbridge"-Website, die unter anderem ein "Making of" des vierten Bandes zeigt. Dort ist auch ein Buchtrailer mit Follett zu sehen.

... und nocheinmal ins frühmittelalterliche England

Von Null auf Eins, das gelingt auch in den Belletristik-Taschenbuchcharts einem Titel. Ebenfalls ein historischer Roman, der auf der britischen Insel angesiedelt ist – allerdings etwa 100 Jahre früher als das Kingsbridge-Prequel spielt, zur Zeit Alfreds des Großen: "Das Königsschwert" (Rowohlt Tb.) von Bernard Cornwell (seine Website: http://www.bernardcornwell.net/) Es ist der zwölfte Band seiner Uhtred-Saga (The Saxon Stories), die ab 2015 als TV- und später Netflix-Serie unter dem Titel "The Last Kingdom" umgesetzt wird. Bei Rowohlt liegen alle zwölf Bände der Wikingerserie vor, sowie 24 andere Werke von Cornwell, so die Hamburger auf Anfrage. Von der Reihe habe Rowohlt mehr als 1,4 Millionen Exemplare (Buch und E-Book) verkauft. Warum hat man sich fürs Taschenbuchformat entschieden? "Begonnen hat die Serie zu einer Zeit, als für historische Unterhaltungsromane im Taschenbuch das passendste Format zu sein schien", so eine Sprecherin. Cornwell sei davor schon mit anderen Romanen bei mehreren deutschen Taschenbuchverlagen publiziert worden – mit überschaubarem Erfolg. Bei rororo sei die Wikingerserie mit dem ersten Band, der im Dezember 2006 herauskam, auf einem Spitzentitelplatz präsentiert worden. "Die TV-Serie, die ja immer erfolgreicher wird, hat den Absatz der Bücher sicher positiv beeinflusst, aber der Riesenerfolg auf dem deutschsprachigen Buchmarkt war vorher schon da."

Der 13. und abschließende Band der Reihe, "War Lord", kommt in Großbritannien am 15. Oktober und in den USA am 20. November 2020 heraus. Die deutsche Ausgabe unter dem Titel "Der Herr der Schlacht" soll am 14. September 2021 bei Rowohlt Tb. erscheinen, kündigen die Hamburger an.

Ebenfalls neu in den Belletristik-Charts (Hardcover):

  • Platz 10: "Standart Skill – Voll verglitcht!" (Riva) von Standart Skill und Matthias Kempke. Standart Skill gehört mit knapp drei Millionen Abonnenten zu den Top 10 der deutschen Gaming-Kanäle auf YouTube. In dem interaktiven Abenteuer wird "Stanni" in die Welt eines Videospiels gesogen. Die Illustrationen stammen von Marek Bláha.
  • Platz 11: "Infinitum – Die Ewigkeit der Sterne" (Knaur) von Christopher Paolini. Der "Eragon"-Schöpfer reist mit seinem neuen Opus ins Weltall. Mehr über ihn auf seine "Familienwebsite": https://www.paolini.net/
  • Platz 22: "Rocky Beach" (Kosmos) von Christopher Tauber. Was wäre, wenn "Die drei ???" Justus, Peter und Bob, die seit Jahrzehnten im kalifornischen Rocky Beach ermitteln, älter geworden wären? Das spinnt die Graphic Novel im Noir-Stil aus. Die Illustrationen stammen von Hanna Wenzel.

Der Deutsche Buchpreis weckt offenbar das Interesse der Leser*innen: Drei der zehn Aufsteiger der Woche stehen auf der Shortlist der Auszeichnung, die am 15. September verkündet wurde (zur Meldung auf Börsenblatt online). So auch der der Top-Aufsteiger (plus 45 Plätze) "Streulicht" von Deniz Ohde. Für dem Roman hat die Autorin bereits den Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2020 erhalten. Auf einfühlsame Weise zeichne Ohde "darin den schwierigen Weg vom migrantischen Arbeiterkind zur Akademikerin nach", urteilte der Deutschlandfunk. Der Titel belegt Platz 30 in den Charts.

Viele dunkle Cover: Eine Auswahl der Neueinsteiger in unseren Wochencharts

Sachbuch

Beim Sachbuch (Hardcover) gibt es einen Führungswechsel. An die Spitze rückt – nach einer Woche Pause – wieder Mary L. Trump mit "Zu viel und nie genug" (Heyne). Sie verdrängt damit Jan Böhmermann, der in der vorigen Woche mit "Gefolgt von niemandem, dem du folgst" (Kiepenheuer & Witsch) auf Anhieb Platz 1 eroberte, auf den zweiten Rang.

Höchstplatzierter Neueinsteiger ist der Journalist Ijoma Mangold, kulturpolitischer Korrespondent der "Zeit", mit seinem geistreichen politischen Tagebuch "Der innere Stammtisch" (Rowohlt), das neu auf Platz 10 in die Charts kommt. Ebenfalls bei Rowohlt erschienen ist der Neueinsteiger auf Platz 14: Der Musiker Achim Reichel, der 1960 die Rattles gegründet hatte, blickt mit seiner Autobiografie "Ich hab das Paradies gesehen" auf sein Leben und seine lange Karriere zurück. Wie kam das Projekt zustande? "Die Lektorin Susanne Frank hat den Autor schon vor fünf Jahren angesprochen und getroffen, aber er hat erst 2018 die Ruhe gefunden, wirklich zu schreiben, auf einer Reise auf einem Containerschiff, und kam dann mit dem fast fertigen Manuskript wieder auf sie zu", berichtet der Hamburger Verlag auf Anfrage. 

Ebenfalls neu sind in den Hardcover-Charts:

  • Platz 13: "Was ich gelernt habe" (dtv) von John Strelecky
  • Platz 19: "Karl Lagerfeld" (C.H. Beck) von Alfons Kaiser
  • Platz 22: "Alt genug, um glücklich zu sein" (Heyne) von Florian Langenscheidt und André Schulz

Ratgeber

In die Ratgeberliste schaffen es vier neue Titel. Aufs Treppchen, Platz 3, kommt Food-Bloggerin Christiane "Emmi" Prolic (https://emmikochteinfach.de/ ) mit dem naheliegenden Titel "Emmi kocht einfach" (Riva). Versprochen werden "gelingsichere Rezepte" für Anfänger und Kochbegeisterte. Kochbücher von Influencer*innen laufen gut, wie etwa auch "You Deserve This" (Community Editions) von Pamela Reif zeigt, das seit 63 Wochen in den Ratgebercharts ist – und aktuell Platz 9 belegt.

Für Sternengucker ist das "Kosmos Himmelsjahr" (Kosmos) von Hans-Ulrich Keller offenbar ein Muss. Die Ausgabe 2021 steigt neu auf Platz 4 ein. Es ist bereits der 111. Jahrgang. "Das erste Himmelsjahr gab es für das Jahr 1910, damals noch unter dem Namen 'Sternbüchlein'", so Presseleiterin Silke Ruoff. Bisher habe man insgesamt über 5,5 Millionen Exemplare der verkauft. Seit 1981 liegt das "Kosmos Himmelsjahr" in den Händen von Hans-Ulrich Keller. Er ist Professor für Astronomie an der Universität Stuttgart und hat von 1976 bis 2008 das Planetarium Stuttgart geleitet und leitet immer noch die Sternwarte Welzheim. "Das Buch richtet sich an alle, die sich für den Himmel interessieren (die stärkste Käufergruppe) und versierte Amateurastronomen", so Ruoff.

"Was hilft Psychotherapie, Herr Kernberg?" (Herder) stammt von Otto Kernberg und Manfred Lütz. Der in New York lebende Psychotherapeut Kernberg zieht im Dialog mit seinem Kollegen Lütz erstmals die Bilanz seines Therapeutenlebens, so der Verlag. Es geht um psychische Krankheiten, die Frage nach der Existenz Gottes, Kernbergs eigene Geschichte – und der Narzissmus-Experte äußert sich auch über Donald Trump. Neu auf Platz 6.

Auf Platz 21 schließlich landen neu die Mediziner Herbert Renz-Polster, Nicole Menche und Arne Schäffler mit "Gesundheit für Kinder" (Kösel) neu in die Top 25. Das Standardwerk, das moderne Medizin, Naturheilverfahren und Selbsthilfe berücksichtigt, wurde laut Verlag vollständig überarbeitet und aktualisiert.

Der Link zu den Wochenlisten:

https://www.boersenblatt.net/news/bestseller

Über die Bestsellerlisten

Die Börsenblatt-Bestsellerlisten basieren auf Verkaufszahlen, die von unserem Kooperationspartner Media Control erhoben werden. Hierzu werden wöchentlich, elektronisch die Verkaufszahlen aus den Warenwirtschaftssystemen von deutschlandweit mehr als 6.550 Verkaufsstellen ausgelesen: Sortimentsbuchhandlungen inklusive eCommerce, Bahnhofsbuchhandel, Kauf- und Warenhäuser sowie Elektro- und Drogeriemärkte. Bezogen auf das Umsatzvolumen bilden die Daten 88 Prozent des gesamten deutschen Buchmarktes ab. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.