Buchcharts – die aktuellen Bestsellerlisten

Platz 1 für Hahnes "Das Maß ist voll"

2. März 2022
von Matthias Glatthor

Peter Hahne lässt in seinem aktuellen Buch Dampf ab etwa gegen Lockdown-Politik und Sprachpolizei – springt damit sofort an die Spitze der Charts. Das Putin-Buch der britischen Journalistin Catherine Belton ist in zwei Ausgaben vertreten. Neu dabei sind auch Laetitia Colombani, Nino Haratischwili, Gregor Gysi, Doris Dörrie, David Safier, Patrick Lange – und eine Menge mehr. Update: "Mops Putin" soll umbenannt werden.

Neu dabei

Die Wochencharts auf Börsenblatt Online

Ermittlungszeitraum: 21. bis 27. Februar 2022 (KW 8)

35 Neueinsteiger schaffen es in der aktuellen Woche in unsere Bestsellerlisten, sowie zwölf Wiedereinsteiger. 

Am 24. Februar hat der russische Angriff auf die Ukraine begonnen, der immer verheerender wird. Seither fragen sich bestürzte Menschen: Was geht in Putins Kopf vor? Wie kann man ihn stoppen? Wie sieht das System Putin aus und wie konnte es sich so entwickeln?

Antworten darauf gibt die britische Journalistin Catherine Belton, von 2007 bis 2013 Moskau-Korrespondentin der "Financial Times", in ihrem hochgelobten "Putins Netz – Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste" (HarperCollins; ET: 7. Februar; Ü: Elisabeth Schmalen, Johanna Wais). Belton kehrt damit auf Platz 5 in unsere Sachbuchcharts (HC) zurück) – ihr Titel, der im Rahmen der Berichterstattung über den Ukraine-Krieg unter anderem bei "tagesschau 24" empfohlen wurde, ist der höchstplatzierte Wiedereinsteiger. In der KW 6 war er neu auf Platz 23 eingestiegen, in der KW 7 (vor dem Ukraine-Krieg) wieder herausgerutscht.

Die englische Ausgabe, "Putin's People" (HarperCollins; ET: April 2021), kommt neu auf Platz 24 in die Sachbuch-Taschenbuchliste.

Belletristik (Hardcover)
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Belletristik: Neues von Laetitia Colombani

Nach ihren Bestsellern "Der Zopf" (deutsche Ausgabe 2019) und "Das Haus der Frauen" (deutsche Ausgabe 2020; beide S. Fischer) landet die französische Autorin Laetitia Colombani einen weiteren Erfolg: "Das Mädchen mit dem Drachen" (S. Fischer; ET: 23. Februar; Ü: Claudia Marquardt) startet neu auf Platz 6 in der Hardcoverliste. Eine der Hauptfiguren ist das indische Mädchen Lalita, bekannt aus "Der Zopf". Hinzu kommen die französische Lehrerin Léna, die in einer Schule am Golf von Bengalen ein neues Leben beginnen will, und Preeti, die eine Selbstverteidigungsgruppe für junge Frauen leitet. Als Preeti, gerufen von Lalita, Léna vor dem Ertrinken rettet, nimmt die Geschichte der Drei Fahrt auf. Colombani thematisiert dabei Kinderarbeit, eine Form moderner Sklaverei, sowie Zwänge und Ungerechtigkeiten des Kastensystems. 

Auf Platz 12 reiht sich die georgisch-deutsche Autorin Nino Haratischwili mit "Das mangelnde Licht" (Frankfurter Verlagsanstalt; ET: 25. Februar). Vier Mädchen, Frauen, darunter die Ich-Erzählerin Keto, erleben den Umbruch nach der Perestroika in Georgien. Nach Jahren, 2019, begegnen sich drei davon bei einer Fotoausstellung der verstorbenen vierten, der Kriegsfotografin Dina, in Brüssel wieder – die Fotos setzen Erinnerungen in Gang. Der Roman entwickle "durch seinen prallen Erzählstil einen enormen Sog", so Stephanie von Oppen auf "Deutschlandfunkkultur".

Die weiteren Premieren bei der Belletristik (HC):

  • Platz 16: "Nebelopfer" (Lübbe; ET: 25. Februar) von Romy Fölck. Band 5 ihrer Elbmarsch-Krimireihe um Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn.
  • Platz 21: "Viral. Blutrausch" (Benevento; ET: 24. Februar) von Mark Benecke. Thriller um einen Frauenmörder.
  • Platz 23: "Kaiserstuhl" (List; ET: 24. Februar) von Brigitte Glaser. Historischer Roman, der 1962 am Kaiserstuhl spielt. Das frühere deutsch-französische Paar Henny und Paul trifft sich wieder.
  • Platz 24: "Brunnenstraße" (Piper; ET: 24. Februar) von Andrea Sawatzki. In ihrem autofiktionalen Roman schildert die Schauspielerin und Autorin ihre Kindheit. Ihr Mann, der Schauspieler Christian Berkel, hatte seine Familiengeschichte in "Der Apfelbaum" und "Ada" (beide Ullstein) verarbeitet.

Miss Merkel - Fall 2: "Mops Putin" soll umbenannt werden

Mit "Miss Merkel: Mord in der Uckermark" (Rowohlt Kindler; ET: März 2021) hatte David Safier im vergangenen Jahr einen Coup gelandet – holte sich damit den ersten Platz in unseren Belletristk-Jahrescharts (PB). Ein Jahr später folgt der zweite Streich: "Miss Merkel: Mord auf dem Friedhof" (Rowohlt Kindler; ET: 1. März), der sich sofort Platz 6 in der Paperbackliste holt. Merkels Mops findet den ermordeten Gärtner auf dem Klein-Freudenstädter Friedhof in der beschaulichen Uckermark...

Wie landete Miss Merkel als Detektivin zwischen zwei Buchdeckeln? "Die Idee ist David Safier in einem Gespräch mit seinem Agenten gekommen", erläutert Ulrike Beck, Programmleitung Kindler Verlag, auf Anfrage. Auch sein privates Umfeld habe positiv reagiert. "Das hat im Verlag sofort gezündet, wir ahnten, dass die Idee groß sein könnte: Aus Frau Merkel eine Art deutsche Miss Marple zu machen und mit ihr als Heldin ein Cosy Crime zu entwickeln, das mit Elementen der politischen und privaten Biographie der Bundeskanzlerin auf eine liebenswerte Weise spielt, hat viele sofort überzeugt."

Neben ihrer Fähigkeit, analytisch zu denken, spielen "ihre Neugier, ihre Beharrlichkeit, ihr Durchsetzungsvermögen und ihre mangelnde Eitelkeit eine große Rolle. Und die Tatsache, dass sie gerne zunächst einmal unterschätzt wird, vor allem von eitlen Männern". Zunächst habe man nur über ein Buch gesprochen, aber dann hatte Safier unzählige weitere Ideen, sodass man sich für einen Folgeband bereits vor dem großen Erfolg des ersten Falls entschieden habe.

Update, 5. März: "Mops Putin" ist der vierbeinige Begleiter von Miss Merkel – dieser soll nun einen neuen Namen bekommen, wie David Safier abends am 3. März auf seiner Facebook-Seite ankündigt: "Verlag, Mops und ich haben befunden, dass Putin kein Name für einen anständigen Hund ist. In zukünftigen Auflagen von 'Miss Merkel – Mord auf dem Friedhof' bekommt der knuddelige Kerl einen neuen Namen." Darunter auf einer Zeichnung ein traurig blickender Mops mit dem Zitat: "Ich will nicht länger Putin heißen!".

Bis die zweite Auflage in die Läden komme, antwortet Safier auf die zahlreichen Kommentare, werde es noch eine Weile dauern, da die Startauflage so hoch gewesen sei. Im E-Book werde der Name aber bald geändert. Auf seiner Facebook-Seite wird derweilen munter über neue Namen für den Mops diskutiert.

Sachbuch (Hardcover)
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Senkrechtstart beim Sachbuch: Hahne macht sich Luft

"Das Maß ist voll" (Quadriga; ET: 25. Februar) wettert Peter Hahne in seinen neuen, in typischer Manier betitelten Bestseller unter anderem gegen Lockdown-Politik, Kirche und eine Sprachpolizei, die jedes Augenmaß verloren habe. Das hat einen populistischen Touch. Der Untertitel des Buchs des selbsternannten Klartext-Schreibers Hahne lautet "In Krisenzeiten hilft keine Volksverdummung". Damit trifft er offenbar einen Nerv der Leser:innen – das 144 Seiten-Werk holt sich auf Anhieb Platz 1 in den Sachbuchcharts (HC).

Die Nummer 1 der vorigen Woche, Tim Pröses "Hans-Erdmann Schönbeck: '... und nie kann ich vergessen'" (Heyne; ET: 2. Februar), fällt auf Platz 17 zurück.

Das oben genannte ist nicht der einzige Titel von Peter Hahne in unseren Charts: Mit "Nicht auf unsere Kosten!" (Quadriga; ET: 29. Oktober 2021) belegt er wie in der Vorwoche Platz 6 in der Taschenbuch-Liste (insgesamt 18 Wochen platziert). Darin sind seine beiden Besteller "Schluss mit euren ewigen Mogelpackungen" (Lübbe 2018) und "Seid ihr noch ganz bei Trost" (Quadriga; ET: Februar 2020) vereint.

Mich persönlich würde als Reisefan eher die Top-Aufsteigerin der Woche in der Sachbuchliste (HC) interessieren: Doris Dörrie erklimmt mit "Die Heldin reist" (Diogenes; ET: 23. Februar) 82 Plätze in den Charts, landet neu auf Platz 10. In ihrem autofiktionalen Text erzählt die Filmregisseurin und Autorin von Reisen nach San Francisco, Japan und Marokko. Reflektiert, was es heißt, als Frau in der Welt unterwegs zu sein, spielt mit dem Bild der "Heldenreise". "Der Held muss also aus dem Haus, um ein Held zu werden. Und die Heldin?", fragt sich die Reisebegeisterte, die schon als junge Frau in die Welt gezogen ist.

Die weiteren Premieren beim Sachbuch (HC):

  • Platz 9: "Was Politiker nicht sagen" (Econ; ET: 24. Februar) von Gregor Gysi
  • Platz 16: "Der Ehrliche ist der Dumme" (Hoffmann und Campe; ET: 5. Januar) von Ulrich Wickert in Neuauflage

Neu auf Platz 3: Ironman und Midnight Chronicles

In den Paperbacklisten beginnen zwei Titel jeweils auf dem Podestplatz Drei:

Bei der Belletristik sind es Bianca Iosivoni und Laura Kneidl mit "Midnight Chronicles – Seelenband" (Lyx; ET: 23. Februar), dem vierten Band der romantischen Fantasy-Reihe.

Beim Sachbuch ist es der zweimalige Ironman Weltmeister und 2018 Deutschlands Sportler des Jahres Patrick Lange mit seiner Autobiografie "Becoming Ironman" (Riva; ET: 22. Februar).

Ratgeber
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Für "Kitchen impossible" (Mosaik; ET: 21. Februar) von Tim Mälzer ist nichts unmöglich: In der vorigen Woche auf Platz 17 in der Ratgeberliste gestartet, schiebt sich der Titel in dieser Woche an die Spitze des Feldes. Für Stefanie Stahl heißt das in der 232. Woche in den Charts mit "Das Kind in dir muss Heimat finden" (Kailash; ET: November 2015): Platz 2.

Und das sind die Neuen bei den Ratgebern:

  • Platz 5: "Food with love: Eat & Love – Unsere Jeden-Tag-Küche mit Herz" (Edition Michael Fischer / EMF Verlag; ET: 22. Februar) von Manuela Herzfeld und Joëlle Herzfeld
  • Platz 6: "Spring in eine Pfütze! Fluffig, knusprig, bunt" (Community Editions; ET: 25. Februar) von der Influencerin ViktoriaSarina (ihr YouTube-Kanal)
  • Platz 13: "Betty backt!" (DK Verlag; ET: 22. Februar) von "Das große Backen" (Sat 1)-Jurorin Bettina Schliephake-Burchardt (ihr Blog)
  • Platz 20: "Nicht zu streng, nicht zu eng" (humboldt; ET: 23. Februar) von Inke Hummel
  • Platz 25: "Im Wandel wachsen" (Herder; ET: 31. Januar) von Anselm Grün

Der Link zu den Wochenlisten:

Über die Bestsellerlisten

Die Börsenblatt-Bestsellerlisten basieren auf Verkaufszahlen, die von unserem Kooperationspartner Media Control erhoben werden. Hierzu werden wöchentlich, elektronisch die Verkaufszahlen aus den Warenwirtschaftssystemen von deutschlandweit mehr als 6.550 Verkaufsstellen ausgelesen: Sortimentsbuchhandlungen inklusive eCommerce, Bahnhofsbuchhandel, Kauf- und Warenhäuser sowie Elektro- und Drogeriemärkte. Bezogen auf das Umsatzvolumen bilden die Daten 88 Prozent des gesamten deutschen Buchmarktes ab. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.