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"Ein Bildungssystem, dass sich an die Schüler:innen anpasst"

9. Oktober 2026
Redaktion Börsenblatt

Eine Podiumsdiskussion auf der Frankfurter Buchmesse: Was sind Ursachen für die Abnahme der Lesekompetenz, wie nehmen die Schüler:innen die Situation war und wie kann man die Lesekompetenz junger Menschen stärken? 

Blick in einen abgedunkelten Veranstaltungsraum mit einer Podiumsdiskussion auf der linken Seite und einem sitzenden Publikum auf der rechten Seite. Auf der Bühne sitzen vier Personen auf Sesseln um kleine Tische; dahinter steht auf einer roten Wand „Dialogue Stage“. Bildschirme zeigen Informationen zur Veranstaltung. Rote Scheinwerfer beleuchten die Rückwand,

Auf der Podiumsdiskussion am 9. Oktober diskutierten Dr. Petra Bahr (Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend), Prof. Dr. Samuel Greiff (Leiter des ZIB, verantwortlich für die nationale Durchführung der PISA Studie) und Erik Sczygiol (stellv. Generalsekretär der Bundesschüler:innenkonferenz) unter der Moderation von Heike Schmoll (FAZ-Redakteurin, zuständig für Schul- und Hochschulpolitik) die Thematik "Lesen lernen zwischen Bildungsreise, KI und Socia Media".   

"Hasty Readers"

Das Umfeld wird immer schnelllebiger: Social Media verändert unsere Wahrnehmung und damit auch das Leseverhalten. Das schnelle und oberflächliche Lesen nimmt immer weiter zu. Laut Greiff hat sich der Anteil der sogenannten "Hasty Readers" fast verdoppelt. Auffällig ist vor allem, dass ein Großteil der "Leistungsspitze" davon betroffen ist. Erik Sczygiol stellt als mögliche Ursache die Verbindung von sozialem Status und dem Bildungserfolg dar. Gerade die Unterstützung der Eltern spiele eine große Rolle. Die Kinder benötigen immer öfter außerschulische Unterstützung beim Lernen, die sie zuhause oft nicht in ausreichendem Maß erhalten können. Um die Eltern zu entlasten und Chancengleichheit zu ermöglichen, fordert Sczygiol einen Stopp der Auslagerung aus der Schule. 

Heike Schmoll, Erik Sczygiol, Dr. Petra Bahr, Prof. Dr. Samuel Greiff (von links nach rechts)

Heike Schmoll, Erik Sczygiol, Dr. Petra Bahr, Prof. Dr. Samuel Greiff (von links nach rechts)

 

Die Bedeutung der frühkindlichen Bildung

"Wir haben große Probleme die Basiskompetenzen zu sichern", so Samuel Greiff. Gerade die frühkindliche Bildung müsse gefördert werden, um diese Grundkompetenzen zu fördern. Ein früherer und konsequenterer Umgang müsse in der Thematik passieren. Dabei müsse man sich auch dem internationalen Vergleich stellen, denn gerade Österreich sei uns in der frühen Sprachdiagnose mindestens 5 Jahre voraus, so Greiff. Auch Petra Bahr spricht einen wichtigen Punkt an: Gerade die frühkindliche Bildung sei seit Jahren vernachlässigt worden. Dabei muss es nicht schwer oder kompliziert sein – das Halten eines Stiftes oder die kurze Konzentration auf ein Bilderbuch seien genau das, womit man anfangen kann. Die frühkindliche Bildung soll damit nicht die Schule imitieren – "Sie soll Lust darauf machen die Neugier zu behalten", sagt Bahr. 

In der vorderen Reihe sitzen mehrere Personen, darunter eine Frau im grauen Blazer und eine Frau im schwarzen Oberteil, die lächeln und aufmerksam zur Bühne blicken.

Mit Beispielen aus dem Alltag brachte Erik Sczygiol heitere Momente in die ernste Diskussion

Das "andere" Lesen

Auch wenn Social Media und KI eine große Relevanz haben, spielt der Unterricht in den Schulen ebenfalls eine entscheidende Rolle. "Die Art des Unterrichts ist nicht mehr die, die man bräuchte.", so Bahr. Die jungen Menschen lesen nicht unbedingt weniger aber dafür anders. Sczygiol wünscht sich ein Bildungssystem, bei dem Schule Spaß macht, der Unterricht anders gestaltet ist, Kreativarbeit mehr integriert und alles "zugänglicher" gemacht wird. Dabei ist für ihn die Nutzung von KI auch eine Möglichkeit: Gerade der Fachkräftemangel mache es schwer diesen Wunsch umzusetzen. Allerdings könnte KI hier als Unterstützung fungieren – mit speziellen KI-Plattformen und -Systemen könnte man die Möglichkeit haben, individueller auf die einzelnen Kinder einzugehen und das Erarbeiten von Material gezielter zu unterstützen. Nicht nur in der Schule würde dieses Vorgehen unterstützen, außerhalb vom Unterricht würde es auch die Eltern entlasten. Petra Bahr spricht davon, dass so eine Idee bereits Gesprächsthema sei. Sie betont aber auch, dass hier nicht nur die Methode entscheidend ist, sondern vor allem das Committent der Schule unter dem Motto "Hier geht kein Kind verloren". 

Zum Abschluss wünscht sich Erik Sczygiol ein System, bei dem Schüler:innen im Mittelpunkt der Schule stehen und sich das System an die Schüler:innen anpasst und nicht andersherum.