CONTENTshift-Accelerator 2020

Erfindergeist: Was ist das beste Start-up? (Teil 1)

28. Juli 2020
von Christiane Petersen

Wer hat das Zeug zum Start-up des Jahres? Sechs junge Unternehmen stehen beim CONTENTshift-Accelerator im Finale – dem Förderprogramm der Börsenvereinsgruppe. Zwei davon setzen auf analoge Ideen. Das sind die Start-ups im Detail. Teil 1. 

artificial connect: Automatisch Texte erstellen

  • Geschäftsidee: automatisierte Textzusammenfassungen für Redaktionssysteme
  • Für wen: Verlage, Medienhäuser
  • Gründung: 2019
  • Web: www.artificial-connect.com

 

Content automatisiert zu generieren und zu distribuieren – darum geht es dem Start-up artificial connect. »Wir sind vier Gründer aus den Bereichen Datenverarbeitung, Machine ­Learning und Journalismus, die eines teilen: die Leidenschaft für guten Content«, stellt Felix Rolf sein Team aus Hannover vor. Gemeinsam mit seinen Kollegen entwickelt er für Verlage und Medienhäuser Software im Bereich der automatisierten Content-Erstellung. Zwei Softwarelösungen sind derzeit in der Entwicklung: Die Software ac.events befasst sich mit strukturiertem Copywriting im Veranstaltungsbereich. Das heißt: Aus vorhandenen Informationen werden längere Fließtexte erstellt. Die Technologie ac.textum behandelt wiederum den gegenteiligen Fall: Sie fasst journalistische Texte kontextbasiert zusammen und überführt sie in unterschiedliche Textformate wie Headlines, Summarys, Bullet Points oder Teaser-Texte.

Auf den Punkt gebracht: Die Software von artificial connect generiert aus Informationen längere Fließtexte.

Zwei weitere Programme sind für das kommende Jahr in Planung: Bei ac.textstyle geht es darum, Inhalte in einen anderen Stil zu transferieren. Und ac.search ist ein kontextbasiertes Tagging- und Suchverfahren: Es soll das einfache Auffinden von Inhalten ermöglichen, die eine hohe inhaltliche Nähe zur Suchanfrage des Nutzers aufweisen. »Wir freuen uns auf die Unterstützung durch den CONTENTshift-Accelerator«, so Rolf.

    Felix Rolf vom Start-up artificial connect

    SciFlow: Im Team publizieren

    • Geschäftsidee: kollaborativer Online-Texteditor, mit dem wissenschaftliche Texte erstellt, im Team bearbeitetund formatiert werden können
    • Für wen: Bibliotheken, Studierende, Forschende
    • Gründung: 2017
    • Web: www.sciflow.net

    Das Start-up SciFlow bezeichnet sich als das »Google Docs für die Wissenschaft«. Sein Ziel ist es, gemeinsam mit wissenschaftlichen Bibliotheken das Publizieren zu vereinfachen. »Bibliotheken geben weltweit jährlich 16 Milliarden Dollar für Inhalte und Infrastruktur aus und sehen sich einem großen Wandel gegenüber«, so so Gründer Carsten Borchert: »Die meistgenutzte Bibliothek ist vielleicht schon gar keine Bibliothek mehr, sondern Google Scholar mit 73 Millionen Aufrufen im Monat. Bibliothek und Forschungseinrichtungen entwickeln sich deshalb weiter und publizieren selbst.«

    Hier kommt SciFlow ins Spiel: SciFlow ist ein kollaborativer Online-Texteditor für Forschende und Studierende, mit dem wissenschaftliche Texte erstellt, im Team bearbeitet und formatiert werden können. Ziel: das Erstellen von Publikationen und das Schreiben von Abschlussarbeiten, Dissertationen und Forschungsartikeln konsequent zu vereinfachen – unter anderem mit der automatisierten Formatierung von Texten gemäß den Vorgaben von Verlagen oder Universitäten.

     

    Carsten Borchert von SciFlow

    Auf den Punkt gebracht: Bibliotheken können mit SciFlow eigene Publikations-Workflows aufbauen

    Mehr als 1 000 Studierende und Forschende sowie vier Forschungseinrichtungen arbeiten bereits mit dem Textprogramm. Das Prozedere ist einfach: Es ist keine Installation notwendig, jede Forschungseinrichtung oder Bibliothek, die sich für SciFlow entscheidet, kann sofort loslegen. »Für Bibliotheken ist SciFlow ein guter nächster Schritt, um ihre eigenen Publikations-Workflows aufzubauen«, meint Borchert

    Freya Sense: Aufmerksamkeit gewinnen

    • Geschäftsidee: Algorithmus, der Auslöser für Kunden- und Zielgruppenverhalten identifiziert
    • Für wen: Unternehmen, Marketingabteilungen
    • Gründung: 2017
    • Web: www.freyasense.com

    Die Gründer Tudor Birlea und Roxana Balan haben beide in Cambridge Angewandte Psychologie studiert. Ihr Thema: die Erforschung der Kausalität menschlichen Verhaltens. Das Gründerteam hat einen Customer-Intelligence-Algorithmus namens Freya entwickelt, der dabei hilft, die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Zielgruppen zu gewinnen. Mithilfe von Kognitionswissenschaft und Verhaltensökonomie identifiziert Freya Auslöser, die das Kunden- und Zielgruppenverhalten beeinflussen. Damit soll Unternehmen dabei geholfen werden, in einen direkten und positiven Kontakt mit ihren potenziellen Kunden zu treten. Marketingteams sollen mithilfe von Freya die richtigen Worte in der Ansprache finden und Verkaufsteams ihre Umsätze steigern können.

    Auf den Punkt gebracht: Mit Freya Sense lässt sich die richtige Ansprache für potenzielle Kunden finden.

    Mit Freya Sense wenden sich die Unternehmer derzeit in erster Linie an andere Start-ups. »Gründer haben das größte Interesse, die Effektivität ihrer Kommunikation zu steigern und Kunden zu gewinnen«, erklärt Tudor Birlea. »Wir leben in einer Aufmerksamkeitsökonomie. Und um die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich zu lenken, müssen Sie vor allem eines tun: Ihre Kommunikation an die Gedanken und Persönlichkeiten Ihrer ­potenziellen Kunden anpassen. Diese Möglichkeit bieten wir mit Freya.«

    Roxana Balan und Tudor Birlea haben den Algorithmus Freya entwickelt 

    Das ist CONTENTshift

    • Der CONTENTshift-Accelerator ist ein internationales Förderprogramm für Start-ups der Content-Branche. Die Börsenvereinsgruppe will damit Start-ups und etablierte Branchenfirmen zusammenbringen und Innovationen fest in der Branche verankern.
    • Weiterer Verlauf: Die Gründer*innen durchlaufen in den kommenden drei Monaten digitale Coachings und einen Co-Creation-Workshop. Dabei diskutieren sie mit der Jury ihre Geschäftsmodelle und loten aktuelle Herausforderungen sowie Kooperationsmöglichkeiten aus. Jedes Start-up erhält zudem eine*n Mentor*in, der oder die ihm für die Laufzeit des Programms beratend zur Seite steht.
    • Das Finale: Während der Frankfurter Buchmesse treten die Gründer*innen zum entscheidenden Pitch an. Anschließend küren die Juror*innen das Content-Start-up des Jahres, das mit 10 000 Euro gefördert wird.
    • Jury: Der Accelerator wird von Unternehmen aus der Buch- und Medienbranche gefördert, die Mitglieder in die CONTENTshift-Jury entsenden. Der Jury gehören neben Carmen Udina an: Sabine Haag (Wiley-VCH), Nina Hugendubel (Hugendubel), Per Dalheimer (Hugendubel Digital), Leif Göritz (Thalia), Olaf Carstens (Cornelsen), Detlef Büttner (Lehmanns Media) und Ronald Schild (MVB).
    • Informationen zum Programm finden Sie unter contentshift.de.