Börsenverein

Fachausschüsse berieten sich zu Remissionen, E-Rechnungen und KI

17. April 2026
Redaktion Börsenblatt

Die Fachausschüsse des Börsenvereins haben bei ihrer Frühjahrstagung im Haus des Buches in Frankfurt zentrale Branchenthemen beraten. Im Fokus standen unter anderem Wirtschaftlichkeit, Remissionsprozesse, KI sowie die Vorbereitung auf E-Rechnungen.

 

Die Vorsitzenden der Fachausschüsse für Verlage sowie Sortiments- und Zwischenbuchhandel v.l.n.r.: Christiane Schulz-Rother, Jo Lendle, Stephan Schierke

Die Vorsitzenden der Fachausschüsse für Verlage sowie Sortiments- und Zwischenbuchhandel v.l.n.r.: Christiane Schulz-Rother, Jo Lendle, Stephan Schierke

Die Fachausschüsse des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels kamen am Mittwoch zur Frühjahrstagung im Frankfurter Haus des Buches zusammen. In einer gemeinsamen Sitzung sowie anschließenden Spartentreffen wurden aktuelle Fragen aus Verband und Branche diskutiert.

Ein zentraler Diskussionspunkt der gemeinsamen Sitzung war der Bereich Wirtschaftlichkeit. Seit 2024 erarbeitet eine Task Force des Börsenvereins mit Teilnehmenden aus allen drei Sparten Handlungsmöglichkeiten für die Branche, um dem steigenden Kostendruck und der schwierigen wirtschaftlichen Lage zu begegnen. Zwei Aspekte dieser Arbeit standen bei der Sitzung im Zentrum:

Zum einen wurden die Ergebnisse der dritten Analyse der Absatz- und Preisentwicklung von Novitäten vs. Backlist vorgestellt. Damit liegen nun schon drei Jahre in Folge aufschlussreiche Zahlen vor. Mitglieder können die Ergebnisse von Media Control exklusiv unter www.boersenverein.de/backlist abrufen.

 

Remissionen: erste Ansätze zur Prozessvereinfachung

Die Untergruppe "Angebote an den Handel" der Task Force Wirtschaftlichkeit arbeitet an Vorschlägen zur Optimierung des Remissionswesens. In der Sitzung wurden erste Ideen vorgestellt: stärkere Bündelung von Abläufen, Reduzierung von Genehmigungsverfahren und weitgehende Digitalisierung von Prozessen. Ziel ist es, im Laufe des Jahres eine konkrete Empfehlung vorzulegen.

Regulierung, Recht und neue Austauschformate

Auf der Agenda standen zudem die neue Kommunikationsstrategie des Börsenvereins und Überlegungen zur Modernisierung von Verbands- und Gremienstrukturen. Informationen gab es außerdem zu rechtlichen und politischen Themen wie der Empowering Consumers Richtlinie (EmpCo), dem Preisbindungsverfahren vor dem Europäischen Gerichtshof sowie zu laufenden Klagen gegen KI-Plattformen. Künftig tauschen sich Mitglieder der drei Sparten unter Leitung des Berliner Büros vierteljährlich in einem "Soundingboard Compliance in Buchhandelsprozessen" zu relevanten Gesetzgebungs- und Regulationsprozessen aus.

Die Mitglieder der Fachausschüsse für Verlage sowie Sortiments- und Zwischenbuchhandel bei der gemeinsamen Fachausschuss-Sitzung

Die Mitglieder der Fachausschüsse für Verlage sowie Sortiments- und Zwischenbuchhandel bei der gemeinsamen Fachausschuss-Sitzung

E-Rechnungen: Whitepaper in Vorbereitung

Sortiments- und Zwischenbuchhandel beschäftigten sich in ihren Einzelsitzungen mit dem Thema E-Rechnungen. Elektronische Rechnungen betreffen ab 2027 alle Unternehmen. Die beiden Ausschüsse bereiten ein Whitepaper mit Empfehlungen für alle Branchenteilnehmer vor, das in den kommenden Wochen erscheinen soll.

Sortimentsbuchhandel: Remissionen und Veranstaltungen

Der SoA begrüßte die Arbeit der Gruppe "Angebote an den Handel" und forderte u. a. vereinfachte Genehmigungsverfahren, stärkere Digitalisierung sowie eine Reduktion von Transportkosten durch Stärkung der "körperlosen Remission" und ein einheitliches Vorgehen. Zudem befasste sich der Ausschuss mit Veranstaltungen im Buchhandel: Das stationäre Sortiment sorgt für kulturelle Veranstaltungen vor Ort, doch angesichts von Kostensteigerungen in allen Bereichen wird dies zunehmend herausfordernder. Nach einem digitalen Austausch zu Best Practices und Herausforderungen sollen im nächsten Schritt Buchhandlungen und Verlage gemeinsame Lösungen erarbeiten.

Verlage und Zwischenbuchhandel: KI, EmpCo und Verpackungsrecht

Im Ausschuss für Verlage wurde unter anderem über Künstliche Intelligenz beraten: Der Ausschuss verfolgt den Markt KI-generierter Bücher und begrüßt den aufgenommenen Rechtstreit der Penguin Random House Verlagsgruppe gegen OpenAI. Die 2025 veröffentlichte KI-Handreichung wird von den Verlagen rege genutzt, zugleich besteht der Bedarf an weiteren, stetig aktualisierten Instrumenten, die dem Buchhandel wie den Lesenden mehr Transparenz zu KI-generierten Publikationen bieten. Zudem wurde eine Taskforce aus Mitgliedern des VA sowie der IG Digital eingerichtet, die Vorschläge und Angebote für mehr Transparenz zu KI-generierten Publikationen erarbeiten soll.

Beim Thema EmpCo-Richtlinie wurde auf offene Fragen hingewiesen, etwa zum Umgang mit Altbeständen. Der Börsenverein drängt auf Nachbesserungen und setzt sich für eine Stichtagsregelung ein; aufgrund der bestehenden Rechtsunsicherheit lautet die Empfehlung, Nachhaltigkeitssiegel vorerst nicht mehr zu verwenden.

Der Ausschuss für den Zwischenbuchhandel befasste sich außerdem mit Änderungen im Verpackungsrecht: Zum 12. August 2026 treten neue Vorgaben in Kraft, die u. a. Recyclingfähigkeit, Materialeinsatz und Dokumentation betreffen und Anpassungen in Prozessen und Systemen erforderlich machen können.