Rückblick

Live in Berlin – Die Frankfurter Buchmesse 2026: Impulse, Debatten, Highlights

21. Oktober 2026
Redaktion Börsenblatt

Wie gelingt Europa der Schutz von Urheberrechten, ohne die Innovationskraft generativer KI auszubremsen? Dies war eine der zentralen Fragen, als Vertreter:innen aus Kultur und Politik am 14. Oktober im Europäischen Haus in Berlin zusammenkamen, um die Debatten der Frankfurter Buchmesse 2026 in Berlin fortzuführen. 

Rednerin am Pult vor einer Leinwand, auf der "Frankfurter Buchmesse 2026" steht

Barbara Gessler, Leiterin der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland

Eingeladen hatten die Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland, das Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in Deutschland, die Initiative Urheberrecht und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Neben der Diskussion über generative KI und Urheberrecht stand auch der literarische Auftritt des diesjährigen Ehrengasts Tschechien im Mittelpunkt des Abends.
 

Es braucht eine europäische Lösung für den Umgang mit generativer KI

“If we value books, music, images and stories, then we must protect the people who create them”, sagte EU-Kommissar Glenn Micallef bei der Eröffnung der Buchmesse in der Woche zuvor. Was in Frankfurt bereits begonnen hatte, wurde in Berlin aufgegriffen und weitergedacht. So standen am vergangenen Mittwoch auch der Umgang mit generativer KI und deren Auswirkung auf die Urheber:innen sowie auf Buch- und Kulturbranche im Allgemeinen im Mittelpunkt der Diskussion. Für den Anlass extra angereist war Renate Nikolay (Generaldirektion Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien, Europäische Kommission). Die bekennende Buch- und Buchmessen-Begeisterte eröffnete den Abend mit der Frage, was generative KI können und dürfen solle. Ihr Standpunkt: Europa stehe für Innovation UND Kreativität – die Chancen von KI sollten genutzt, gleichzeitig aber auch die Risiken für Kreative minimiert werden.

Auch Sebastian Guggolz (Börsenverein) griff das Thema in seiner Begrüßung auf und unterstrich die Wichtigkeit einer gemeinsamen europäischen Lösung der Problematik. “Genau dieses Thema, also KI und Urheberrecht, das treibt uns als Branche massiv um. Wirtschaftlich, urheberrechtlich, moralisch, existenziell; ein Thema bei dem wir, so sieht es aus, keine andere Wahl haben, als auf Brüssel zu setzen”, so Guggolz.

KI-Regulierung: Dringender Handlungsbedarf

Das erste Panel, moderiert von Michael Duderstädt (GEMA), beschäftigte sich mit der Frage, welche Lücken in der KI-Regulierung geschlossen werden müssen. Es diskutierten Dr. Christian Meyer-Seitz (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz), Sven Lehmann (MdB, Bündnis 90/Die Grünen), Carina Mathern (Penguin Random House Verlagsgruppe) und Renate Nikolay. Klagen, wie die von Penguin Random House gegen OpenAI, könnten, so Carina Mathern, vor allem dazu beitragen, Aufmerksamkeit zu schaffen, nicht aber die bestehenden Probleme lösen. Christian Meyer-Seitz fand am letzten Tag seiner Amtszeit nochmal deutliche Worte zur Schutzwürdigkeit kreativer Leistung: Er begrüßte die bisher angestoßenen Klagen; KI als effektive Plagiatsmaschine müsse allerdings strikter durch die Politik reguliert werden, um den Schutz geistigen Eigentums zu garantieren. 

Einigkeit des Podiums bestand auch darin, Innovation und die Einhaltung des Urheberrechts nicht gegeneinander auszuspielen. Beides müsse Hand in Hand gehen. Diskutiert wurde das Thema auch aus der Perspektive der Konsument:innen, die vor allem Sven Lehman beleuchtete und betonte, dass Leser:innen wissen wollten, ob und wieviel KI in einem Buch stecke. Im Zuge dessen verwies Carina Mathern auf das Label “Von Menschen geschrieben, gestaltet, geprüft“: eine Initiative von 18 Kinder- und Jugendbuchverlagen, die das Siegel seit Kurzem nutzen, um mehr Vertrauen und Sicherheit zu geben. 

Ein zuversichtlicher Ausblick der Diskussion war, dass Europa trotz der rasanten Entwicklungen und der manifesten Gefahren nicht schutzlos ist: Die KI-Verordnung ist bereits stufenweise seit August 2024 in Kraft getreten – die weltweit erste ihrer Art. Sie sei ein Schritt in die richtige Richtung, weitere müssten folgen. Die Mitgliedstaaten seien gut beraten, hier auch deutliche Forderungen im Sinne der Urheber:innen und der Kultur- und Kreativwirtschaft zu stellen, so Renate Nikolay. Sie hob, in die Zukunft blickend, das Arbeitsprogramm zu KI und Urheberrecht hervor, das im Sommer 2027 vorgestellt werde, und deutete diesbezüglich die Zusammenarbeit mit EU-Kommissar Glenn Micallef an. Der Frankfurter Appell der Verlage wurde vor diesem Hintergrund noch einmal bekräftigt.
 

Literatur, die keine Grenzen kennt

Für das zweite Panel “Rückblick auf die Frankfurter Buchmesse 2026 und den Ehrengast Tschechien – Ein Land an der Küste“ moderierte Barbara Gessler (Europäische Kommission in Deutschland) das Gespräch zwischen Dora Kaprálová (Autorin) und Joachim Kaufmann (Frankfurter Buchmesse). Kaprálová teilte ihre Erfahrungen als Teil der Delegation der über 70 tschechischen Autor:innen und Illustrator:innen, die auf der Buchmesse vertreten waren, und blickte zurück auf den literarischen Auftritt des Ehrengasts Tschechien. Dieser sei nicht nur literarisch, sondern direkt mit der Eröffnung auch sehr politisch gewesen. Sie sprach zudem über die grenzüberschreitende Kraft der Literatur, die das Konstrukt von Nationen auflöse und Ländergrenzen überwinde. 

Joachim Kaufmann hob zwei zentrale Aspekte der Frankfurter Buchmesse hervor: Die Buchmesse als zentraler Ort für Rechtehandel und den persönlichen und politischen Austausch der internationalen Buchwelt; und die Buchmesse als Festival, das Lust am Buch und am Lesen verströmen soll. An das erste Podium anknüpfend, betonte er, dass Europa weltweit für eine aufregende und große Verlagsvielfalt stehe und den weltgrößten Buchverlagskonzern beherberge – während die führenden KI-Unternehmen überwiegend in den USA säßen.

Den Abschluss des Gesprächs bildete eine Lesung von Dora Kaprálová aus ihrem bei mikrotext erschienenen und von Nataša von Kopp übersetzten Roman Die Mariborhypnose, für den sie in diesem Jahr mit dem European Union Prize for Literature (EUPL) und dem Magnesia Litera ausgezeichnet wurde. Die Autorin las sowohl auf Tschechisch als auch auf Deutsch aus der Sicht der Stubenfliege vor, und machte umgehend Lust auf mehr (Aktuelle Übersetzungen aus dem Tschechischen).

Das Schlusswort hatte Katharina Uppenbrink (Initiative Urheberrecht), die die positiven Entwicklungen in Brüssel begrüßte und besonders unterstrich, dass die Buchbranche mit all ihren Akteur:innen für den Erhalt kultureller Vielfalt und Demokratie stehe – wodurch ein besonderer Schutz vor den Gefahren von KI und ein größeres Engagement seitens Politik unerlässlich sei.

Im Anschluss wurde die Diskussion im Rahmen des Empfangs lebhaft ausgeweitet und bis spät in den Abend hinein weitergeführt.

Von: Paula Fischer, Praktikantin im Berliner Büro des Börsenvereins