Recherche-Projekt von Peter Laudenbach

Übergriffe auf die Kunstfreiheit

24. Februar 2021
von Börsenblatt

Der Journalist Peter Laudenbach ("Süddeutsche Zeitung", "brand eins", "taz") arbeitet in Kooperation mit dem Kulturbündnis "Die Vielen" an einer Chronik ideologisch motivierter Übergriffe auf die Kunstfreiheit. Nun fordert er auch Verlage und Buchhandlungen dazu auf, entsprechende Vorfälle zu dokumentieren. Die IG Meinungsfreiheit unterstützt das Projekt.

Vandalismus bei der Buchhandlung Leporello in Berlin-Rudow

Peter Laudenbach dokumentiert Übergriffe auf Kultureinrichtungen und -veranstaltungen, die insbesondere durch Rechtsextremisten und -populisten, aber auch durch Verschwörungsideologen, religiöse Fundamentalisten oder Vertreter einer überschießenden, falsch verstandenen politischen Korrektheit begangen werden.

Eine erste Fassung der Chronik ist 2019 in der SZ erschienen. Sie wird fortgesetzt, mindestens bis Jahresende. Eine Veröffentlichung ist im Herbst geplant. Die Interessengruppe (IG) Meinungsfreiheit des Börsenvereins unterstützt die Aktion.

Lag in der ersten Chronik ein Schwerpunkt bei Übergriffen auf Theater, sollen jetzt alle Kunst-Genres erfasst werden, insbesondere auch ideologisch motivierte Übergriffe, Bedrohungen, Einschüchterungsversuche, Sachbeschädigungen, Störung oder Verhinderung von Veranstaltungen etc. gegenüber Buchhandlungen, Literaturhäusern, Autorinnen und Autoren, Lesebühnen, Verlagen und anderen Institutionen des literarischen Lebens.  

Dafür ist der Journalist auf Meldungen der Betroffenen angewiesen. Er bittet Personen um ihre Hilfe, wenn sie solche Übergriffe erlebt haben oder davon wissen. Eine kurze Mail an die dafür eingerichtete Meldeadresse: Kunstfreiheit@dievielen.de genügt.

Ort, Monat, kurze Beschreibung des Vorfalls reichen – am besten mit einer Mailadresse für etwaige Nachfragen. Jeder Vorfall (seit 2017) ist wichtig, trägt zum Gesamtbild bei und sollte dokumentiert werden. Bei  Fragen im Zusammenhang mit der Chronik ist der Journalist ebenfalls unter dieser Adresse erreichbar.

Es hilft der Recherche, wenn diese Bitte auch bei anderen Institutionen des kulturellen Lebens bekannt gemacht wird..

Zum Gesamtbild gehört die Kulturpolitik. Die Chronik dokumentiert entsprechende (offzielle und belegbare) Äußerungen von Mandatsträgern, etwa in Landtagen, Stadt- und Gemeinderäte. Das betrifft zum Beispiel Forderungen und Anträge, aus ideologischen Motiven bestimmten Kulturprojekten oder Institutionen die Mittel zu kürzen oder bestimmte Veranstaltungen, Aktivitäten und Äußerungen zu untersagen. Auch hier ist die Recherche auf Meldungen der Betroffenen angewiesen: Orte, Monat, Vorfall.

Alle Angaben werden vor der Veröffentlichung überprüft, etwa durch einen Abgleich mit Pressearchiven, Protokollen von Parlamentssitzungen etc.

Das Format der Chronik bedeutet: Nüchterne Dokumentation der Vorfälle. Das sollte jede/n einzelne/n Betroffene/n davor schützen, sich exponieren zu müssen: Sie sind eine/r von Hunderten. Es geht weder um Helden- noch um Opfer-Geschichten. Es geht darum, zu dokumentieren, was seit Jahren in diesem Land geschieht.