Debatte um die Buchpreisbindung
Vorstand des Börsenvereins fordert Gesetzesnovelle
26. November 2020
Klartext vom höchsten Gremium des Börsenvereins: Der Sinn des Gesetzes über die Preisbindung für Bücher werde von der Branche "nicht mehr gelebt", beklagt das Vorstandsmitglied Annerose Beurich (Buchhandlung stories!, Hamburg) im Interview. Sie und der ganze Vorstand fordern die Branche zur Rettung der Preisbindung auf. Das Hauptamt des Börsenvereins wird aufgerufen "den eingeschlagenen Kurs zur Sicherung der Buchpreisbindung weiter zu verfolgen".
Nach meinem Verständnis geht es allerdings nicht um einen Schutz der BSe, sondern fußt auf deren klassischen Funktionsrabatt, wie das früher hieß. Der lag (oder liegt) üblicherweise 15 % über dem Grundrabatt des Verlages. Wenn man dort die Obergrenze zieht, heißt das implizit, dass es keine höhere Rabattspreizung als 15 % geben kann. Das finde ich einen sehr eleganten Weg, einen Korridor zu definieren, ohne eine konkrete Zahl zu nennen, z.B. 50 %. Was vom Gesetzgeber nicht erwünscht war und auch nicht zielführend wäre angesichts der unterschiedlichen Konditionengefüge z.B. von Fachbuch und Publikumsmarkt. Jeder Verlag legt also selbst fest, wo genau sich dieser Korridor befindet, aber der Unterschied zwischen Minimal- und Maximalrabatt ist immer gleich begrenzt.
So betrachtet ist die Koppelung an die BS-Rabatte eine logische und sehr einleuchtende Sache.
Abgesehen davon sind die Barsortimente nicht einfach irgendwelche Marktteilnehmer, sondern sie stellen eine Grundlage unseres Geschäftsmodells dar. Übernachtlieferung, Bündelung und diverse Services wie Webshops, Bücherwagen etc sind absolut unverzichtbar für das Sortiment. Dies zu erhalten und wirtschaftlich darstellbar zu machen, ist für die Branche eine Voraussetzung für ihr Funktionieren. Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir drei Barsortimente behalten, die mit ihren Leistungen im Wettbewerb stehen.
Dass unser Geschäft nicht in jedem Einzelfall rentabel ist, liegt in der Natur der Ware, mit der wir umgehen. Wenn uns die Inhalte von Büchern etwas Wert sind und wir die Vielfalt erhalten wollen, heißt das auch, jenseits vom reinem Blick auf das Rentable zu arbeiten. Das kann nur funktionieren mit einer gewissen Regulierung, die Mischkalkulationen an vielen Stellen ermöglicht. Nur wenn alle Teile der Branche auch die Notwendigkeiten der anderen Teile im Blick behalten, kann das ganze System funktionieren.
und . . . ohne die von der logistischen Innovationskraft der Barsortimente unterstützten Einkaufsgenossenschaften und Einkaufsverbünde würden den Verlagen sicherlich heute schon viele Kunden fehlen; wie auch dem Börsenverein viele Beitragszahler.