Verlage und Buchhandlungen sind von jeher beides – Wirtschafts- und Kulturbranche. Damit kamen ihnen in der Gesellschaft schon immer eine besondere Rolle zu: Sie stellen unterschiedliche Weltsichten nebeneinander, ohne vorzugeben, welche davon die richtige ist. Redaktionen tun im Kern dasselbe: Sie prüfen Quellen, holen Gegenpositionen ein, bilden ab, was in einer Gesellschaft gedacht und gesagt wird. Beide Branchen bilden die Basis für Orientierung. Fällt diese Basis weg, verlieren wir Menschen nicht nur Informationen, sondern die Fähigkeit, uns selbst zu verorten, zu hinterfragen, unseren eigenen Standpunkt in einer immer komplexeren Welt selbst zu bestimmen.
Generative KI macht sich in einer Zeit, in der Geschwindigkeit oft alles ist, die wunde Stelle dieses Systems zunutze: Sie erzeugt Texte, Bilder und Stimmen in Sekunden, oft scheinbar überzeugender als das, was ein Mensch in Stunden, gar in Tagen recherchieren und erstellen kann. "Flood the zone with shit" – nie war dies leichter als heute mittels bösartig eingesetzter generativer KI. Niemand steht dafür gerade. Kein Name, kein Verlag, keine Redaktion haftet für ein Wort, das eine Maschine erzeugt hat. Wenn Behauptung und Recherche im gleichen Tempo produziert werden, verschiebt sich etwas, das lange selbstverständlich schien: die Sorgfaltspflicht im Umgang mit dem, was veröffentlicht wird.