BOOKBYTES E-Commerce Fachtagung mediacampus frankfurt

Lieber an die Kund*innen denken

30. März 2021
von Sabine van Endert

Inspiration, Leuchttürme, Werkzeuge – am Freitag fand die erste, vom mediacampus frankfurt organisierte Digitale E-Commerce Fachtagung statt. 54 Teilnehmer*innen aus Buchhandel, Verlag und Logistik ließen sich auf Stand für das digitale Geschäft bringen. 

E-Commerce: Ein Päckchen wird aus einem Laptop heraus gereicht

So viel gibt es zu erzählen, über das Buch, die Autorin / den Autor, die Buchhandlung, den Verlag, das Team – wollen Kund*innen das alles wissen? Welche Informationen brauchen und wollen sie auf dem Weg zum Kauf-Button? Philipp Gärtner, Gründer des Start-ups Green Pioneers, das Lebens- und Nahrungsergänzungsmittel aus Hanf produziert und vertreibt, rät zur Zurückhaltung: Typische Fehler auf Produktseiten seien zu viele Informationen bei den Produktbeschreibungen. Sein kleiner Leitfaden zum ersten Online-Shop für Start-ups und Gründer*innen erklärte anschaulich die Buzzwords von Landing-Page über Customer Journey, Call-to-Action und Dankesseite und damit dem sogenannten Conversion-Pfad, den Nutzer*innen einer Webseite unternehmen – und den Shop-Betreiber*innen gut oder schlecht gestalten. Sein Tipp: „Schauen Sie ab! Sie müssen das Rad nicht neu erfinden, inspirieren Sie sich am Aufbau bekannter erfolgreicher Shops.“

Philipp Gärtner, Green Pioneers

Mit E-Commerce Probleme lösen

Inspirierende Beispiele lieferte Tobias Proksch, Geschäftsführer E-Commerce, IT und Marketing bei Osiander. „Den Fortschritt verdanken die Menschen den Unzufriedenen“ – das Zitat des britischen Schriftstellers Aldous Huxley stellte er seinen Best-Practice-Funden voran. Gorillas etwa liefert Lebensmittel zu Supermarktpreisen in Großstädten innerhalb von zehn Minuten, der Online-Supermarkt Picnic (Edeka-Gruppe) erhebt keine Lieferkosten und Flaschenpost.de verspricht in 120 Minuten nach Bestellung zu liefern und nimmt das Leergut gleich wieder mit. „Offensichtlich waren hier Leute sehr unzufrieden mit dem Einkauf im Supermarkt“, kommentierte Proksch seine E-Commerce-Beispiele aus dem Lebensmittelhandel. 

Bedeutungswandel

Die hessische Ministerin für digitale Strategie und Entwicklung, Kristina Sinemus, sprach in ihrem Grußwort u.a. vom Mobilfunkpakt und den Investitionen des Landes Hessens für den Breitbandausbau, der Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen bei der Digitalisierung und der Ausbildung zum Kaufmann / zur Kauffrau E-Commerce im Handel – „die bei Ihnen am mediacampus frankfurt angesiedelte Fortbildung Fachwirt:in im E-Commerce ist der richtige Weg“, lobte sie in diesem Zusammenhang. Das 30-Prozent-Plus für den Online-Handel gelte es „über das Corona-Momentum hinaus“ zu nutzen, so Sinemus - wobei für 28 Prozent der Kund*innen beim Einkauf das Anfassen der Ware eine bedeutende Rolle spiele. 

Kristina Sinemus, Hessische Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung

Praxischeck

Zumindest im Fachbuchhandel spielt das Anfassen keine große Rolle mehr – nur noch zwei Prozent vom Umsatz werde in den Läden generiert, erklärte Philipp Neie, Geschäftsführer Schweitzer Fachinformationen, der E-Book-Anteil habe sich im vergangenen Jahr verdoppelt. Im Zeitschriftengeschäft mit Bibliotheken sei der digitale Anteil „in die Nähe von 100 Prozent gerückt“.

Thalia habe im Lockdown 15 Prozent vom Umsatz über Abholung in der Filiale realisiert, sagte Hendrik Müller, Director Business Development bei Thalia. Vor fünf Jahren hätte wohl kein E-Commerce-Experte geglaubt, dass man eine Filiale für die Abholung im Netz bestellter Waren gut brauchen kann. „Das Beständige, also die Filiale, ist für unsere Kunden wichtig“, weiß Müller heute. Fazit: Stationär bleibt wichtig, auch wenn in der Krise viele neue E-Commerce-Kund*innen gewonnen werden. Müller: „Rein auf nicht-digitale Konzepte zu setzen, ist existenzgefährdend.“

Für alle neuen Produkte spiele E-Commerce eine Hauptrolle, so Katja Splichal, Leitung Vertriebsbereich Produktion, bei Eugen Ulmer. Die Zielgruppen sind spitz, die Vertriebsansprache dementsprechend individuell. „Die Vertriebskanäle müssen schon bei der Produktkonzeption mitgedacht werden“, sagt sie. Der Publikumsbereich mache bei Ulmer gerade mal 20 Prozent aus – doch im Corona-Jahr habe der Handel den Hauptumsatz eingefahren. Splichal: „Das hat uns gezeigt, dass wir gut daran tun, breit aufgestellt zu sein.“

Praxis mal drei

  • Bedürfnisse und „Pain Points“ ermitteln - und durch intelligente Services befriedigen. In der Praxissession mit Hermann Eckel, Geschäftsleiter von Tolino Media und Sprecher der IG Digital im Börsenverein, lernten die Teilnehmer*innen, wie mit den Tools „Business Model Canvas“ und „Value Proposition Canvas“ die Entwicklung solcher Services kennenlernen.
  • Wie kleinere Handelsunternehmen mit Instagram digitale Sichtbarkeit generieren können, erklärte Svenya Scholl, Projektreferentin Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum.
  • Uwe Wetterau, Senior Managing Consultant - Strategy & Change, T-Systems Multimedia Solutions, führte in die Facetten und Geheimnisse des agilen Arbeitens ein - mit Unterstützung des Web-Tools SAFE Agile Frameworks.  

E-Commerce-Fortbildung mediacampus frankfurt

 

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