BOOKBYTES: Förderprogramm CONTENTshift

Wie Start-ups in der Buchbranche Fuß fassen

18. März 2021
von Börsenblatt

Mit dem CONTENTshift-Accelerator will die Börsenvereinsgruppe Innovationen in die Branche holen – und Start-ups mit Verlagen und Buchhandlungen vernetzen. Gelingt das? Erfahrungen der Vorjahressieger SciFlow und QualiFiction, gesammelt von Carolin Dau.

Handy mit CONTENTshift-Informationen

Förderprogramm für Start-ups: Der CONTENTshift-Accelerator auf Instagram

Seit Anfang März laufen die Vorbereitungen für den CONTENT­shift-Accelerator 2021 auf Hochtouren, denn die Bewerbungsphase für das drei­monatige Förderprogramm der Börsenvereinsgruppe hat begonnen. Bis zum 1. Mai haben Unternehmer*innen aus dem In- und Ausland die Chance, ihre Start-up-Idee aus der Buch- und Content­branche einzureichen. Eine spannende Zeit für die Jury, die viele innovative Geschäftsideen sichtet und der unter anderen Sabine Haag (Wiley-VCH) und Stephan Dietrich (Junfermann) angehören.

Fünf Start-ups schaffen den Sprung in das Förderprogramm, in dem die Grün­der*innen umfassend gecoacht und von Expert*innen beraten werden. Das lohnt sich für die jungen Unternehmen: Aus dem Accelerator-Programm gingen bereits zahlreiche Kooperationen hervor.  

Das kann Gründer Carsten Borchert bestätigen, der mit SciFlow den Wettbewerb 2020 gewann (mehr dazu hier). Auch wenn Coaching-Phase und Preisverleihung unter Corona-Bedingungen stattfinden mussten, konnte er sich im Rahmen des Mentorings mit der Branche vernetzen und nachhaltige Kooperationen knüpfen: "Beim Workshop-Wochenende erhält man relevante Tipps und Kontakte von erfahrenen Jurymitgliedern, Mentor*in­nen und Investor*innen, die uns enorm weitergebracht haben. Wo sonst kann man seine Geschäftsidee mit dem Who’s who der Branche diskutieren?"

Porträtfoto Carsten Borchert

Carsten Borchert

Wo sonst kann man seine Geschäftsidee mit dem Who’s who der Branche diskutieren?

Carsten Borchert, SciFlow

Hinter der Geschäftsidee von SciFlow verbirgt sich ein kollaborativer Onlinetexteditor für Forschende und Studierende, mit dem sich wissenschaftliche Texte erstellen, im Team bearbeiten und formatieren lassen. Dadurch kann das Schreiben und Publizieren von Abschluss­arbeiten, Dissertationen und Forschungsartikeln vereinfacht werden. "Wir hatten bereits ein etabliertes Produkt, aber im Austausch mit den Mentor*innen konnten wir an neuen Projektansätzen arbeiten, die sich direkt an Verlage richten", erklärt Borchert. Das Ergebnis: Kooperatio­nen mit Partnern wie Lehmanns Media, Duden Verlag sowie Books on Demand.

Die Idee hinter CONTENTshift: Start-ups, Expert*innen und Investor*innen aus der Branche zusammenzuführen und gemeinsam die digitalen Innovationen rund um das Buch voranzutreiben. Wird das Programm dem Anspruch gerecht?

"Auf jeden Fall", so Gesa Schöning von QualiFiction, dem Gewinner-Start-up 2019 (hier ein Video von der Preisverleihung). Auf Basis von künstlicher Intelligenz analysiert ihr Unternehmen Texte auf Inhalt, Stil und Markttauglichkeit und hilft Verlagen wie Autor*innen so, automatisiert belletristische Texte einzuordnen, Metadaten anzureichern und Prognosen zum Verkaufserfolg abzugeben.

"Wir waren damals nicht komplett neu in der Branche, hatten schon Kontakte geknüpft. Aber durch Gespräche mit der CONTENTshift-Jury konnten wir selbst noch mal einen Shift mit unserem Unternehmen machen", berichtet Schöning. "Wir haben diskutiert, in welche Richtungen wir unsere Software öffnen können. Da ging es auch schnell um gemeinschaftliche Ansätze und die Frage: Welche Probleme können wir zusammen lösen?"

In dieser Phase entstand auch die Partnerschaft mit Technologie- und Informa­tionsanbieter MVB: "Gemeinsam haben wir gerade den Browser zu den Lesemotiven gelauncht, dem neuen Klassifizierungsstandard für Bücher", so Schöning.

Porträtfoto Gesa Schöning und Ralf Winkler

Die Gesichter hinter QualiFiction: Gesa Schöning und Ralf Winkler

Durch die Gespräche mit der CONTENTshift-Jury konnten wir selbst nochmal einen Shift mit unserem Unternehmen machen.

Gesa Schöning, QualiFiction

Die Idee hinter den Lesemotiven: Die bewusste Ansprache unbewusster Kundenbedürfnisse sorgt für mehr Orientierung im Bücher-dschungel und schafft so zusätzliche Kauf­impulse. QualiFiction hat die aktuellen Marktforschungsergebnisse auf neurowissenschaftlicher Basis genutzt, um eine KI zu entwickeln, die Bücher dem passenden Lesemotiv zuordnet. Gemeinsam mit MVB soll dieser neue Standard nun über das Verzeichnis Lieferbarer Bücher flächendeckend zum Einsatz kommen.

"Es ist einfach schön zu sehen, dass die Aufgeschlossenheit der Branche in Sachen digitaler Innovation steigt und man gemeinsam an Lösungsan­sätzen arbeiten kann", meint Schöning: "Der CONTENTshift-Accelerator leistet da einen wesentlichen Beitrag." Bis zum 1. Mai können sich Start-ups bewerben: www.anmeldung.contentshift.de.