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"Besser, ich schreibe meine Biografie selbst"

29. Oktober 2026
TONI HECHT

Bewegend, klug, unterhaltsam: Gisela Stelly Augstein erzählt von ihrem Leben zwischen Journalismus, Film und Literatur – und von ihrer Begegnung mit Rudolf Augstein, mit dem sie über 20 Jahre verheiratet war.

Im April 2025 schnappt Gisela Stelly Augstein auf einer Party das Gespräch zweier Journalisten auf. Einer von ihnen plant eine Biografie über die "viereinhalb Ehefrauen von Rudolf Augstein". Für die Autorin, vierte Ehefrau des legendären "Spiegel"-Herausgebers, steht in dem Moment fest: "Besser, ich schreibe meine Biografie selbst." Am 9. November 2026 erscheint ihre gleichnamige Autobiografie im Westend Verlag. 

Cover Gisela Stelly Augstein: „Besser, ich schreibe meine Biografie selbst.“

Facettenreiches Porträt einer Epoche

Ihr Buch ist das lebendige Protokoll einer Zeugin bundesdeutscher Zeitgeschichte. Erzählerisch souverän blickt Gisela Stelly Augstein mitten hinein in die politischen, intellektuellen und kulturellen Szenarien der Republik. Helmut Schmidt, Willy Brandt, Rudi Dutschke, Martin Kippenberger und viele andere kreuzten ihren Weg. So entsteht ein facettenreiches Bild einer Epoche – und der Menschen, die sie geprägt haben. 

Der frühe Wunsch nach Unabhängigkeit

Dass Stelly Augstein die Welt der deutschen Elite so meisterhaft zu porträtieren versteht, hängt auch mit ihrem eigenen Lebensweg zusammen. Ihr Buch ist das Porträt einer jungen unerschrockenen Frau, die der Enge und Strenge des väterlichen Hauses früh entkommen will. Ihr Weg führt sie aus einem großbürgerlichen Berliner Elternhaus – der Vater war Seidenfabrikant – direkt in die Zentren des deutschen Journalismus und Filmschaffens. 

Eines wollte sie schon als junges Mädchen: sich unabhängig machen, auch gegen den Willen des Vaters. Sie finanziert ihr Studium der Soziologie und Psychologie unter anderem durch das Modeln – mit dem klaren Ziel, den Fokus ihres Lebens uneingeschränkt auf die akademische Ausbildung und ihre Arbeit als Journalistin zu richten. 

Gisela Stelly Augstein

Gisela Stelly Augstein 

Eine Begegnung mit Folgen

Doch dann begegnet sie im Fahrstuhl des ZEIT-Gebäudes Rudolf Augstein – und "in der Kabine knistert es, obwohl kein einziges Wort fällt". Die zufällige Begegnung hat weitreichende Folgen. Durch ihre Nähe zu Augstein erhält sie schnell direkten Einblick in die maßgeblichen Kreise des deutschen Medien- und Politikbetriebs. Es ist ein glänzender Kosmos, von dem sie mit bestechend genauem Blick berichtet – dokumentarisch fundiert und mit einer einnehmenden Leichtfüßigkeit. Erzählerisch verbindet sie die gesellschaftlichen Kulissen mit ihren großen privaten Zäsuren: dem Tod des Vaters, der Geburt ihres Sohnes, ihren Buch- und Filmprojekten.  

Ein Leben in schnellen Schnitten

Fast liest sich das Buch wie eine filmische Montage. Das Inhaltsverzeichnis führt durch die Stationen ihres Lebens: "Von Berlin nach Hamburg", "Vom Journalismus zum Dokumentarfilm" und schließlich "Vom Spielfilm zum Roman". Es zeigt die Vielseitigkeit eines beruflichen Weges, der Gisela Stelly Augstein schließlich bis zur Literatur führte. Wie ungewöhnlich dieser Weg für eine Frau ihrer Generation war, wird in beiläufig eingestreuten Bemerkungen deutlich: Sie erzählen von Herablassung, Neid und den Hürden, die Frauen in einer männerdominierten Medienwelt überwinden mussten. Gisela Stelly Augstein hat sich in dieser Welt eindrucksvoll behauptet – nicht wegen, sondern trotz ihrer Ehe mit Rudolf Augstein.

Ein ungemein unterhaltsames Lesevergnügen

Bei aller analytischen Schärfe ist "Besser, ich schreibe meine Biografie selbst" vor allem ein Lesevergnügen. Mit feiner Ironie beobachtet Stelly Augstein die Medien- und Kulturszene und wirft mit ihrer Biografie einen ebenso aufschlussreichen wie amüsanten Blick hinter die Kulissen der alten Bundesrepublik – und macht Mut, den eigenen Weg zu gehen, auch gegen Widerstände.

 

Besser, ich schreibe meine Biografie selbst
Gisela Stelly Augstein
24,00 € (DE)
ISBN 978-3-98791-389-1
256 Seiten
ET: 09.11.2026
Westend 

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