Nach Abschluss der Sanierung, die von Juni bis Dezember 2025 lief und circa 500.000 Euro kostete, übergibt die Hermann Reemtsma Stiftung den Pavillon in der Rothenbaumchaussee 100 wieder an die Stiftung Denkmalpflege Hamburg, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung (7. Januar). Die Buchhandlung Stolterfoht setzt den Betrieb am historischen Ort fort. Das kleine Ladengeschäft wurde 1949 vom bekannten Architekten Werner Kallmorgen (1902–1979) für die Buchhändlerin Greta Stolterfoht (1897–1971) errichtet. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Entgegen aller Trends und Veränderungen habe sich die Bücherstube durch den Einsatz des Betreibers Frank Bartling und einen Kreis treuer Kunden und Unterstützer im Originalzustand und in ihrer ursprünglichen Funktion erhalten.
Nach 76 Jahren waren umfassende bauliche Maßnahmen notwendig, um diesen Lieblingsort vieler Hamburgerinnen und Hamburger zu bewahren. Die Arbeiten starteten im Juni 2025 und dauerten sieben Monate, währenddessen ging der Buchverkauf in einem benachbarten Container nahtlos weiter. Die Bücherstube Stolterfoht sei nicht nur ein architektonisches Schatzkästchen, sondern auch ein lebendiges Literaturdenkmal: "Denn so bescheiden dieser Pavillon mit seinen gerade mal 44 Quadratmetern Nutzfläche auch ist, symbolisiert er doch wie kein anderer Ort in Hamburg den Neuanfang, nachdem 12 Jahre Diktatur die Menschen innerlich regelrecht entstellt hatten. Die Bücherstube Stolterfoht gab den jungen Schriftstellern und Lesern Helmut Heißenbüttel, Peter Härtling und vielen anderen Hoffnung", wird Jan Bürger, Literaturwissenschaftler und Schriftsteller, in der Mitteilung zitiert.
Werner Kallmorgen war ein prägender Architekt der Hamburger Nachkriegsmoderne. Zu seinen bedeutenden Bauten gehören der Wiederaufbau des Thalia Theaters, die Siedlung Groß Borstel, der Kaispeicher A (heute Teil der Elbphilharmonie), das Spiegel- und IBM-Hochhaus sowie das Ernst Barlach Haus. Mit der Bücherstube Stolterfoht schuf Kallmorgen ein architektonisches Kleinod: "Nichts fehlt an diesem Gebäude, nichts ist zu viel, ein Gebrauchsgegenstand von vollendeten Proportionen – und, wenngleich recht klein und somit das Sortiment beschränkend, funktionstüchtig bis heute. Die Zier: Bescheidenheit", sagte der Architekturkritiker Manfred Sack.