Gelungene Übernahme in Stuttgart

"Die Buchhandlung muss erhalten bleiben!"

19. Februar 2026
Jürgen Brand

Mit einer Crowdfunding-Kampagne halfen Menschen in Stuttgart, die Übernahme der Ostend-Buchhandlung durch neue Inhaberinnen zu ermöglichen. 

Andrea Heidel und Nina Schweikert

Neue Inhaberinnen: Andrea Heidel und Nina Schweikert

"Man fühlt sich richtig geliebt." Nina Schweikert sagt das mitten in "ihrer" Ost­end-Buchhandlung, die Rührung ist ihr anzumerken. Innerhalb kürzester Zeit haben 280 Menschen aus dem Stuttgarter Osten knapp 27.000 Euro in eine Crowdfunding-Kampagne eingezahlt. Damit haben sie Nina Schweikert und ihrer Freundin und Geschäftspartnerin Andrea Heidel das Startkapital zur Verfügung gestellt, damit sie die Ostend-Buchhandlung übernehmen können. 

Unterschätzter Stadtbezirk

Die Ostend-Buchhandlung im Stutt­garter Innenstadt-Bezirk Stuttgart-­Ost gibt es seit 33 Jahren. Der Stadtbezirk hat rund 48.000 Einwohner, ist Sitz des SWR und des Staatsministeriums. Er gilt eigentlich als klassischer Arbeiterstadtbezirk; das Stadtzentrum mit etlichen großen Filialen von Hugendubel und Thalia ist – egal ob mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln – in zehn bis 15 Minuten erreichbar. Mit dem Auto kann es auch mal länger dauern. 

Vor 33 Jahren haben Ulrich Schlote und seine Schwester Katrin Schlote-Korthals ihren Buchladen in dem einst nicht unbedingt als lesefreudig bekannten Stadtbezirk eröffnet. Eine Unternehmensberaterin hatte damals abgeraten, und eine belesene Pfarrersgattin soll gesagt haben: "In Ostheim lesen sie doch keine Bücher!" Beide haben sich geirrt. Leicht war es zwar nicht, aber die Geschwister haben es geschafft. ­Offenbar wird im Stuttgarter Osten doch gelesen. 

Zum Jahreswechsel sind die Schlotes in den Ruhestand gegangen. Er hört mit 85 ganz auf, seine jüngere Schwester wird noch ab und zu im Laden die Leserinnen und Leser beraten. 

Nina Schweikert hat vor mehr als 25 Jahren ihre Ausbildung bei den beiden gemacht und war die erste Auszubildende, die übernommen werden konnte. Sie ist der Buchhandlung treu geblieben, demnächst gehört sie ihr, die Rahmenvereinbarung dafür hat sie Ende 2025 beim Notar unterschrieben. Davor musste sie aber erst einmal das notwendige Startkapital zusammenbekommen. Die vielen Tausend Bücher im Bestand, das Mo­biliar, die Technik, die Software musste sie übernehmen. 20.000 Euro ist dafür ein mehr als fairer Preis, aber dann doch eine ganze Menge Geld für eine Jungunternehmerin. Was dann bei der Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Startnext passierte, damit hatte keine der beiden Neu-Unternehmerinnen gerechnet.

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