Reiseliteratur

Gesucht: Titel mit Erlebniswert

30. April 2026
Margit Lesemann

Durch die digitale Konkurrenz steht Reiseliteratur unter Druck. Viele Buchhandlungen halten dennoch bewusst daran fest – nicht allein aus wirtschaftlichen Gründen, sondern als Ausdruck ihrer Beratungskompetenz.

Reiseabteilung in der Buchhandlung Peterknecht in Erfurt

Reiseabteilung bei Peterknecht in Erfurt: "Neben dem Generieren von Umsätzen dient die Abteilung auch der Kundenbindung", weiß Peter Peterknecht.

"In unserem Haus ist die Reiseabteilung wichtig", sagt Peter Peterknecht, Inhaber der traditionsreichen Buchhandlung Peterknecht in Erfurt. Das Reisesegment liegt ihm sehr am Herzen, auch wenn die Nachfrage nach gedruckten Reiseführern zuletzt um elf Prozent gesunken ist. "Neben dem Generieren von Umsätzen dient die Abteilung auch der Kundenbindung." In seiner 750 Quadratmeter großen Buchhandlung präsentiert Peter Peterknecht Reiseführer, Karten, Bildbände und Reiseberichte auf 25 Regalmetern. "Wir führen eine große Auswahl, meist in jeweils einem oder maximal zwei Exemplaren. So können wir unseren Einkauf angemessen und effektiv gestalten." Wichtig seien Werbeaktionen, Aufsteller und Dekomaterial der Verlage. ­Kritisch sieht Peterknecht jedoch die Onlinestrategie mancher Verlage: "Leider verweisen Webseiten von Reiseverlagen Kaufinteressierte direkt an die Onlineshops der beiden größten deutschen Buchhandelsketten oder an Amazon."

Bücher als Inspirationsquellen

Auf ihre Reiseabteilung möchte auch Julia Hacker in Berlin nicht verzichten. In ihren jeweils knapp 80 Quadratmeter großen Läden – Hacker & Presting in Charlottenburg und der Akazienbuchhandlung in Schöneberg – hat sie je ein Regal mit Reiseliteratur bestückt. "Auch wenn wir keine große Auswahl präsentieren können, halten wir an der Abteilung fest, denn sie steht für unsere Beratungskompetenz und Sortimentsvielfalt. Wenn wir keine Reisebücher hätten, würde sie auch niemand mehr bei uns bestellen." Wer bei seiner Reiseplanung die ­gewünschte Destination nicht im Regal findet, komme eben am nächsten Tag noch mal vorbei, um den bestellten Titel abzuholen. So verbindet die Kiezbuchhandlung auf kleiner Fläche Beratung und schnelle Verfügbarkeit.

Klassische Reiseführer etwa von Marco Polo oder Baedeker seien heute trotz ihrer Aktualität weniger gefragt, beobachtet Hacker. Ein Grund dafür sei die restriktive Gepäckpolitik vieler Fluggesellschaften. Gefragt seien stattdessen Inspirationsformate wie die Bände der "SZ"-Edition Mein perfektes Wochenende zu Städten wie München, Wien und Hamburg. Bildbände wie "Wien wie es keiner kennt" (Midas) und "Charming Frankreich" (teNeues) weckten die Vorfreude auf die nächste Reise, so Hacker. Sie seien auch beliebte Geschenke, vor allem, wenn sie Reisen und Kulinarik verbinden wie "Il Gusto d’Italia" (Prestel) oder "Blutorangen. Eine Reise zu den Zitrusfrüchten Ita­liens" (Wagenbach). Das Reiseregal nutzt Julia Hacker zudem strategisch, um Sachbücher wie Thomas Steinfelds "Italien. Porträt eines fremden Landes" (Rowohlt Berlin) sichtbar zu machen. So wird die Abteilung zur Inspirationsfläche weit über den klassischen Reiseführer hinaus.

Mit Börsenblatt Plus ins Branchengeschehen eintauchen

Sie wollen diesen B+-Artikel weiterlesen?
Nutzen Sie unsere B+-Angebote ab 5 €/Monat:.

Mit B+ haben Sie Zugriff auf alle Plus-Artikel sowie auf das aktuelle E⁠-⁠Paper und das Heft-Archiv seit 2019.

Börsenvereinsmitglieder und Abonnierende des Print-Heftes können B+⁠-⁠Inhalte ohne zusätzliche Kosten nutzen. Mehr dazu hier.

Um B+ zu abonnieren/nutzen, müssen Sie sich bei Börsenblatt Online registrieren.