Lieferverzögerungen bei KNV Zeitfracht und Libri

Große Herausforderungen in Spitzenzeiten

15. Dezember 2020
von Christina Schulte

Hohe Volumina, kleinteilige Bestellungen, strenge Hygienemaßnahmen: Weihnachtsgeschäft und zweiter Lockdown verlangen den Barsortimenten viel ab.

KNV Zeitfracht Logistikzentrum in Erfurt

Heinz Joachim Schöttes, KNV-Sprecher

Auf Anfrage des Börsenblatts teilte KNV-Zeitfracht-Sprecher Heinz Joachim Schöttes mit, dass zurzeit ein deutlich erhöhtes Bestellaufkommen sowohl in Richtung Buchhandel als auch in Richtung Endkunden registriert werde, das zu einer hohen Entbündelung der Bestellungen führe. "Dadurch kommt es zu Verzögerungen in der Abarbeitung und auch in der Zustellung durch die KEP-Dienstleister (Kurier-Express-Paket)", sagte Schöttes. Gegenüber den Dienstleistern habe man die erhöhte Schlagzahl angekündigt und hoffe, dass sie die Volumina verarbeiten können.

In der Erfurter Logistik werde in drei Schichten und an sechs Tagen in der Woche gearbeitet, am vergangenen Sonntag habe man außerplanmäßige Schichten eingelegt. Um Durchlaufzeiten zu verkürzen, hat KNV Zeitfracht beispielsweise vom 11. bis 15. Dezember die Buchetiketten den Warensendungen nur beigelegt und sie nicht aufgeklebt. „Dadurch konnten wir viel mehr Sendungen bearbeiten und pünktlich ausliefern“, so der Unternehmenssprecher. Sicherheits- und Hygienemaßnahmen sollen dafür sorgen, dass die Lieferkette auch in den nächsten Wochen nicht abreißt. Bis zum Jahresende würden die Buchhandlungen wie üblich beliefert, über den Lieferrhythmus 2021 werde man die Kund*innen rechtzeitig informieren.

Die Logistik in Erfurt brummt, wie wirtschaftlich das ist, steht auf einem anderen Blatt: "Wir haben temporär ein hohes Volumen, aber auch sehr hohe Kosten durch die Einhaltung und Umsetzung der Corona-Maßnahmen", merkt Schöttes an.

Thorsten Simon, libri

Hohe Bevorratung in Bad Hersfeld

Auch bei Libri kann es "trotz aller Vorbereitungen in Spitzenzeiten zu unvorhergesehenen Verzögerungen kommen", so Unternehmenssprecher Thorsten Simon. Die Post und DHL würden ihrerseits auf mögliche längere Lieferzeiten aufmerksam machen. Das Barsortiment habe seine personellen Kapazitäten im Versand- und Endkundenservice ausgebaut und sich mit Titeln bevorratet. "Wir haben Kinder- und Jugendbücher sowie Artikel zur Kinderbeschäftigung in höheren Mengen bezogen, um die erwartete Nachfrage schnell bedienen zu können", erläutert Simon. Bei der Wiederbeschaffung von Titeln mit mittlerer Nachfrage könne es jedoch über einige Verlagsauslieferungen zu Verzögerungen können. Eine Nachlieferung von Titeln, die aktuell mit dem Meldeschlüssel 015 (fehlt kurzfristig am Lager) versehen seien, sei in vielen Fällen vor den Weihnachtsfeiertagen nicht mehr möglich.

Bis zum Ende des Jahres sollen die Buchhandlungen im normalen Rhythmus angefahren werden. Die Touren würden jedoch auf Grundlage der Erfahrungen aus dem ersten Lockdown angepasst, die Auslieferung könne spätestens bis 12 Uhr erfolgen. Bei Libri haben Personalausbau und Hygieneschutzmaßnahmen ebenfalls zu höheren Investitionen als im Vorjahr geführt. "Eine aussagekräftige, wirtschaftliche Bewertung des Lockdowns könne daher erst im Anschluss in einer Nachbetrachtung erfolgen", meint Simon.