MEINUNG: Ludwig Könemann zur Kritik an Michael Busch

Könemann: "Außer Amazon hat keiner wirklich gewonnen"

15. März 2021
von Börsenblatt

"Big Michael hat kräftig auf die Buschtrommel gehauen. Und damit hatte er grundsätzlich recht", meint der Verleger Ludwig Könemann (62). Außer Amazon habe in der Krise keiner gewonnen, auch nicht die unabhängigen Buchhandlungen. Er fordert Unterstützung für Michael Busch und vier Vorschläge für Veränderung.

Auch Thalia bot während des Lockdowns die Abholung von Büchern an. Allerdings war in den Fußgängerzonen, wo etliche Thalia-Filialen angesiedelt sind, die Kundenfrequenz gering

"Big Michael hat kräftig auf die Buschtrommel gehauen. Und damit hatte er grundsätzlich recht. Professionelle Redenschreiber, die es vielleicht geschickter und verträglicher formuliert hätten, wären nur weniger authentisch gewesen. In der Krise hat der Onlineriese ohne Leistung profitiert, er hat sogar die Leistung für das Buch gedrosselt. Die große Boulevardbuchhandlung hat mächtig gelitten. Und die kleine oder die mittlere Buchhandlung glaubt zumindest, profitiert zu haben. Auf einer Welle der Solidarität haben manche Kunden den umständlichen Weg der Abholung gewählt, wo es doch mit Internetbestellung deutlich einfacher gewesen wäre.

Solidarität hat von allen Elementen mit Strahlkraft die geringste Halbwertzeit. Außer Amazon hat keiner wirklich gewonnen und Amazon wird weiter gewinnen. Klammheimliche Freude über die Probleme bei den Ketten ist auch keine Zukunftsstrategie. Ohne den Boulevard keine Auflagen, ohne Auflagen keine Bücher. Und ohne Bücher auch keine Inhaber-geführten Buchhandlungen.

Die gute Nachricht: die Pandemie ist dank Impfstoff in 3-4 Monaten vorbei. Aber der Impfstoff für den Boulevard ist noch nicht entwickelt worden. Und den werden wir dringend brauchen. Der Boulevard muss attraktiver für den Kunden werden.

Was muss sich ändern:

  • Die Sortimentsvielfalt muss wieder hergestellt werden, eine Buchhandlung braucht mehr Sortimentsbreite und Sortimentstiefe. Buchhandlungen müssen wieder Stöberplätze werden.
  • Der Lagerbestand im Boulevard muss drastisch erhöht werden. Damit wird die Lagerumschlagsgeschwindigkeit drastisch gesenkt.
  • Dafür braucht der Buchhandel längere Ziele und einen deutlich höheren Rabatt. Die 50 % Rabattgrenze muss der Vergangenheit angehören.
  • Es braucht Aktionen für den stationären Buchhandel. Titel, die exklusiv vom Buchhandel gekauft werden.


In jedem Fall muss der Weg in die Innenstadt wieder attraktiv werden. Bücher sind dafür das beste Sortiment. Und exklusive Angebote im Handel sind die beste Überlebensstrategie.

Jetzt ist wieder Michael Busch gefragt. Diesmal mit genauso schonungsloser Kritik am alten Konzept und mit der Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Dazu braucht er Unterstützung, aber eben auch konstruktive Kritik aus dem Buchmarkt. Denn nur gemeinsam gehen wir gestärkt in die Zukunft.


PS. Ein erster kleiner Schritt: Ab sofort gibt es für alle Mitarbeiter des Buchhandels und der Buchverlage auf alle Titel von Könemann einen Kollegenrabatt von 50 % im Webshop. Rufen Sie uns an!"

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