Exakt mit dem 24. Februar wurde es bei uns still im Laden. Und auch nach 20 Tagen Krieg liegen die Umsätze weit hinter dem Vorjahr zurück. Das ist zu bedauern, natürlich hofft man, dass die Umsätze sich wieder erholen. Aber hofft man damit nicht auf einen Gewöhnungseffekt? Irgendwann ist die Realität des Krieges normal und die Menschen wenden sich wieder den schönen Dingen des Lebens zu. Darf man so denken?
Geht es einem selbst nicht vielmehr so, dass man seit dem 24. Februar paralysiert ist? Dass die kleinen Sorgen und Freuden des Alltags auf unter Null entwertet sind angesichts dessen, was die Menschen in der Ukraine gerade ertragen müssen? Ist es moralisch überhaupt vertretbar, angesichts des unermesslichen Leids unserer Nachbarn noch an Umsätze und Happy-Facebook-Postings zu denken? Kann man seine Wohnung schmücken, wenn vor der Haustür gestorben wird?
Und: Kann man tolle Romane lesen und empfehlen angesichts dessen, was uns noch bevorstehen wird? Mit steigenden Energiepreisen fängt es an, für uns spürbar zu werden, aber was kommt da noch? Arbeitslosigkeit? Eine neue Weltwirtschaftskrise? Neue Hungersnöte? Oder gar, man traut sich gar nicht, den Gedanken vom Hinterkopf ins Sprachzentrum zu holen: der dritte Weltkrieg?
Lesen und diskutieren Sie mit!
Die Kommentare sind nur für registrierte Benutzer sichtbar. Melden Sie sich an oder registrieren Sie sich, wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben.