Corona-Umzug des LeseZeichens

„Neue Buchhandlung und keiner darf sie sehen“

12. Januar 2021
von Kai-Uwe Vogt

Katrin Schmidt und Helen Hoff sind mit ihrer Buchhandlung LeseZeichen in Germering nach Weihnachten ungezogen. Mitten im Lockdown. Wie sie den Umzug unter verschärften Bedingungen gemeistert haben, verrät Katrin Schmidt im Interview.

Buchhändlerin Katrin Schmidt, Germering

Ein Buchhandelsumzug in Coronazeiten – das hört sich aufwendig an. Wo lagen die Hürden?
Da gab es einige! Alles war genau geplant und viele freiwillige Helfer hatten sich angekündigt – darunter auch einige Verlagsvertreter. Am. 6. Dezember wurden wir dann mit neuen Ausgangsbeschränkungen konfrontiert – jetzt durften die Freunde plötzlich nicht mehr dabei sein – freiwillige Hilfe ist kein dringender Grund zum Ausgehen. Also Umplanen. Hier vor Ort in Germering haben wir zum Glück noch kurzfristig ein gutes Umzugsunternehmen gefunden, was aber natürlich die Kosten in die Höhe getrieben hat. Tja, und dann die Herausforderung: Du schleppst 20.000 Bücher von A nach B und musst die ganze Zeit auf den Abstand achten, darfst keine gemeinsame Brotzeiten machen, arbeiten im Zweischicht-Dienst usw. So eine Aktion den ganzen Tag mit der Maske auf dem Gesicht, das ist ja auch kein Spaß! Außerdem hatte auch kein Baumarkt mehr geöffnet – irgendetwas fehlt ja dann immer noch - und auch unsere Handwerker sind zwischen den Jahren in die Ferien gegangen. Am verrücktesten ist aber diese Ungewissheit: Du ziehst in neue, frischrenovierte Räume mit funkelnagelneuen Möbeln und kein Kunde darf es sich ansehen – aktuell ist ja nur unser Paketshop geöffnet, den wir aber kontaktlos an der Ladentür abwickeln. Rein durfte noch niemand.

Hilfe gab es am Ende trotzdem – wie sah die genau aus?
Die Wasserwacht hat uns Sackkarren und richtig große Rollcontainer organisiert – mitanpacken durften sie selbst ja nicht – gerade für den Umzug von Ordnern und Nonbooks war das aber ein Traum. Wir konnten einfach die Straße runterollen, der alte Laden ist nur 200 Meter entfernt. Bei den Büchern haben die Libri-Wannen gute Dienste geleistet. Vielleicht muss man dazu sagen, dass wir immer zugunsten einer Sozialaktion puzzlen – beim ersten Mal für die Wasserwacht. Da sind Freundschaften entstanden.

Wie lange hat der Umzug denn gedauert?
Tatsächlich haben wir unsere Buchhandlung an einem Tag leergeräumt und den neuen Laden innerhalb von vier Tagen eingeräumt – der Aufbau der neuen Möbel hat auch noch einmal vier Tage in Anspruch genommen. Es ist aber unglaublich, was sich auf den letzten Metern noch in den Winkeln so findet – ich nenne es die Büchse der Pandora (lacht).

Was ist neu? Was bieten Sie am neuen Standort in der Unteren Bahnhofstraße?
Wir hatten bei der Eröffnung unserer Buchhandlung am ehemaligen Standort die Ladenbau-Regale in den 90er übernommen – die waren nicht unbedingt auf moderne Buchhandelsbedürfnisse zugeschnitten: Zu tiefe Fächer, keine Frontalpräsentation möglich. Jetzt ist das alles anders. Außerdem haben Helen Hoff und ich schon seit vielen Jahren von einer Cafébar in unserer Buchhandlung geträumt – der alter Vermieter hat das aber nie erlaubt und der neue Vermieter des alten Ladens hätte es zwar erlaubt, aber es war klar, dass das Gebäude abgerissen wird und wir umziehen müssen, darum hätte sich die Investition nicht gelohnt. Aber jetzt freuen wir uns umso mehr gleich am Eingangsbereich einen knapp neun Quadratmeter großen Cafébereich mit kleiner Theke anbieten zu können. Wir sind ja ganz nah an der S-Bahn-Haltestelle – da kommt bestimmt mancher noch auf einen Kaffee vorbei.

Worauf freuen Sie sich in 2021?
Ich freue mich, wenn die Kundinnen und Kunden endlich reinkommen dürfen! Wir sind jetzt in Lauflage zur Innenstadt –  da „luren“ schon manche neugierig durchs Fenster! Ein Jahr lang haben wir überlegt und an den Plänen gearbeitet – jetzt sind natürlich total gespannt, wie das Konzept ankommt!

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