Deutscher Buchhandlungspreis

Offener Brief an Wolfram Weimer

9. März 2026
Redaktion Börsenblatt

Dennis Hasemann, Inhaber von Schmitz. die Buchhandlung in Essen, nimmt den Deutschen Buchhandlungspreis nicht an. In einem offenen Brief kritisiert er den nachträglichen Eingriff des Staatsministeriums in das Juryvotum.

Dennis Hasemann in seiner Buchhandlung

Dennis Hasemann

In seinem offenen Brief schreibt Dennis Hasemann:

"Herr Staatsminister Weimer,

als ich erfahren habe, dass meine Buchhandlungen mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet werden sollen, habe ich mich darüber zunächst sehr gefreut. Ich habe die Buchhandlungen erst 2024 übernommen, und deshalb habe ich diese Auszeichnung auch als Anerkennung für die Arbeit meines Teams verstanden.

Umso schwerer fällt mir die Entscheidung, diesen Preis nicht anzunehmen.

Der Grund dafür liegt nicht im Preis selbst und auch nicht in der Arbeit der unabhängigen Jury. Mein Respekt gilt ausdrücklich den Jurymitgliedern sowie den vielen Kolleginnen und Kollegen, die in diesem Jahr ausgezeichnet werden.

Der Grund liegt in dem nachträglichen Eingriff Ihres Hauses in das Votum dieser Jury und im Ausschluss von drei Buchhandlungen, die zuvor von der Jury ausgewählt worden waren.

Ein staatlich vergebener Kulturpreis kann nur dann glaubwürdig sein, wenn seine Regeln klar und verlässlich sind. Eine unabhängige Jury einzusetzen und deren Entscheidung anschließend politisch zu korrigieren, widerspricht diesem Prinzip.

Besonders problematisch ist dabei, dass der Ausschluss der drei Buchhandlungen mit sogenannten 'verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen' begründet wird, ohne dass diese Grundlage öffentlich nachvollziehbar gemacht wird. Ein so weitreichender Eingriff lässt sich jedoch nur legitimieren, wenn die Gründe dafür klar benannt werden. Solange dies nicht geschieht, bleibt der Vorgang zwangsläufig intransparent.

Ich halte es für einen gefährlichen Präzedenzfall, wenn staatliche Stellen in kulturpolitische Entscheidungen eingreifen, ohne die Grundlage ihrer Entscheidung offenzulegen. Kulturförderung lebt von Vertrauen – und dieses Vertrauen entsteht durch nachvollziehbare Verfahren.

Der jetzige Vorgang wirkt dabei nicht wie ein isolierter Einzelfall, sondern fügt sich in eine kulturpolitische Linie ein, die sich seit Ihrem Amtsantritt zunehmend abzeichnet. Eine Linie, die politische Eingriffe in eigentlich unabhängige kulturelle Prozesse zumindest möglich erscheinen lässt. Für die Zukunft eines freien und unabhängigen Kulturbetriebs in diesem Land ist das kein gutes Signal.

Gerade weil ich den Deutschen Buchhandlungspreis für wichtig halte, werde ich ihn unter diesen Umständen nicht annehmen."