Tabubruch
Mit der Rabattspreizung ist es wie beim Doping im Sport: Jeder weiß, dass es sie gibt – aber keiner spricht offen darüber. Dieter Dausien über ein Problem, das die Branche dringend lösen muss.
Mit der Rabattspreizung ist es wie beim Doping im Sport: Jeder weiß, dass es sie gibt – aber keiner spricht offen darüber. Dieter Dausien über ein Problem, das die Branche dringend lösen muss.
In unserer Branche gibt es eine heftige Diskussion darüber, ob das Buchpreisbindungsgesetz (BuchPrG) an einer entscheidenden Stelle geschärft werden soll. Es reguliert nicht nur die festen Ladenpreise, sondern in Paragraf 6 auch die Preisgestaltung zwischen Händlern und Verlagen. Zwei Grundsätze gelten hier (eigentlich):
Mit der Buchpreisbindung soll ein »breites Buchangebot« gesichert werden, unter anderem, indem das Gesetz »die Existenz einer großen Zahl von Verkaufsstellen fördert«. Auch, wenn große Anbieter ihren Kund*innen daher keine Sonderpreise bieten können, können sie eine Nachfragemacht entwickeln, die ihnen durch Druck auf die Verlage maximal niedrige Einkaufspreise beschert und damit maximal hohe Handelsspannen. Denn durch die Preisbindung müssen (und dürfen) sie diese Einkaufsvorteile nicht an ihre Kund*innen weitergeben. Wenn dieser Prozess nicht eingehegt würde, mutierte die Preisbindung damit von einem Schutzmechanismus für eine Vielzahl kleinerer Händler zu einem Schutzmechanismus für wenige Großanbieter, denen sie eine exorbitant hohe Marge sichern würde.
…und formulieren wir es mal so: Wir stehen 5 vor 12, dass eine Preisbindung mit der bisher gepflegten Argumentation irgendwann komplett kippen könnte. Es liegt insbesondere in den Händen der Produzenten=Verlage, an dieser Schraube drehen zu müssen. Wer als Verlag immer noch nicht begriffen hat, wie dringlich ein neues Agieren gegenüber einigen Forderungen aus Teilen des Sortiments eigentlich ist, der hat vier Dinge nicht verstanden:
1. Die Forderungen einiger Filialketten kommen nicht aus dem luftleeren Raum, um der Verbesserung des eigenen Ergebnisses zu dienen – diese Forderungen entspringen schlicht der schieren Not!
2. Mit dem Immer-wieder-nachgeben werden schlussendlich also lebende Tote finanziert!
3. Auch die „Systemrelevanz“ Amazons hat in Krisenzeiten offenbart, wie brüchig diese Verbindung sein kann!
4. Jeder der diese bekannten Spiele mitspielende Verlag schaufelt nicht nur am Grab der Branche, so wie sie bislang aufgestellt ist – er schaufelt ganz besonders auch am eigenen Grab!
Um unser Unternehmen hier ist mir nicht bang, um die generelle und uns irgendwann indirekt erwischende Entwicklung auf Produzentenseite schon ein wenig mehr…
Jens Bartsch – Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln
Große Buchhandlungen profitieren dann (nur noch) von den im Verhältnis zur eingekauften Menge günstigeren Versandkosten pro Buch.
Wir haben durch die Preisbindung einen Verkaufspreis, der bei allen Buchhändlern identisch ist - warum dies nicht auch für den Einkaufspreis?