Umfrage zur Öffnung am 8. März

"Unsere Kunden stehen in den Startlöchern"

4. März 2021
von Börsenblatt

Am kommenden Montag dürfen die Buchhandlungen bundesweit wieder öffnen. Börsenblatt online hat sich bei unabhängigen Sortimenten umgehört, ob sie dann öffnen wollen und was bis dahin noch zu erledigen ist.

Wieder geöffnet: Buchhandlung LiteraDur in Waldbronn

Christopher Deyer, Buch-Cafe Nero39, Wiesbaden

Christopher Deyer, Nero39

Wir wünschen uns, dass der Buchhandel als positives Beispiel vorangehen kann und dadurch der ganze Einzelhandel möglichst bald wieder öffnen darf.

Wir freuen uns ab Montag wieder stöbernde Leser im Laden begrüßen zu dürfen. Unser Schaufenster ist reichlich mit Büchern bestückt, weil wir unsere Sessel zur Buchauslage umgewandelt und einige Regale zum Schaufenster herangeführt hatten. Daher räumen wir wohl erst einmal wieder alles auf den Stand vor Weihnachten um, putzen und schrubben fleißig und erledigen noch fix die vielen kleinen Schönheitsreparaturen unserer "wenn-der-Laden-geschlossen-ist-wollten-wir-schon-immer-mal"-Liste. Die Aushänge müssen noch auf den aktuellsten Stand der Verordnungen gebracht werden. Dann sind wir gespannt, wie viele Menschen die Öffnung nutzen und vorbeikommen werden.

Wir haben die letzten Monate genutzt unser Sortiment neu zu ordnen und hatten entsprechend schon Novitäten bestellt und bereits empfohlen und beworben. Von daher besteht zur Zeit kein akuter Bestellbedarf. Wir freuen uns vielmehr, die Kleinode des Buchmarkts wieder jemandem unverbindlich zum Anschauen oder Anlesen in die Hand drücken zu dürfen.

Wir hoffen, dass alle Menschen die Hygieneregeln durch den Supermarktbesuch so verinnerlicht haben, dass jeder intuitiv Abstand hält und nur mit FFP2-Maske/OP-Maske in den Laden kommt. Wir wünschen uns, dass der Buchhandel als positives Beispiel vorangehen kann und dadurch der ganze Einzelhandel möglichst bald wieder öffnen darf. Gemischte Gefühle gibt es nur bezüglich der üblichen Kurzlebigkeit der Verordnungen.

Da Nonbooks bei uns kaum ein Rolle spielen, werden wir auch jetzt keine zusätzliche Nonbookbereiche schaffen. Zumal der Buchhandel sich zutreffenderweise beschwert hat, dass Lebensmittelhändler plötzlich zu üppigen Buchlagerhallen, Garten- und Elektromärkten etc. mutiert sind. Fachgeschäfte sollten Fachgeschäfte bleiben beziehungsweise: Schuster bleib' bei deinen Leisten."

Martin Riethmüller, Ravensbuch, Ravensburg

Martin Riethmüller, Ravensbuch

Ich hoffe nur, dass Baden-Württemberg nicht am Ende wieder einen Alleingang macht und wir doch nicht öffnen dürfen.

"Wir sind auf die Öffnung am 8. März absolut vorbereitet, sämtliche Reinigungen sind im Februar durchgeführt worden, in einer Filiale haben wir Regale neu gestrichen, in einer anderen die Abholfächer umgebaut, um die Hygienemaßnahmen genauestens zu erfüllen, in einer die Böden erneuert – man kann sagen, wir starten mit Glanz… Wir freuen uns riesig, dass es wieder losgehen soll – ich finde, das ist auch eine großartige Leistung des Börsenvereins und vieler Branchenmitglieder, die sich bei ihren Abgeordneten dafür eingesetzt haben, eine Kraftanstrengung der gesamten Buchbranche.

Unsere Kunden machen wir mit Newslettern und Schreiben aufmerksam, wir schalten in Social-Media-Kanälen Werbung, auf Google haben wir die Werbung verändert. Dann müssen wir schauen, wie viele Leute in die Läden kommen und holen je nachdem die Mitarbeiterinnen aus der Kurzarbeit zurück. Ich hoffe nur, dass Baden-Württemberg nicht am Ende wieder einen Alleingang macht und wir doch nicht öffnen dürfen – zuletzt war hier ja noch nicht einmal Click & Collect erlaubt.“

Norbert Weidl, Ypsilon Buchladen, Frankfurt am Main

Norbert Weidl, Buchladen Ypsilon

Einen Luftfilter haben wir bereits im vergangenen November angeschafft.

"Wir wollen am Montag die Buchhandlung zu den üblichen Zeiten öffnen, das räumlich getrennte Café bleibt geschlossen. Zur Vorbereitung muss man räumlich noch einiges ändern, aber das kennen wir ja schon von der Zeit nach dem ersten Lockdown. Normalerweise ist unser Buchladen eher kuschelig – jetzt muss alles gemäß Corona-Regeln übersichtlicher aufgebaut werden, mit weniger Platz zum Verweilen; die "Bitte Abstand"- und Masken-Schilder hängen noch. Wir versuchen nun, die Wege der Kund*innen im Laden zu steuern. Es gibt viele Stammkunden, die sich im Laden auskennen, eigentlich achten sie selbst gut darauf, dass sich das gerecht verteilt. Für das Hygienekonzept können wir auf das letzte Jahr zurückgreifen; einen Luftreiniger haben wir bereits im vergangenen November angeschafft. Und für alle sieben Mitarbeiter*innen – Kurzarbeit hat es nicht gegeben – haben wir FFP2-Masken. Zudem müssen noch die Tische für den Außenbereich mit modernem Antiquariat bestückt werden. 

Über die Öffnung informieren wir unsere Kund*innen auf der Website, aber die meisten wissen schon über die Nachrichten Bescheid: Viele stehen in den Startlöchern und haben schon in den letzten Wochen immer wieder an der Abholstation gefragt: 'Wann können wir wieder in den Laden?' Im Winter-Lockdown ist zwar wenig los gewesen auf der Berger Straße, aber jetzt werden die Tage wieder länger. Ich gehe davon aus, dass sich die Öffnung lohnt – Ypsilon hat viel Zuspruch erhalten, auch die Nachfrage der Kund*innen gibt dazu Anlass. Natürlich wäre es schön, wenn auch die kleinen Läden in der Umgebung öffnen dürften – das würde sich positiv auf die Frequenz auswirken."

Robert Duchstein, Geschäftsführer der Buchhandlung Reuffel in Koblenz

Von den Verlagen fühlen wir uns gut unterstützt. Ich würde mir aber gerade jetzt höhere Werbekostenzuschüsse wünschen, damit wir die Frühjahrsnovitäten schön inszenieren können.

"Dass Buchhandlungen jetzt unabhängig von den Inzidenzwerten öffnen dürfen, gibt uns enorme Planungssicherheit. Denn auch wenn wir dank Bestell- und Lieferservice gut durch den Lockdown gekommen sind: Der stationäre Buchhandel ist nun mal der profitabelste Teil unseres Geschäfts. Und ganz ehrlich: Warum Buchhandlungen in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt zur Grundversorgung gehören, in Rheinland-Pfalz oder Hessen aber nicht – in diesem Punkt war die bisherige Politik einfach nicht nachzuvollziehen.

Buchhandlungen sind Leuchttürme im Einzelhandel, sind Kulturversorger und Informationsvermittler. Dieser Rolle wird die aktuelle Entscheidung endlich flächendeckend gerecht. Eine gut kuratierte Sachbuch-Auswahl zum Beispiel ist doch genau das, was die Gesellschaft in dieser umwälzenden Zeit braucht, in der diejenigen am meisten Aufmerksamkeit bekommen, die in den sozialen Netzwerken am Lautesten schreien. Nichtsdestotrotz gehen wir auch mit gemischten Gefühlen aus dem Lockdown, denn andere Geschäfte in unserer Nachbarschaft, die ebenfalls einen guten Job machen, haben bis Ende März keine Öffnungsperspektive.

Wir haben unsere vielen Stammkund*innen über die sozialen Netzwerke, unseren Newsletter und den Webshop unter www.reuffel.de informiert. Und auch die lokale Presse greift das Thema auf und macht ein Interview mit uns. In Rheinland-Pfalz durften wir ja seit dem 1. März schon "Click & Meet" anbieten. Alle Termine waren ruckzuck ausgebucht. Unsere Kund*innen haben uns sehr vermisst und werden jetzt wiederkommen. Und wir sind gut darauf vorbereitet. Zum einen haben wir unsere Buchhandlung in der Koblenzer Fußgängerzone umgebaut und einiges zu zeigen. Zum anderen haben wir das Lager gut gepflegt und regelmäßig nachgeordert. Ab Montag sind auch alle Mitarbeiter*innen wieder im Einsatz. Vorher hatten wir für "Click & Collect" und "Click & Meet" ein rollierendes System in der Kurzarbeit.

Von den Verlagen fühlen wir uns gut unterstützt. Ich würde mir aber gerade jetzt höhere Werbekostenzuschüsse wünschen, damit wir die Frühjahrsnovitäten schön inszenieren können. Unser Non-Book-Sortiment werden wir nicht kurzfristig ausbauen. Schließlich haben wir uns im Lockdown alle darüber geärgert, dass die großen Supermärkte ihr Non-Food- und Buch-Angebot so erweitert haben. Wir sollten den Spieß jetzt nicht einfach umdrehen, sondern uns auf das Buchangebot konzentrieren, mit dem wir uns den Sonderstatus verdient haben."

Plakat

Zum Foto dieser Meldung: »Willkommen zurück«, heißt es auf dem Plakat der Illustratorin Larissa Bertonasco, das das Verlagshaus Jacoby & Stuart gern an alle interessierten Buchhandlungen verschickt. Bestellen können die Buchhändler:innen das Plakat (DIN A2) mit der Bestell-Nr. 90376 bei ihren Vertretern, bei Prolit oder über den Verlag bei Chiara Hoensbroech (chiara.hoensbroech@jacobystuart.de). Bestellung und Versand sind kostenfrei.

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