Deutscher Buchhandlungspreis

"Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren"

20. März 2026
Redaktion Börsenblatt

Hanser-Verleger Jo Lendle hatte die vom Kulturstaatsminister kurzfristig ausgeladenen Buchhändler:innen in die Schaubühne Lindenfels eingeladen. Lendle sprach – und hatte Grußbotschaften der vorigen Kulturstaatsministerinnen Claudia Roth und Monika Grütters dabei. Auch der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien ergriff das Wort.

Button auf dem Hanser Taschenbuchfest

Button auf dem Hanser Taschenbuchfest

Als der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises abgesagt hatte, war am 10. März umgehend auch der Hanser Verlag eingesprungen: Er hatte alle ausgezeichneten Sortimente für den Donnerstagabend eingeladen - den Abend, der bislang traditionell zum Feiern vorgesehen war. So kamen ab 21 Uhr viele Buchhändler:innen in die Schaubühne Lindenfels, tauschten sich untereinander aus, redeten, diskutierten über die Vorfälle der vergangenen Woche.

"Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren"

Um 22.30 Uhr stellte Hanser-Verleger Jo Lendle fest: "Eigentlich wollten wir unser Hanser-Taschenbuchfest feiern, aber – es ist etwas dazwischen gekommen, etwas, was größer ist ..." Der Zusammenhalt in der Buchbranche sei immer ein schöner Brauch gewesen, und so freute er sich insbesondere die mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichneten Buchhändler zu begrüßen. "Buchhandlungen sind der beste Verfassungsschutz, und die Aufgabe, die wir uns gewählt haben, ist, die Wahrheit der Welt zu mehren", so Lendle unter großem Applaus, und: "Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren." Mit dem Wissen aus Büchern können alle klug werden, Magister werden, "das Wort kommt von magis – größer. Das Gegenteil davon ist minis – kleiner, und davon kommt das Wort Minister, was soviel wie Diener bedeutet, ein Diener des Staates – und ich erwarte, dass er hier auch ein Diener dieses Preises ist, in dem Land, in dem ein Cem Özdemir sich als Minister vor die Bauern gestellt hat, auch wenn er nicht ihrer Meinung war. Was ich nicht erwarte, ist, dass er die Kultur vor den Bus fährt und dass er den Bus auch noch selber fährt."

Buchhandlungen als Ort der Debattenkultur

Lendle beschrieb "die unerhörte Solidaritätsstimmung", die in den vergangenen Wochen überall spürbar gewesen sei, und grüßte die Buchhändler:innen sehr herzlich von der vorigen Kulturstaatsministerin Claudia Roth, die gerne gekommen wäre, es aber so kurzfristig nicht einrichten habe können. Und Jo Lendle hatte noch eine weitere Grußbotschaft, von der Kulturstaatsministerin, die vor elf Jahren den Deutschen Buchhandlungspreis ins Leben gerufen hatte: Monika Grütters. Darin zitierte sie Woody Allen: "Wenn es mir schlecht geht, gehe ich nicht in die Apotheke, sondern zu meinem Buchhändler", und es sei einiges zu tun, wenn diese Grundversorgung gewährleistet bleiben solle. "Ihre kleinen, inhabergeführten Buchhandlungen sind nicht Discounter, sondern Feinkostläden, die sicherstellen, dass Leser Autoren auch abseits der Bestsellerlisten kennenlernen können", hob Grütters in ihrer Botschaft hervor – es gelte, gemeinsam zu erreichen, "dass die Buchhandlungen als Ort der Debattenkultur nicht verschwinden". Immer wieder wurden Grütters Worte von Applaus unterbrochen.

"Was wird den drei Buchhandlungen vorgeworfen?"

Im Anschluss daran ergriff Sven Lehmann, Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, das Wort und meinte, es gäbe vom Schutz des Urheberrechts bis zum Umgang mit KI eigentlich viel Wichtigeres in der Buchbranche, stattdessen müsse man sich mit den Hintergründen der abgesagten Preisverleihung befassen. Der Kulturausschuss habe Kulturstaatsminister Weimer gestern befragt und sehr konkrete Fragen gestellt, die aber nicht beantwortet worden seien. Die wichtigste davon: "Was wird den drei ausgeschlossenen Buchhandlungen vorgeworfen? Man kann ihnen nicht vorwerfen, dass sie Extremisten sind, ohne es mit einem Beweis zu belegen." Auch Lehmann, immer wieder von Applaus unterbrochen, zeigte sich beeindruckt von der Solidarität der Buchbranche. Es dürfe keinem Minister gelingen, die Meinungsfreiheit auszuhöhlen. "Ich bin aber hoffnungsfroh. Noch nie gab es soviel geballte Aufmerksamkeit für die Buchbranche wie in den letzten Wochen."